Lkw-Großbrand bei Sulz: Wie verlief der Gefahrguteinsatz auf A 81?

Am Montagnachmittag ist ein Lkw in Brand geraten. Die Löscharbeiten dauerten bis in die frühen Morgenstunden des Dienstags.
Feuerwehr EutingenAm Montagnachmittag kam es auf der A 81 bei Sulz zu einem Gefahrgutunfall, bei dem ein Lkw in Brand geriet. Besonders schockierend war die enorme Rauchentwicklung, die dabei entstand.
Unsere Redaktion hat mit dem Fachberater Chemie der Feuerwehr Rottweil, Michael Sowa, über die praktische Vorgehensweise bei einem solchen Einsatz gesprochen.
Die Löscharbeiten dauerten bis in die frühen Morgenstunden des Dienstags. „Es war bei dem Stoff auch zu erwarten“, ergänzt der Experte.
Schwerschaum als effektive Toluol-Brandbekämpfung
Vor Ort war eine aufwändige Analyse nicht notwendig, denn im Löschwasserbecken konnte man oben „deutlich eine unpolare Phase aufschwimmen sehen“ und – riechen konnte man sie auch. „Das war sofort klar, mit welchem Stoff wir es zu tun hatten“, erklärt Sowa.
Bei dem Gefahrgut handelt es sich um Toluol, ein „unpolares Lösungsmittel“, was bei der Herstellung von Farben, Lacken, Klebstoffen und Kunststoffen verwendet wird. Der Stoff lässt sich allerdings schwer mit Wasser löschen. Denn wie der Fachberater erklärt: „Reines Wasser perlt oben ab und hat eben nicht den Effekt, den man sich wünscht“. Daher sei das Wasser mit Schwerschaum angereichert worden, da dieser die Oberflächenspannung herabsetzt und zusätzlich eine Kühlwirkung hat.
Er ergänzt, dass es bei einem so großflächigen Brand und Einsatz keine Alternative zum Schaum gebe. Denn sowohl Pulver als auch Sand kommen bei großvolumigen und brennbaren Gefahrstoffen nicht in Frage.
Fachberater gibt Einschätzung
Vor Ort übernimmt der Fachberater eine beratende Funktion: „Ich bin da, um eine Einschätzung der Gefährlichkeit des Stoffes abzugeben, eine chemische Beurteilung und eine Empfehlung auszusprechen.“ In komplexen Fällen wird jedoch auch die Expertise des Herstellers vom Stoff oder großer Chemieunternehmen wie der BASF hinzugezogen.
Messfahrzeug überwacht Schadstoffausbreitung
Beim Einsatz auf der A 81 wurde zur Beurteilung der Lage, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Schadstoffausbreitung, ein spezielles Messfahrzeug eingesetzt. „Das ist ein Infrarotspektrometer, das herumfährt, eine Schnüffelsonde hat, aus der Luft Proben aufnimmt und diese dann analysiert.“ Es wurde überall dort gemessen, wo man etwas vermuten konnte – auch an Stellen, an denen aufgrund der Windrichtung mit einer Ausbreitung zu rechnen war.
Die Ergebnisse waren laut dem Experten durchweg positiv: „Wir konnten nirgends messen, dass eine Gefahr bestanden hatte.“ Das sei allerdings nicht ungewöhnlich, so der Fachberater. Denn bei guter Thermik (aufsteigende Luft, die wärmer ist als die Umgebungsluft, wie der DWD erklärt) würden auch bei einem normalen Brand entstehende Giftstoffe stark nach oben getrieben. Durch sogenannte „Verdünnungseffekte“ seien sie am Boden dann nicht mehr messbar.
Der Unfall sorgte für viel Aufregung und Stau. Die Autobahn ist auch einen Tag nach dem Unglück noch für die Bergungsarbeiten gesperrt. Einsätze dieser Art seien zum Glück selten, so der Fachberater. Rückblickend zeigt er sich zufrieden: „Jeder hat seinen Teil gemacht“, betont er.