Übung im Landkreis Calw
: Wenn Rettungskräfte mehr als gefordert sind

Katastrophenschutzübung: Waldbrandszenarien, Unfälle, ein medizinischer Notfall und die Evakuierung eines Zeltlagers sowie eines Ferienprogramms forderten zahlreiche Rettungskräfte.
Von
Steffi Stocker
Oberndorf
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Der Waldbrand erschwert die Rettung eines Mountainbikers.

Steffi Stocker

Direkt am Sportheim kam es der Annahme zufolge zu einem größeren Waldbrand, der auf das Gebäude übergriff und das Zeltlager auf dem Platz gefährdete. Mit dieser ersten Lagemeldung durch die Feuerwehr Haiterbach wurden weitere Wehren aus den Nachbargemeinden und Kreisbrandmeister (KBM) vom Dienst André Weiss alarmiert.

Panische Eltern Während die Feuerwehr mit Löschangriffen die Flammen bekämpfte, trafen panische Eltern ein, um nach ihren Kindern zu suchen. Um sie kümmerte sich die hinzugerufene Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV).

Unterdessen breitete sich der Waldbrand aus, den Nebelmaschinen simulierten. Er ergriff durch Funkenflug den Bereich hinter der Tennisanlage. Der Katastrophenfall wurde ausgerufen, mit dem der KatS- Zug Wasserförderung, stationiert in Bad Wildbad, aktiviert wurde.

Auch Drohne im Einsatz

Er speiste den hinzugerufenen 10 000 Liter fassenden Wasserbehälter der Feuerwehr Altensteig aus dem Fluss Waldach. Da mehr als 4000 Meter Schlauchleitung für die Wasserversorgung erforderlich waren, stellte das THW zusätzliche Wasserbehälter als weitere Zwischenspeicher.

Außerdem unterstützte ein Landwirt mit seinem Wasserfass die Löscharbeiten, da an der Lachenhütte ein dritter Waldbrand lokalisiert wurde – wie sich herausstellte, durch Brandstiftung. Die Drohne des Landkreises lieferte die entsprechenden Bilder.

Längst hatte sich die Rohrdorfer Straße, die am Sportgelände des SV Oberschwandorf vorbeiführt, zu einem Nadelöhr entwickelt. Sie wurde deshalb zur Einbahnstraße mit Ringverkehr.

Für die Bewältigung der Gefahrenlage war eine enge Abstimmungen notwendig.

Foto: Stocker

Die KatS-Führungsstufe aus Calw übernahm die Koordinierung der Kommunikation und Maßnahmen aller beteiligten Organisationen. Denn zwischenzeitlich war auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit Kreisverband inklusive organisatorischem Leiter des Rettungsdienstes ORGL und verschiedenen Ortsverbänden sowie Notärztin mit Rettungswagen auf dem Gelände.

Neben der Untersuchung der Kinder des Zeltlagers ereilte sie der Hilferuf einer Frau, deren Mann mit dem Mountainbike in einem der Waldbrandgebiete schwer gestürzt war. Feuerwehrleute retteten ihn aus dem dichten Qualm und übergaben ihn den Rettungskräften.

Hubschrauber Damit nicht genug: Plötzlich eilte ein Forstmitarbeiter auf die Brandschutzkräfte zu, um Hilfe für seinen Kollegen zu holen, der im Rahmen von Baumfällarbeiten unter einen Baum geriet. In dem unwegsamen Gelände musste die Feuerwehr dann starke Äste mit Sägen entfernen, um zu dem Patienten zu gelangen. Er hatte sich so schwer verletzt, dass die Notärztin ihn mit einem Hubschrauber in die Klinik fliegen ließ.

Ein Hubschrauber war außerdem für die Rettung eines Mannes notwendig, der auf einem Hochsitz Herz-Kreislauf-Probleme hatte und mit einer Schleifkorbtrage von dem hölzernen Beobachtungspodest geholt wurde, nachdem sein Standort über sein Handy festgestellt werden konnte. Plötzlich schreckte die Vermisstenmeldung von drei Kindern die Rettungskräfte auf, da sie beim Überprüfen der Evakuierung an der Lachenhütte fehlten.

Suche nach Kindern

Deshalb wurden drei Trupps aus den angelaufenen Maßnahmen „herausgeschält“ und zur Suche in die Umgebung geschickt.

„Ein Aspekt, der nicht geplant war, aber bei diesem Brandszenario in der Sache der Natur liegt und von der Jugendfeuerwehr realistisch dargestellt wurde“, zollte KBM Weiss Respekt. Alle geretteten Personen, die nicht in ein Krankenhaus mussten, wurden in das evangelische Gemeindehaus gebracht.

Viele Mitwirkende gestalteten am Samstag ein realistisches Geschehen.

Foto: Stocker

Darsteller Rund 330 Mitwirkende zählte man bei der Katastrophenschutzübung, darunter 70 Darsteller. Unter anderem aus den Jugendfeuerwehren Haiterbach, Nagold und Rohrdorf sowie Kinder aus Oberschwandorf.

Für die angenommene Großschadenslage waren die Feuerwehren aus Haiterbach, Oberschwandorf, Rohrdorf, Nagold, Calw, Altensteig, Bad Wildbad sowie dem Gemeindeverwaltungsverband Althengstett, Gechingen, Ostelsheim und Simmozheim eingebunden.

Grundschutz sichergestellt

Während der Katastrophenschutzübung, die unter anderem von Bürgermeisterin Kerstin Brenner und ihrem Rohrdorfer Kollegen Daniel Jendroska interessiert verfolgt wurde, wurde an den Standorten der beteiligten Wehren durch benachbarte, teils externe Abteilungen der Feuerwehren der Grundschutz für die Bevölkerung sichergestellt.

„Im Realfall bräuchten wir für solch eine Gefahrenlage wesentlich mehr Kräfte“, zog KBM Weiss im Nachgang sein Fazit. Er dankte allen eingesetzten Kräften für die Mitwirkung und dem Orga-Team für die Vorbereitung.

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