Theater in Nagold: „Vorhang auf“ für Liebelei, Halbwahrheiten und Moral

Kurt Wolz, langjähriger Vorsitzender von „Vorhang auf!“ (von rechts) freut sich mit Silvester Keller und Manuele Pilloni vor der Semihalle auf die Premiere der Herbstproduktion am 10. Oktober
Barbara RennigEs heißt wieder „Vorhang auf!“ in der Seminarhalle Nagold. Im Herbst zeigt die Nagolder Theatertruppe „Vorhang auf“ die als Kammerspiel angelegte Komödie „Die Wahrheit“ von Florian Zeller, einem der meist aufgeführten französischen zeitgenössischen Autoren; Untertitel „Von den Vorteilen, die Wahrheit zu verschweigen, und den Nachteilen, sie zu sagen“.
In dem spritzigen Kammerspiel, in dem die vier Personen je nur in Zweierkonstellationen auftauchen, geht es weniger um die „nackte Wahrheit“, auch wenn Entblößungen im frivolen Sinn mit dabei sind. Sondern es geht um den Umgang mit Halbwahrheiten, Verschleierungen, Verdrehungen, nicht Gesagtem. „Die Lüge ist eine Tugend, wenn sie erlaubt, das Leiden zu vermeiden“ (Voltaire) – so das Credo von Michel, der „aus Mitgefühl“ schummelt. „Wenn die Leute von heute auf morgen aufhören würden, sich zu belügen, gäbe es kein einziges Paar mehr auf Erden“, verkündet er.
Nun gut, nach mehr als 20 Jahren Ehe mit der Lehrerin Laurence scheint manches nicht mehr so prickelnd. Doch dass Michel ausgerechnet mit Alice, der Frau seines besten Freundes Paul, einem aktuell arbeitslosen Finanzdirektor, bereits eine monatelange Affäre hat, birgt einige Fallstricke für alle. Denn Augenärztin Alice hat durchaus einen moralischen Kompass und ist überdies die immer zwischen Termine geschobenen heimlichen Schäferstündchen leid. Und dass die harmoniesüchtige Laurence parallel mit Paul eine Liebelei pflegt, scheint Chaos vorzuprogrammieren.
Bekannte Gesichter in der Produktion
In der neuen Produktion, für die Silvester Keller die Regie an Manuele Pilloni übertrug, sind vier sehr bekannte Gesichter des Ensembles wieder zu sehen: Elisabeth Galonska als Alice, Simone Essig in ihrem nunmehr durchweg 18. Mitwirken bei „Vorhang auf!“ als Laurence, Silvester Keller als markiger Sprücheklopfer und Lügenbaron Michel und schließlich Manuele Pilloni selbst als Paul.
Manuele Pilloni ist in der Doppelfunktion von Regie und Rolle diesmal der eher bedächtige und beherrschte Paul, der regelmäßig mit Michel Tennis spielt und offenbar mehr ahnt, als man denkt. Die 2011 uraufgeführte Komödie, Teil einer Familientrilogie, sorgt mit temporeichen Dialogen und komischen Zufällen für immer wieder höchst überraschende Wendungen: Wenn man glaubt, die Wahrheit zu kennen, wird alles nochmals auf den Kopf gestellt. Bricht das diffizil ertüftelte Beziehungskartenhaus schließlich in sich zusammen?
Bereits seit April laufen nun die Proben für die fünf Aufführungen im Oktober, etwas erschwert dadurch, dass Manuele Pilloni beruflich zwischen Niedersachsen und Tübingen beziehungsweise dem Probenort Nagold pendelt. Die hohe Präsenz der vier Personen auf der Bühne - Silvester Keller sogar in allen Szenen - ist eine zusätzliche Herausforderung, die die sehr erfahrenen Mitwirkenden mit viel Spielfreude und Elan meistern.
Vorverkauf und Aufführungen
Vorverkauf
Der Vorverkauf ist bereits angelaufen, beim Rathauscafé Nagold und über www.reservix.de.
Aufführungen
Freitag, 10. Samstag, 11., Sonntag, 12., sowie am Freitag 17.und am Samstag 18. Oktober. Start ist jeweils um 19 Uhr in der Seminarturnhalle, Einlass und Bewirtung ab 18 Uhr.