Vortrag in Schiltach: Spuren des Bergbaus sind heute noch sichtbar

Frieder Wolber hatte Fundstücke mitgebracht.
R. MahnAuf Einladung des Historischen Vereins sprach Frieder Wolber über den Bergbau in Schiltach. Matthias Zizelmann hatte dazu dort vorkommende Mineralien und Erze eindrucksvoll fotografiert. „Schon seit der Kindheit faszinierten mich Mineralien und der Bergbau, denn auf den Äckern fand ich immer wieder Schwerspat“, sagte Wolber, der seine Augen im Blick auf Bergbauspuren immer mehr schulte. Viel Wissen eignete er sich über Fachliteratur und bei Begegnungen mit namhaften Geologen und Mineralogen an, was ihn zu einem profunden Kenner der Bergbauhistorie des oberen Kinzigtals werden ließ.
Schiltach liegt am Rande des Witticher Revieres, wo die Herrschaften Württemberg und Fürstenberg aufeinanderstießen. Im Vergleich zu anderen württembergischen Revieren waren die Vorkommen an Eisenerz, Kobalt, Silber, Schwer- und Flussspat eher bescheiden. Dokumentiert ist der Bergbau seit Mitte des 16. Jahrhunderts, Wolber vermutet allerdings, dass er bis in die keltische Epoche zurückreicht.
Regional war das kleine Bergbaurevier Hohberg von Bedeutung, was für Herzog Christoph von Württemberg problematisch war, denn das Sulzbächle lag als Enklave im fürstenbergischen Gebiet. Nachgewiesen ist „schwarzes und rotes Erz“ auf dem Gebiet des heutigen Konradshofes im Sulzbächle. Neben dem fürstenbergischen Hüttenwerk auf dem Schmelzegrün in Wolfach entstand 1618 ein neues württembergisches Schmelzwerk auf der Schmelze in Vorderlehengericht.
Anlagen im Krieg zerstört
Der Dreißigjährige Krieg brachte die Zerstörung beider Anlagen, doch schon 1664 waren wieder neun Schächte auf württembergischem Gebiet aktiv. Das Wolfacher Schmelzwerk wurde notdürftig instandgesetzt, die Schmelze in Vorderlehengericht aufgegeben Das dort gewonnene Erz wurde im Christophstal verarbeitet. Nach 1720 verlagerte sich der Fokus vom Eisenerz hin zu Kobalt, Silber und Kupfer; die große Zeit des Bergbaus im Gebiet Hohberg ging zu Ende.
Das geübte Auge sieht es
Auf der östlichen Talseite der Schiltach, so Wolber, seien für das geübte Auge noch Schürfgräben und Schwerspatgänge erkennbar. Drei Gruben, Michael, Maria Magdalena und Mariengang sind noch befahrbar. Westlich der Schiltach, im Reichenbächle, Hunersbach und Stammelbach, seien die Vorkommen vergleichbar. In einem Gesenk im unteren Gang im Hunersbach wurden 1945 Sprengstoffe aus deutschen Beständen durch französische Pioniere vernichtet.
Zwei Gruben im Stammelbach brachten nachweislich Erträge; in der Grube Johannes wurden nach 1745 Kobalterze und Wismutmineralien gewonnen. Die Grube Hilfe Gottes sei, abgesehen vom Hohberg, die interessanteste Grube im Schiltacher Revier. Dort wurde zwischen 1771 und 1787 Kobalt gefunden, zudem kam radioaktives Gestein zutage, erneute Sondierungen im Jahr 1970 führten jedoch zu keinem Erfolg. Im Kienbach ist die Grube Eberhard mit ihrem 120 Meter langen Stollen erhalten.
Der Vortrag kann auf www.geschichte-schiltach-schenkenzell.de angehört werden.