Einrichtung feiert: Beim Kehler „Repair Café“ bekommt Defektes eine zweite Chance

Vor zehn Jahren fand in Kehl das erste „Repair Café“ statt. Seitdem sorgen bei der Aktion Ehrenamtliche dafür, dass alte und kaputte Gegenstände wieder brauchbar gemacht werden.
Stadt KehlUnter dem Motto „Gemeinsam reparieren statt alleine wegwerfen“ fand im September 2015 in der ehemaligen Wilhelmschule erstmals in Kehl das „Repair Café“ statt. Fast zehn Jahre sind nun vergangen, seit Bürger an jedem dritten Samstag im Monat bei Kaffee und Kuchen ihre reparaturbedürftigen Gegenstände wie Toaster, Hosen oder Staubsauger von Ehrenamtlichen instand setzen lassen können.
Der Andrang bei der Premiere sei groß gewesen, erinnert die Stadt in einer Pressemitteilung: 30 Kehler seien an jenem Samstag gekommen, um sich bei Reparaturen helfen zu lassen. Das Ziel der Aktion, organisiert von der damaligen städtischen Klimaschutzmanagerin, sei gewesen, ein Zeichen für die Nachhaltigkeit zu setzen und noch brauchbare Gegenstände vor dem Müll zu bewahren. Zehn handwerklich geschickte Helfer hatten sich damals dazu bereit erklärt, an dem Projekt mitzuwirken.
Heute – fast ein Jahrzehnt später – ist Karola van Kampen immer noch dabei. „Ich nähe, flicke, stopfe“, erzählt sie. Gemeinsam mit Helga Schmidt und Ruth Ibach – sie sind vor sechs Jahren zum Team dazugestoßen – kümmert sie sich um die mitgebrachten Textilien. Gerissene Reißverschlüsse und Nähte, durchgescheuerte Jeans oder gelöste Knöpfe – alles bekommt bei ihnen eine zweite Chance.
Auch Elektrogeräte bringen die Helfer zum Laufen
Auch zehn Jahre nach der ersten Aktion ist für Karola van Kampen der Nachhaltigkeitsgedanke noch genauso relevant wie früher: „Wir sollten eben nicht alles immer gleich wegwerfen, sondern einem zweiten Leben zuführen“, findet die ehemalige Hauswirtschaftslehrerin. Zum Beispiel könne man Hosen von Kindern flicken und sie als „Spielehosen“ nochmals brauchbar machen. Auch Ruth Ibach plädiert für ein bewussteres Konsumverhalten: „Ich würde mir wünschen, dass hochwertigere Kleidungsstücke gekauft werden und nicht nur ein T-Shirt für einen Euro, das einmal getragen und dann weggeworfen wird“, sagt sie. „Und dass die hochwertige Kleidung besser gepflegt wird, um sie länger tragen zu können“, ergänzt Karola van Kampen.
Neben dem Textilbereich stehen bei den monatlich stattfindenden Veranstaltungen auch Helfer für andere Reparaturen bereit. Einer von ihnen ist Werner Bieser. Der 72-Jährige ist seit dem allerersten Repair-Café dabei und bringt seither regelmäßig Elektrogeräte, Spielzeug oder Fahrräder wieder zum Laufen. „Ich versuche auch zu Hause, Dinge selbst zu reparieren – wenn es möglich ist“, berichtet er. Am liebsten arbeitet er an älteren Geräten. Die seien oft einfacher aufgebaut. „Neue Geräte sind heute leider meist nicht für Reparaturen ausgelegt“, sagt er. Viele Hersteller böten zudem keine Ersatzteile zu fairen Preisen an. Im Laufe der Jahre hatte Bieser schon viele defekte Gegenstände auf seinem Reparaturtisch liegen.
Bei der Feier werden auch Reparaturen angeboten
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine sprechende Puppe: „Als sie plötzlich wieder sprach – das habe ich nur einmal erlebt“. Doch nicht jede Reparatur ist erfolgreich – und das sei auch in Ordnung, findet der Hobbybastler. „Die Leute haben dann zumindest Gewissheit, bevor sie Geld für ein neues Gerät ausgeben.“ Gleichzeitig müsse aber auch nicht jedes funktionierendes Altgerät weiterverwendet werden. Heute gebe es oft energieeffizientere Alternativen: Da könne sich ein Neukauf durchaus auch lohnen.
Das Jubiläum soll am heutigen Samstag gefeiert werden. Eingeladen wird in den Innenhof der Wilhelmschule, los geht es dort um 11 Uhr. Bis 16 Uhr gibt es neben dem gewohnten Reparaturangebot auf Spendenbasis den ganzen Tag Nähworkshops, bei denen Interessierte zum Beispiel Taschen nähen, Hosen kürzen oder ihre Lieblingssocken retten können. Bei einem Kurs jeweils um 12 und um 14 Uhr kann die Kunst des Fermentierens und das Haltbarmachen vom Gemüse erlernt werden. Um eine Anmeldung wird gebeten unter klimaschatz@stadt-kehl.de. Neben Kaffee und Kuchen gibt es einen Food-Truck, der Falafel verkauft, auch Waffeln soll es geben. Weil die Computerfreunde sowie die Vélostation Strasbourg und die Fahrradwerkstatt der Kehler Flüchtlingshilfe zu Gast sind, können auch Fahrräder und Mobilgeräte wie Handys, Tablets und Laptops mitgebracht werden. Ebenfalls vor Ort sind die Repair Cafés aus Willstätt und Straßburg.
Mitstreiter gesucht
Für das „Repair Café“ in Kehl werden immer Freiwillige, besonders mit Erfahrung im elektronischen Bereich, gesucht. Wer Lust hat, tatkräftig mitzuhelfen und sich einzubringen, der kann sich per E-Mail an klimaschutz@stadt-kehl.de bei der Stabsstelle Nachhaltige Stadtentwicklung melden.