Bauernkrieg im oberen Kinzigtal
: Zu Tausenden lagen sie tot auf Schlachtfeldern – was war geschehen?

Vor 500 Jahren tobte der Bauernkrieg im oberen Kinzigtal, als sich Bauern gegen die Vorherrschaft der Obrigkeit zur Wehr setzten.
Von
Hans Harter
Oberndorf
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Titelblatt der „Zwölf Artikel“ des Programms der Bauern aus dem Jahr 1525

Archiv

Am 1. Mai 1526 musste Konrad Dietrich „am Eulersbach“ auf dem Schiltacher Rathaus einen Schwur ablegen: „Sich sein Leben lang wohl und ehrlich zu verhalten“ sowie acht Gulden Strafe und Haftkosten zu zahlen. Dies wegen „freventlicher und mutwilliger Handlungen“ im Jahr zuvor, weshalb er eingekerkert worden war.

Dietrich hatte noch Glück: Er besaß „Vettern, Schwäger und Freunde“, die die Obrigkeit dazu brachten, ihn nur mit dieser sogenannten „Urfehde“ zu bestrafen, auch wenn sie ihn zeitlebens unter Aufsicht stellte.

Vor jetzt 500 Jahren wurden solche „Urfehden“ vielhundertfach gegen „Frevler“ verhängt, aber auch die Todesstrafe. Zu Tausenden aber lagen sie erstochen und erschlagen auf Schlachtfeldern, bei Balingen, Böblingen, Radolfzell und anderen Orten. Was war geschehen?

Krasse Ungleichheiten

Schon lange zeigte die Gesellschaft krasse Ungleichheiten: Es regierten Fürsten, Adlige und Geistliche, die ihr Wohlergehen der Arbeit der Bauern verdankten. Aufgrund rechtlicher Fesseln wie der Leibeigenschaft hatten sie keine Chance, der Ausbeutung zu entgehen. Doch zeigte der Vers „Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?“ den Weg zur Veränderung: Sich gegen „die Herren“ aufzulehnen.

Ein Christenmensch ist niemandem untertan

Dass es dazu kam, war auch Martin Luthers „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ von 1520 zu verdanken: Dass „ein Christenmensch ein Herr über alle Dinge und niemandem untertan ist“. Von Luther religiös gemeint, verstanden die Bauern den Satz politisch: Dass „wir frei sind“ und dass „es zum Erbarmen ist“, wenn es heißt, „wir seien Eigenleute“.

Erste Gewaltausbrüche

Die Gegensätze waren nicht zu überbrücken: Im April 1525 gab es erste Gewaltausbrüche, und die Obrigkeiten fürchteten um ihre Stellung. Ihr „Schwäbischer Bund“ stellte 9000 Landsknechte und 1500 gepanzerte Reiter auf, um die sich in „Haufen“ organisierenden und mit Sensen und Dreschflegeln bewaffnenden Bauern niederzuwerfen.

Ein „Haufen vorm Wald“

Am 11. April kamen in Vierundzwanzighöfe bei Alpirsbach 150 Bauern zusammen. Sie waren Untertanen des dortigen Klosters und erklärten dem Abt, keine Kornsteuer mehr abzuliefern. Bald waren sie Hunderte und bildeten den „Haufen vorm Wald“, geführt von Thomas Maier aus Loßburg. Sie zogen nach Alpirsbach, wo der Abt floh und sie Wein, Korn und Vieh plünderten. Ende April nahmen sie Schiltach und standen vor Wolfach, wo aber zwei ihrer Anführer, Hans Scherer von Loßburg und Lux Pfau von Romishorn, gefangen wurden.

In dem „Haufen“ waren auch einige „von Schiltach“ und „haben Korn aus unserem Kloster geführt, ohne zu bezahlen“, wie der Alpirsbacher Abt später berichtete. Daran war wohl Konrad Dietrich vom Eulersbach beteiligt, der diesem „Mutwillen“ dann abschwören musste.

Der „Haufen vorm Wald“ plünderte auch die Schlösser Neuneck und Glatt, besetzte das Kloster Reichenbach und eroberte die Stadt Sulz. Jetzt etwa 2000 Mann stark, vereinigte er sich mit den Bauern des Unterlands, um am 12. Mai bei Böblingen vom Schwäbischen Bund vernichtend geschlagen zu werden. Thomas Maier wurde in Tübingen enthauptet.

Die Ereignisse gingen als „Revolution des Gemeinen Mannes“ in die Geschichte ein, aber als eine gescheiterte, die bei Siegern wie Verlierern zu gesellschaftlichen Verhärtungen führte. Für die nächsten 300 Jahre waren Werte wie Freiheit und Gerechtigkeit diskreditiert, auf bürgerliche und demokratische Rechte kam man erst im 19. Jahrhundert wieder zurück.

Ein „Pflug“ als Erinnerung

An den Bauernkrieg erinnert der „Pflug“ vor Eulersbach: „Pflüge“ sind ausgesprochene Bauernwirtschaften, die sich besonders in den einstigen Zentren des Bauernkriegs finden. Wohl ist es kein Zufall, dass Konrad Dietrich hier vor Eulersbach saß, wohl als Wirt, bei dem sich die rebellischen Bauern trafen, wie sie es auch in Fischerbach, in der Wolfacher Vorstadt und im Hausacher „Dorfwirtshaus“ taten. Von dortigen Aktionen ist jedoch nichts bekannt.

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