Sportikone Sepp Maier in Nagold: Bei Jürgen Klinsmann hört der Spaß auf

Schon als aktiver Fußballer eine Stimmungskanone: Torwart-Ikone Sepp Maier im Kubus.
BernklauEin Konzept braucht Sepp Maier nicht. Der 81-Jährige hat dutzende, ja hunderte Fußballgeschichten im Kopf, deren Hauptdarsteller neben Maier Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer, Branko Zebec oder Oliver Kahn heißen. Oder auch Jürgen Klinsmann.
Maier erzählt diese – für jeden Fußballfan spannenden – Geschichten nicht einfach so. Er macht aus einem Auftritt wie dem im fast ausverkauften Nagolder Kubus zu einem Comedy-Abend, bei dem man aus dem Lachen fast nicht mehr herauskommt – ob es nun um seine Arbeit als Maschinenschlosser geht oder um einen von einem GSG-9-Mann ermöglichten nächtlichen Ausflug aus dem WM-Quartier in Malente 1974. Kein Wunder, dass der geborene Niederbayer schon früh den Beinamen „Valentin“ trug.
Er wollte den Bayern lieber ein paar Tore reinhauen
Viele Worte des Moderators und Interviewers Tobias Bücklein brauchte es auch in Nagold nicht, um bei Maier die Anekdoten nur so sprudeln zu lassen. Etwa die, dass er ja eigentlich in der Jugend ein begnadeter Stürmer war und er als Spieler des TSV Haar den Bayern lieber ein paar Tore reinhauen wollte als zu ihnen zu wechseln. Doch beim Spiel gegen die Bayern bekam der Aushilfstorwart Maier, der sich hatte breitschlagen lassen, ins Tor zu stehen, zehn Tore eingeschenkt. Eigentlich ein Todesurteil für eine glorreiche Torwart-Karriere.

Sepp Maier (rechts) mit Moderator Tobias Bücklein
Foto: BernklauDoch die Bayern wollten den Mann unbedingt als Torwart, der später als „die Katze von Anzing“ Fußball-Geschichte schrieb und mit den Bayern und Deutschland so viele Titel wie kaum ein Zweiter holte: Mit den Bayern wurde Maier 1969, 1972, 1973 und 1974 Deutscher Meister, gewann 1966, 1967, 1969 und 1971 den DFB-Pokal und 1967 den Europapokal der Pokalsieger. 1974, 1975 und 1976 gewann er den Europapokal der Landesmeister. 1976 wurde er mit den Bayern Weltpokalsieger. Maier wurde in den Jahren 1975, 1977 und 1978 zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. Krönung seiner Karriere waren zwei WM-Titel: 1974 als Spieler und 1990 als Torwarttrainer.
Als Branko Zebec unter der Dusche eine rauchte
Viele Fußballgrößen kreuzten seinen Weg. Und so mancher bekam in Nagold sein Fett weg: Trainer Branko Zebec zum Beispiel, der bei Regen eine Sonnenbrille trug, wenn er mal wieder betrunken ein Training leitete oder unter der Dusche rauchte. Oder Bundestrainer Helmut Schön, der an der Niederlage gegen die DDR bei der WM 1974 fast verzweifelte.
Doch Maiers (Fußballer-)Leben war nicht nur eine Spaßveranstaltung. Da redete der Bayer auch nicht drumherum. Der WM 1974, als das Quartier in Malente angesichts der RAF-Gefahr zum Hochsicherheitstrakt wurde und man einen zähen Prämienstreit mit dem DFB ausfocht, konnte Maier nicht nur Gutes abgewinnen. Die WM 1978 bezeichnete er gar als „beschissen“. Und der aktuellen Nationalmannschaft traut der Fußballheld auch nicht besonders viel zu: „In den USA werden die doch eher Hausmeister als Weltmeister.“
„Ohne Uli Hoeneß wäre ich tot gewesen“
Maier sparte auch nicht die ganz dunklen Stunden aus, als er nach einem Autounfall dem Tod nur ganz knapp von der Schippe sprang – und das auch nur, weil ein gewisser Uli Hoeneß dafür sorgte, dass er nach dem Unfall die bestmögliche medizinische Versorgung im Klinikum Großhadern bekam. Maier weiß: „Ohne Uli Hoeneß wäre ich tot gewesen.“

Sepp Maier signierte viele Bücher und ließ sich mit den Gästen fotografieren.
Foto: BernklauDer Unfall besiegelte auf lange Sicht die aktive Fußballkarriere des Sepp Maier. Als Trainer ging sie noch eine lange Weile weiter, als Torwarttrainer der Nationalmannschaft und bei Bayern, wo er etwa einen gewissen Oliver Kahn vom Rohdiamanten zum Torwart-Titan formte.
Da war für „Valentin“ Schluss mit lustig
Als Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 das Nationalteam übernahm, war noch immer alles gut. Erst als der Schwabe erst Kahn und dann auch noch ihn selbst ausbootete, war bei dem einstigen „Valentin“ Schluss mit lustig.
Und dass ihn diese Affäre getroffen und noch immer ihre Spuren hinterlassen hat, merkte man auch in Nagold. Denn als die Rede auf Klinsmann kam, war Schluss mit den Kalauern. Da hörte für die Ikone der Spaß auf.