Barrierefreiheit in Kehl: Damit Teilhabe nicht an einer Stufe scheitert

In der Großherzog-Friedrich-Straße werden bald zwei Parkplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen ausgewiesen: direkt neben dem Bürgerservice und parallel zur Straße.
Stadt Kehl/Gabriele Dasch- Kehl will Barrieren abbauen: mobile Rampen, digitale Hilfen und ein Aktionstag sind geplant.
- Anselm Lab unterstützt kostenlos beim Einsatz von Smartphone und Smart Home für mehr Selbstständigkeit.
- Wheelmap.org dient als Grundlage, Rampen werden bei Bedarf ausgelegt und mit Schildern kenntlich gemacht.
- Zwei Behindertenparkplätze entstehen in der Großherzog-Friedrich-Straße neben dem Bürgerservice.
- Schulen und Rathaus werden barriereärmer: Rampen, Aufzüge und eine Muster-WC-Anlage sind vorgesehen.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Eine einzelne Stufe vor einem Ladeneingang kann darüber entscheiden, ob ein Mensch ein Geschäft betreten kann oder draußen bleiben muss. Was für viele kaum der Rede wert ist, stellt Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen im Alltag vor Hindernisse. Doch Barrierefreiheit beginnt nicht erst bei Aufzügen, abgesenkten Bordsteinen oder behindertengerechten Toiletten. Auch digitale Angebote können Selbstständigkeit ermöglichen. Und nicht zuletzt braucht es ein Bewusstsein dafür, mit welchen Schwierigkeiten Menschen mit Beeinträchtigungen täglich konfrontiert sind.
Wie sich die Teilhabe verbessern lässt, war Thema bei der Sitzung des Beirats für Menschen mit Beeinträchtigungen im Kehler Bürgersaal, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Kehl. Dabei wurden verschiedene Ansätze vorgestellt, die von digitalen Hilfsmitteln über mobile Rampen für Geschäfte und Gastronomiebetriebe bis hin zu einem Aktionstag in der Innenstadt reichen.
Wie viel digitale Technik im Alltag bewirken kann, zeigte der Erfahrungsbericht von Herbert Baum. Der seheingeschränkte Kehler hatte sich vor vier Monaten an das Anselm Lab, die Zukunftswerkstatt der Diakonie Kork, gewandt. Bis dahin hatte er keinerlei Berührung mit digitalen Medien. Julian Schulte und Ivan Stojanovics, die das Lab im Beirat vorstellten, unterstützen Menschen mit Beeinträchtigungen dabei, Smartphones, Computer und Tablets als praktische Hilfsmittel im Alltag einzusetzen.
Kostenloses und unabhängiges Angebot
Inzwischen nutzt Baum ein Smartphone mit dem Sprachassistenten Siri. Er kann Anrufe per Sprachbefehl tätigen und sich zu verschiedenen Orten navigieren lassen. „Anfangs war das eine große Herausforderung“, berichtete er laut Mitteilung. Mittlerweile sei er stolz auf das Erreichte und freue sich über seine größere Teilhabe am Alltag.
Das Anselm Lab bietet außerdem die Möglichkeit, Smart-Home-Technologien kennenzulernen und zu testen. Das kostenlose und unabhängige Angebot in der Anselm-Pflüger-Straße 2a in Kork umfasst eine längerfristige Begleitung.
Doch nicht nur technische und bauliche Hindernisse erschweren die Teilhabe. Auch Vorurteile und fehlendes Verständnis können Barrieren schaffen. Deshalb regte Beiratsmitglied Bettina Maria Herr, Leiterin des Oberlin-Schulverbundes, einen Aktionstag in der Kehler Innenstadt an. Ziel soll es sein, die Bevölkerung für die Lebensrealität von Menschen mit Beeinträchtigungen zu sensibilisieren. „Denn oft geht es beim Thema Barrieren auch um die Barrieren im Kopf“, sagte sie.
Berührungsängste abbauen
Der städtische Inklusionsbeauftragte Nicolas Uhl begrüßte den Vorschlag. Er verwies auf Workshops an Kehler Schulen, bei denen Kinder und Jugendliche mithilfe verschiedener Hilfsmittel selbst erfahren können, wie es ist, mit einer Geh-, Seh- oder Hörbeeinträchtigung zu leben. Rollstühle, Rollatoren, Krücken und Blindenstöcke kommen dabei zum Einsatz. „Diese Erfahrung ist auch für Erwachsene extrem wichtig, sensibilisiert und nimmt Berührungsängste“, betonte Uhl.
Uhl stellte zudem ein Konzept zur finanziellen Förderung mobiler Rampen für Geschäfte und Gastronomiebetriebe vor. Da die Stadt bei privaten Betrieben Barrierefreiheit nicht einfordern kann, sollen diese bei der Anschaffung einer Rampe einen Teil der Kosten erstattet bekommen. Die Rampen kosten bis zu 300 Euro, wiegen zwischen fünf und 18 Kilogramm und lassen sich zusammenklappen. Hinweisschilder sollen auf ihre Verfügbarkeit aufmerksam machen. Sie werden nur bei Bedarf ausgelegt, damit sie für blinde und seheingeschränkte Menschen keine Stolperfalle darstellen.
Als Grundlage dient die Internetplattform Wheelmap.org. Dort können Nutzer die Zugänglichkeit von Orten für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator nach dem Ampelprinzip kennzeichnen. „Kehl ist schon ziemlich bunt, aber noch nicht so grün, wie man es sich wünschen würde“, sagte Uhl laut Mitteilung. Jeder kann die Karte nutzen und Eintragungen ergänzen.
Aufzüge für Schulen geplant
Auch an Schulen und öffentlichen Einrichtungen wird gearbeitet: Das Rathaus in Auenheim hat inzwischen einen barrierefreien Zugang erhalten. Die Grundschule Kork wird durch eine Rampe ins Kellergeschoss zugänglich gemacht. In der Falkenhausenschule entsteht derzeit ein Aufzug, der vier Stockwerke miteinander verbinden soll. Im Zuge der Arbeiten wurde außerdem eine Muster-WC-Anlage für Barrierefreiheit entwickelt.
Auch in der Grundschule Leutesheim und der Söllingschule sind Aufzugsanlagen vorgesehen. Eine Anlage koste zwischen 300 000 und 400 000 Euro. Der Gemeinderat habe die Mittel jeweils ohne Zögern freigegeben.
Die Beratungen im Beirat machten deutlich, dass es für mehr Inklusion unterschiedliche Ansätze braucht. Neben baulichen Veränderungen und technischen Hilfen geht es vor allem darum, Menschen mit Beeinträchtigungen einen möglichst selbstverständlichen Zugang zum gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Denn echte Barrierefreiheit bedeutet nicht nur, Hindernisse zu beseitigen, sondern auch, Selbstständigkeit zu fördern und Teilhabe für alle möglich zu machen.
