Neue IHK-Untersuchung: Einzelhandel im Kreis Böblingen steht weiter unter Druck

Obwohl die Kaufkraft hoch ist: Der Handel im Landkreis Böblingen steht weiter unter Druck.
Peter Kneffel/dpa- IHK-Analyse: Trotz hoher Kaufkraft steht der stationäre Handel im Kreis Böblingen unter Druck.
- Kaufkraft beträgt knapp 3,5 Mrd. Euro, pro Kopf 8811 Euro – Platz eins in der Region Stuttgart.
- Ursachen sind Online-Handel, externe Großstandorte und anhaltende Konsumzurückhaltung.
- Sindelfingen erzielt rund 780 Mio. Euro Umsatz und führt bei Pro-Kopf-Umsätzen mit 12.725 Euro.
- IHK fordert attraktivere Innenstädte, bessere Erreichbarkeit, Events und mehr Digitalisierung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Jahr 2026 beläuft sich die einzelhandelsrelevante Kaufkraft im Landkreis Böblingen auf knapp 3,5 Milliarden Euro. Mit 8811 Euro pro Einwohner liegt Böblingen in der Region Stuttgart auf Platz eins und bundesweit auf Rang 26 von 401 Stadt- und Landkreisen.
„Die Kaufkraft im Landkreis ist überdurchschnittlich hoch. Das spiegelt die wirtschaftliche Stärke der Region und die vergleichsweise hohen Einkommen wider“, erklärt Marion Oker, Leitende Geschäftsführerin der IHK-Bezirkskammer Böblingen.
Eine hohe Kaufkraft bedeute jedoch nicht automatisch hohe Umsätze im örtlichen Handel. Der stationäre Einzelhandel stehe seit Jahren unter Druck durch den Online-Handel und großflächige Handelsstandorte außerhalb der Innenstädte. Hinzu kämen die Folgen internationaler Krisen. Deutlich machen sich diese Rahmenbedingungen in einer anhaltenden Konsumzurückhaltung bemerkbar.
Viele Einzelhändler im Landkreis berichten von einer spürbaren Kaufzurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Leerstände in Innenstädten und Ortskernen verdeutlichen die schwierige Situation. „Die Verunsicherung vieler Kunden führt dazu, dass Ausgaben verschoben oder ganz unterlassen werden. Das stellt vor allem auch inhabergeführte Betriebe vor große Herausforderungen“, so Oker.
Nach Ansicht der IHK sind attraktive Innenstädte und Ortskerne ein wichtiger Schlüssel, um Kaufkraft vor Ort zu binden. Gefragt seien gemeinsame Anstrengungen von Kommunen, Handel, Gastronomie sowie Gewerbe- und Handelsvereinen. Eine gute Erreichbarkeit, hohe Aufenthaltsqualität und attraktive Veranstaltungen könnten ebenso dazu beitragen, wie die weitere Digitalisierung der Unternehmen.
Sindelfingen führt das Ranking an
Die Kaufkraft liegt in nahezu allen 26 Städten und Gemeinden des Landkreises über dem Bundesdurchschnitt von 8190 Euro je Einwohner. Spitzenreiter ist Ehningen mit 9377 Euro pro Kopf, gefolgt von Grafenau und Nufringen.
Die stationären Einzelhändler im Landkreis erwirtschaften insgesamt knapp 2,9 Milliarden Euro Umsatz. Mit 7296 Euro Umsatz je Einwohner liegt der Landkreis gut zwei Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Innerhalb der Region Stuttgart wird dieser Wert lediglich von der Landeshauptstadt Stuttgart übertroffen.
Auf kommunaler Ebene führt Sindelfingen das Ranking an. Der Einzelhandel erzielt dort rund 780 Millionen Euro Umsatz. Mit Böblingen und Leonberg folgen zwei weitere große Handelsstandorte im Landkreis.
Kennzahlen zeigenein sehr unterschiedliches Bild
Auch bei den Pro-Kopf-Umsätzen liegt Sindelfingen mit 12.725 Euro deutlich vorn. Bei der sogenannten Zentralitätskennziffer, die Kaufkraft und Umsatz ins Verhältnis setzt, erreicht Sindelfingen ebenfalls den höchsten Wert im Landkreis.
Die Kennzahlen zeigen jedoch ein sehr unterschiedliches Bild: Während einige Kommunen Kaufkraft von außerhalb anziehen, verlieren andere einen erheblichen Teil der Nachfrage an benachbarte Zentren und den Online-Handel.
Besonders in Aidlingen und Magstadt wird nur ein vergleichsweise geringer Teil der vor Ort vorhandenen Kaufkraft im eigenen Einzelhandel gebunden. Der Zehn-Jahres-Vergleich zeigt, dass die einzelhandelsrelevante Kaufkraft im Landkreis seit 2016 zwar nominal gestiegen ist, sich aber schlechter entwickelt hat als im Durchschnitt Deutschlands.
Auch die durchschnittlichen stationären Umsätze wuchsen nominal, entwickelten sich aber wiederum schlechter als im Bundesdurchschnitt. Und: Die Unterschiede zwischen den Standorten haben zugenommen, während der Online-Handel weiter an Bedeutung gewinnt.
„Die hohe Kaufkraft im Landkreis bietet grundsätzlich gute Voraussetzungen für den Einzelhandel. Entscheidend ist jedoch, dass dieses Potenzial auch vor Ort genutzt wird. Dafür müssen alle Beteiligten gemeinsam an attraktiven und lebendigen Innenstädten arbeiten“, betont Oker.

