Evangelischer Kirchenbezirk Ortenau
: Das hat Ursula Blanke-Kießling als Beauftragte für Flucht und Migration vor

Ursula Blanke-Kießling ist die neue Beauftragte für Flucht und Migration des Evangelischen Kirchenbezirks Ortenau. Die Juristin erklärt, welche Schwerpunkte sie setzen möchte und welche Rolle Kirche in der Migrationsgesellschaft einnimmt.
Von
red/mw
Offenburg
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Claudia Roloff, Leiterin der Evangelischen Erwachsenen-Bildung (von links), die neue Bezirksbeauftragten für Flucht und Migration  Ursula Blanke-Kießling und Schuldekan Jan Mathis nach der Einführung ins neue Amt.

Claudia Roloff, Leiterin der Evangelischen Erwachsenen-Bildung (von links), die neue Bezirksbeauftragten für Flucht und Migration Ursula Blanke-Kießling und Schuldekan Jan Mathis nach der Einführung ins neue Amt.

Evangelischer Kirchenbezirk
  • Ursula Blanke-Kießling ist neue Beauftragte für Flucht und Migration im Kirchenbezirk Ortenau.
  • Sie setzt Schwerpunkte bei Jugend, Sprache, Bildung und persönlicher Begleitung.
  • Ziel ist Vernetzung von Ehrenamt, Gemeinden, Kommunen und Landkreis – Arbeit über Kirche hinaus.
  • Demokratiebildung prägt ihre Arbeit, Grundlage ist das christliche Menschenbild.
  • Weltflüchtlingstag: Projekt „Beim Namen nennen“ in Kehl machte Opferzahlen sichtbar.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bei einer Andacht im Rahmen der Ortenau-Synode wurde Ursula Blanke-Kießling offiziell in ihr Amt eingeführt. Darüber informiert der Evangelische Kirchenbezirk Ortenau in einer Mitteilung. Die promovierte Juristin und Pädagogin folgt auf Gabriella Balassa. Die Stelle ist der evangelischen Erwachsenenbildung Ortenau unter der Leitung von Claudia Roloff angegliedert. Im Gespräch erläutert Blanke-Kießling auch, warum Demokratiebildung und Begegnung für sie zusammengehören.

Frau Blanke-Kießling, seit April bereiten Sie sich auf Ihre neue Aufgabe vor, nun wurden Sie offiziell ins Amt eingeführt. Welche inhaltlichen Schwerpunkte zeichnen sich bereits ab?

Ein Teil des Aufgabenprofils ist klar umrissen: Dazu gehören die Begleitung ehrenamtlicher Initiativen, die Vernetzung bestehender Gruppen sowie die Organisation von Vorträgen, Fortbildungen und Veranstaltungen. Der Evangelische Kirchenbezirk Ortenau ist groß und vielfältig. Gerade deshalb verstehen wir uns als Schnittstelle, die unterschiedliche Akteure miteinander verbindet und den Austausch fördert. Darüber hinaus reicht unsere Arbeit weit über den kirchlichen Raum hinaus. Die Zusammenarbeit mit Kommunen, dem Landkreis sowie weiteren gesellschaftlichen Institutionen ist unverzichtbar.

Sie sind promovierte Juristin und verfügen zugleich über langjährige pädagogische Erfahrung. Inwiefern prägen diese beiden Perspektiven Ihre Arbeit?

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Beide Bereiche ergänzen sich auf ideale Weise. Besonders Kinder und Jugendliche erleben Flucht und Migration häufig als tiefgreifenden Einschnitt. Deshalb wird die Arbeit mit jungen Menschen ein Schwerpunkt sein. Meine Erfahrungen als Lehrerin in Vorbereitungsklassen für Schülerinnen und Schüler mit geringen oder keinen Deutschkenntnissen haben mir gezeigt, wie entscheidend Sprache, Bildung und persönliche Begleitung für gelingende Integration sind. Gleichzeitig halte ich es für wichtig, junge Menschen, die hier aufgewachsen sind, für die Lebensrealitäten geflüchteter Menschen zu sensibilisieren. Dafür eignen sich schulische Projekte ebenso wie Formate im Konfirmandenunterricht.

Aus meiner juristischen Tätigkeit heraus liegt mir zudem die Demokratiebildung besonders am Herzen. Es geht darum, zu vermitteln, was Flucht und Migration tatsächlich bedeuten – jenseits politischer Schlagworte. Grundlage meiner Arbeit ist dabei das christliche Menschenbild, das jedem Menschen unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus dieselbe unveräußerliche Würde zuspricht. Daraus entstehen ganz konkrete Bildungsangebote, Unterrichtsmaterialien und Gesprächsformate.

In den aktuellen Debatten um Flucht und Migration haben sich die Kirchen konfessionsübergreifend ungewöhnlich geschlossen positioniert. Hat Sie diese Einigkeit überrascht?

Sie hat mich eher bestärkt. Die evangelische Kirche in Deutschland hat mit ihren Stellungnahmen bewusst Haltung gezeigt und sich damit auch angreifbar gemacht. Das verlangt Mut. Kirche denkt nicht primär in nationalen Kategorien, sondern aus einer universellen Perspektive. Im Mittelpunkt steht der Mensch – nicht seine Staatsangehörigkeit.

Mit dem Weltflüchtlingstag stand bereits zu Beginn Ihrer Amtszeit ein großes Projekt an. Welche Erfahrungen nehmen Sie mit?

Der Weltflüchtlingstag hat eindrucksvoll gezeigt, was entstehen kann, wenn unterschiedliche gesellschaftliche Akteure gemeinsam Verantwortung übernehmen. Wir haben eng mit der Diakonie, der Caritas, der evangelischen Kirchengemeinde Kehl sowie den Büros des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger und der evangelischen Landesbischöfin Heike Springhart zusammengearbeitet. Im Zentrum stand dabei das temporäre Mahnmal „Beim Namen nennen“.

Schülerinnen und Schüler, Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlichster gesellschaftlicher Gruppen sowie zahlreiche Ehrenamtliche lasen die Namen von Menschen, die auf der Flucht ihr Leben verloren haben. Diese Namen wurden auf Stoffstreifen festgehalten und machten die oftmals abstrakte Zahl der Opfer deutlich sichtbar. Der Begegnungsraum auf dem Kehler Marktplatz wurde mit einem klaren Statement des Sozialbürgermeisters Thomas Wuttke eröffnet und bot Gelegenheit für Gespräche zwischen Ehrenamtlichen, Geflüchteten sowie den Kehlern Bürgern.

Zur Person

Ursula Blanke-Kießling ist Jahrgang 1977. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihren vier Söhnen in Lahr. Erfahrung hat sie als Juristin, Waldorfpädagogin, Lehrkraft für Deutsch als Zweitsprache, und als Verfahrensbeistand in familienrechtlichen Verfahren.