Sulz a. N.: Timm Rößler entwickelt neue Obstpresse

Wenn man den Holzspalter zu Hilfe nimmt, presst sich’s ganz leicht. Die Apparatur, in der aus Obst, Gemüse, Kräutern und Gräsern Saft wird, hat der Fischinger Timm Rößler entwickelt und zwischenzeitlich zum Patent angemeldet.
SchnekenburgerSulz-Fischingen - Ein typischer Tüftler ist er eigentlich nicht. Aber irgendwie schon. Wenn es darum geht, mit einfachen Mitteln bestehende Systeme zu verbessern oder neue Ideen umzusetzen. Deshalb hat Timm Rößler jetzt zwei Patente.
Das eine hätte es ohne das andere nicht gegeben, und das andere war eher ein Zufall. Begonnen hatte alles im vergangenen Herbst, als Rößler sich mit der Ernte seiner Weinstöcke beschäftigte und 60 Liter frischen Traubensaft presste. Seine Helfer: eine Spindelpresse, wie sie bestens bekannt ist, und viel, viel Ausdauer. An der Ausdauer sollte es ja nicht liegen, aber ein bisschen leichter könnte es schon gehen, dachte sich Rößler und begann, sich Gedanken über eine neue Obstpresse zu machen. "Ich dachte mir, es braucht irgendetwas, das automatisch presst", erinnert er sich. Fündig wurde er in einem Bereich, der mit Saft und Wein eher weniger zu tun hat. Sein Holzspalter sollte den nötigen Druck erzeugen. Von den Leistungsdaten her sollte das kein Problem sein. Nur Art, Dimensionierung und Ausformung der eigentlich Presse wollten genau überlegt sein.
Schon das erste Modell, das der gelernte Anlagenmechaniker konstruierte, und das von seinem Vater Heinz Rößler, von Beruf Schlosser, umgesetzt wurde, war ein Erfolg. Allerdings gab es noch deutlichen Verbesserungsbedarf, weil ein beträchtlicher Teil der Ausbeute nicht dort ankam, wo sie sollte, sondern über die Saftrinne hinaus unkontrolliert Landschaft und Bedienpersonal mit leckerem, allerdings nicht mehr verzehrfähigem Getränk versorgte. Also weitergetüftelt, bis das Ergebnis den Erfolg auch in gewünschter Darreichungsform herstellen konnte. Und da ist sie jetzt, die neue "Presse zum Extrahieren beziehungsweise Herstellen von Säften aus verschiedenen Obst- und Gemüsesorten, sowie Gräsern und Kräutern.", wie es in der Patenturkunde heißt. Ganz aus Edelstahl gefertigt, mit einem optimierten Messer zur Zerkleinerung des Pressgutes und einer stabilen Ronde, die über angeschweißte Verstärkungsprofile, auf die der Holzspalter mit einer Kopplungsvorrichtung wirkt, den Saft aus den Früchten presst. Klar, dass die Teile von Hand in wenigen Augenblicken ausgetauscht werden können.
Dass es zum Patentverfahren kam, hat aber einen ganz anderen Grund, denn eigentlich wäre es damit getan gewesen: Presse funktioniert, bei der Aufbereitung der Ernte 2013 weniger Arbeit. Ziel erreicht. Punkt. Rößler war noch ein Jahr auf der Haustechnikerschule und hatte dort mit einem Dozenten zu tun, der von einem Spontanvorschlag so beeindruckt war, dass er ihn zum Patent bringen wollte: Weshalb nicht warme Luft nehmen, um Wärme zu erzeugen? Weshalb muss man im Winter Luft mit einer Temperatur von unter dem Gefrierpunkt ansaugen und über die Wärmepumpe auf Heizungswärme hochheizen, wenn unter den Decken der Wohnräume schon Luft mit einer Temperatur von 26 Grad Celsius, weit höher als die Temperatur im Aufenthaltsbereich der Menschen, ist, die niemand braucht? Rößlers Idee: der Innenkollektor. Er funktioniert wie eine Fußbodenheizung, sogar mit den selben Teilen, nur eben anders herum. In der Decke installiert sammeln die Schlangen die Wärme förmlich ein und führen sie über einen Wärmetauscher der Wärmepumpe zu, die nun weit weniger Energie braucht, weil sie den Erwärmungsvorgang über eine beträchtliche Temperaturspanne jetzt nicht mehr selbst leisten muss, sondern bereits mit warmer Luft arbeiten kann.
Das wollte der Dozent, ein Bauingenieur, aus dem Stand zum Patent anmelden, und da dachte sich Rößler, er habe ja noch eine Idee gehabt und schon umgesetzt, die Holzspalter-Saftpresse. Die hat zwar mit Haustechnik nichts zu tun, den Dozenten aber gleichermaßen beeindruckt, weshalb er für beide Ideen das aufwendige Patentverfahren übernahm.
Weitere Informationen: www.wasserflüsterer.de