Ärger in Epfendorf: Beim Albverein brodelt es ziemlich

Sonnige Tage für Wanderfreunde und die Natur wollen viele Albvereinsmitglieder in Epfendorf auch künftig jenseits des Dachvereins genießen.
HolzerZur Zukunft des Schwäbischen Albvereins in Epfendorf hatte sich der Gauvorsitzende Klaus Butschle zu Wort gemeldet und Befürchtungen geäußert, dass mit einer Neugründung eines lokalen Vereins außerhalb der Ortsgruppe und damit des Schwäbischen Albvereins dessen Aufgaben vor Ort nicht mehr wahrgenommen würden.
Im Vorstand der Ortsgruppe Epfendorf trifft das auf Unverständnis. Butschle habe den Weg in die Öffentlichkeit gesucht, weil „viel gefährliches Halbwissen kursiere und er für Aufklärung sorgen und aufzeigen möchte, was die Auflösung der Ortsgruppe bedeuten würde“, wird dort zitiert. Indes habe Butschle „nichts dazu beigetragen, dieses ‚Halbwissen‘ aufzuklären, sondern Behauptungen aufgestellt, die völlig unzutreffend sind“, erklären Petra Mäder und Bettina Kaltenbach, Vorsitzende und Stellvertreterin der Ortsgruppe.
So sei es nicht geplant, die Ortsgruppe aufzulösen. Gleiches gelte nach Kenntnisstand des amtierenden Vorstands anders als von Butschle geäußert, auch für die Ortsgruppe Bösingen. Geplant sei vielmehr hier wie dort die Gründung eines neuen Vereins mit denselben Zielen wie die der Ortsgruppe – jedoch bei weitaus geringeren Mitgliedsbeiträgen. Die Ortsgruppe bleibt also weiterhin bestehen. Allerdings ohne den jetzigen Vorstand.
Kommunikationsdefizite
Der Gauvorstand wünsche sich „mehr Offenheit und Fairness im Umgang miteinander“, zitiert Kaltenbach weiter und fragt: „Warum wurde dann noch nie bei der jetzigen Vorstandschaft der Ortsgruppe Epfendorf angerufen und nach der aktuellen Situation gefragt?“
Die Information gebe so die Meinung einiger Albvereinsmitglieder wieder, nicht aber die vollständigen und zutreffenden Inhalte, wie sie aus einem persönlichen Gespräch mit dem jetzigen Vorstand hätten erhoben werden können. Und: „Das ‚gefährliche Halbwissen‘ hätte der Gauvorstand in so einem Gespräch auch aus der Welt räumen können“, meinen Mäder und Kaltenbach.
Ortsgruppe bleibt bestehen
Von einem „Leerlaufen des Vereins“ distanzierten sich die jetzige Vorstandschaft und der Ausschuss. Die Ortsgruppe bleibe bestehen, nur würden sich die meisten Funktionäre und viele Mitglieder einem neuen Verein zuwenden und „ihre Zeit und ihr Engagement dafür verwenden, dass die positiven Dinge – für die die jetzige Ortsgruppe bekannt ist, und was unsere Mitglieder mit dem Albverein Epfendorf verbindet –, wie Wandern, Naturschutz, Wegepflege, Familienarbeit und Geselligkeit weiterhin im Vordergrund stehen.“
Für die jetzigen Verantwortlichen der Ortsgruppe sei die Beitragserhöhung ab 2026 auf 49 (Einzelmitgliedschaft) beziehungsweise 63 Euro (Familienmitgliedschaft) gravierend, da dies eine 48-prozentige Erhöhung bei der Einzelmitgliedschaft und eine 34-prozentige Erhöhung bei der Familienmitgliedschaft binnen drei Jahren bedeute.
Butschle gebe selbst zu, dass sich beim Albverein etwas ändern muss, und dass der Verein vor einer großen Umstrukturierung stehe, stellen Mäder und Kaltenbach fest. Allerdings sei der Vorwurf: „Abzuhauen ist leicht, Mitzuhelfen den Verein umzustrukturieren fordert mehr“ angesichts der Ein- und Mitwirkungsmöglichkeiten der Ortsgruppe „völlig daneben“, denn als Ortsgruppe habe man in Stuttgart im Hauptausschuss – dieser beschließt Mitgliedsbeiträge, Haushalt und Vereinsstruktur – keine Stimme.
Falsche Unterstellung
Mitglieder des Hauptausschusses seien laut Satzung nur Ortsgruppenvorsitzende von Ortsgruppen mit mehr als 1000 Mitgliedern, erinnern die beiden. Im Hauptausschuss säßen – neben dem Gesamtvorstand – hauptsächlich die Gauvorsitzenden wie Butschle, und die hätten es „bislang nicht geschafft, den Verein in die richtige Spur zu bringen.“
Die jetzigen Verantwortlichen der Ortsgruppe hätten auch schon vor Jahren an den Hauptverein geschrieben, dass sie aus Gründen der Nachhaltigkeit nur noch 50 Wanderkarten für ihre 200 Mitglieder anfordern, da die meisten Wanderer heute mit Outdoor-Apps unterwegs sind oder aus Altersgründen gar nicht mehr wandern. Auf diesen Vorschlag hätten die jetzigen Verantwortlichen bis heute keine Antwort erhalten. Kritik an den „Blättern des Schwäbischen Albvereins“ hätte es von ihrer Seite, anders als von Butschle erklärt, aber noch nie gegeben: „Woher der Gau diese Unterstellung hat, ist ein Rätsel.“
Naturschutzaufgaben stehen auf der Agenda
Im neuen Verein werde Ansprechpartner für die Wegepaten weiterhin Manfred Diechle sein. Die Pflege des Landschaftsschutzgebiets Käppeleshalde werde mit vertraglicher Verpflichtung auch 2026 durch den Landschaftspflegetrupp des Hauptvereins – in Zusammenarbeit mit dem Landschaftserhaltungsverband Kreis Rottweil – durchgeführt.
Ab 2027 solle mit dem Verband in Abstimmung mit der Gemeinde Epfendorf neu verhandelt werden. Dies sie auch bereits in einer Sitzung mit Bürgermeister Marc Prielipp so besprochen worden.
„Wie man sieht, liegt den jetzigen Verantwortlichen der Ortsgruppe auch weiterhin die Pflege der „Käppeleshalde“, die Wegepflege der Wanderwege und der Naturschutz am Herzen“, stellen die Vorsitzenden fest.
Ohne Zorn
Und „Zorn“ verspüre keiner der jetzigen Verantwortlichen – nur Bedauern darüber, „dass nicht persönlich von Seiten des Gaus offen und fair Kontakt aufgenommen wurde“ – dann hätten schon im Vorfeld solche Unterstellungen aus dem Weg geräumt werden können. Von „überhasteten Entscheidungen“ distanziert sich der amtierende Vorstand, da die Probleme des Hauptvereins schon lange auf dem Tisch lägen, aber eine Lösung nicht absehbar sei.