VHS Oberes Nagoldtal: Die Leute waren allein gelassen

Abschied: VHS-Leiter Mario Gotterbarm (links) und Fachbereichsleiter Gesundheit Ralf Bartmann bedankten sich bei Monika Wehrstein für ihr langjähriges Engangement.
Marisa PeckoltIm Februar 2007 gründete Monika Wehrstein die „Selbsthilfegruppe Demenz“ in Nagold, die sich seither als „Gesprächskreis Demenz“ einmal im Monat in der Volkshochschule (VHS) getroffen hat, zunächst am Vorstadtplatz, später in der Bahnhofstraße. Das Angebot richtete sich vor allem an Angehörige von Betroffenen.
„Mein Anliegen war es, dass man Angehörige unterstützt, berät, und Gelegenheiten zum Austausch schafft. Denn es gab vorher nichts Vergleichbares in Nagold, die Leute waren allein gelassen mit der Thematik“, erinnert sich Monika Wehrstein. Nun endete dieses Kapitel – zumindest vorerst. Monika Wehrstein gibt die ehrenamtliche Leitung des Gesprächskreises auf: „Nachdem ich die Hospizarbeit aufgegeben habe, trete ich auch hier kürzer“, sagt sie.
VHS-Leiter Mario Gotterbarm und Fachbereichsleiter Gesundheit Ralf Bartmann bedankten sich bei Monika Wehrstein für ihr ehrenamtliches Engagement. „Der Gesprächskreis Demenz war ein ganz besonderes Angebot, das wir ohne Monika Wehrstein in so einer Form vorerst nicht fortführen können“, sagt Gotterbarm. „Wir suchen daher eine Nachfolge – und ich bin Monika Wehrstein dafür dankbar, dass sie mit ihrer Expertise und ihrer Erfahrung eine zukünftige Leitung für einen Neuanfang als Mentorin und Beraterin unterstützen möchte.“ Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel sei davon auszugehen, dass zukünftig noch mehr Menschen an Demenz erkranken werden und insofern Beratungsangebote umso wichtiger sein werden.
Der Gesprächskreis traf sich einmal pro Monat. Vorgesehen waren pro Termin anderthalb Stunden, aber die Gespräche dauerten zwei Stunden und länger, erinnert sich Monika Wehrstein.
In seiner Verzweiflung ihre Nummer gewählt
„Mein Ziel war es, die Angehörigen so zu beraten, dass Betroffene so lang wie möglich zuhause bleiben konnten in ihrem vertrauten Umfeld“, sagt Wehrstein, die bereits 2001 eine sogenannte Multiplikator-Ausbildung Demenz absolviert hat, um betroffene Menschen professionell unterstützen zu können. „Oft habe ich Teilnehmende des Gesprächskreises auch zuhause besucht, wenn sie dringend Hilfe benötigten oder überfordert waren.“
Zuweilen habe ihr Telefon auch nachts geklingelt, weil jemand in seiner Verzweiflung ihre Nummer gewählt habe. Das Engagement im Gesprächskreis war für sie eine Herzensangelegenheit – und eine erfüllende Aufgabe. „Beziehungen entstehen, und man bekommt von den Menschen sehr viel zurück. Und noch wichtiger: Man kann helfen!“