Nagold
: Mord in Hochdorf: offene Fragen vor Gericht

Mysteriöse Fleecedecke entdeckt. Landgericht nimmt am zweiten Prozesstag Lebensumstände des Opfers unter die Lupe.
Von
Melanie Pieske
Oberndorf
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In diesem Haus in Nagold-Hochdorf wurde der ermordete Kurt Schuh gefunden.

Katzmaier

Nagold-Hochdorf/Tübingen - Lässig, in einem dunklen Kapuzenpulli bekleidet, erschien der 44-jährige Angeklagte gestern vor dem Tübinger Landgericht. Er gab sich konzentriert und gefasst, nur ab und an wischte er sich unsicher mit den Händen durch das Gesicht. Dabei ging es gestern am zweiten Prozesstag weniger um ihn, als um das 61-jährige Opfer und um die Frage: Warum verleiht jemand nahezu sein gesamtes Vermögen?

Grund der tödlichen Auseinandersetzung im vergangenen Mai im Nagolder Stadtteil Hochdorf soll laut Anklage ein Privatdarlehen in Höhe von mindestens 137.500 Euro gewesen sein, mit dem der Angeklagte bereits seit rund zwei Jahren bei seinem ehemaligen Vermieter in der Schuld stand.

Beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Tübingen vor rund einer Woche hatte sich der als Fußballtrainer bekannte Angeklagte bereits grundsätzlich geständig gezeigt. Allerdings bestreitet er, die Tat vorsätzlich begangen zu haben. Die Anklage, seinen ehemaligen Vermieter aus Habgier ermordet zu haben, wies der 44-Jährige zurück. Stattdessen sei der 61-Jährige ihm gegenüber aggressiv geworden und habe ihn mit der Buddha-Statue bedroht. Er habe ihm daraufhin die 40 Zentimeter große Statue entrissen und auf ihn eingeschlagen.

Die zuständige Sachbearbeiterin der Polizei Calw bestritt gestern jedoch diese Version des Tathergangs, da keine Hinweise auf einen Kampf am Opfer gefunden werden konnten. Auch die mindestens sechs wuchtigen Schläge auf das Opfer stünden im Widerspruch zu dieser Version. Völlig ausschließen wollte sie eine Handlung im Affekt dennoch nicht. Es sei durchaus möglich, dass der Gläubiger an dem Tag großen Druck aufgebaut habe, indem er dem Angeklagten drohte, seiner Familie von dem Darlehen zu erzählen. Der genaue Tathergang bleibt also nach wie vor im Dunkeln.

Ein weiteres Mysterium bot sich dem Gericht beim Durchgehen der Polizeifotos, die dokumentieren, wie das Opfer aufgefunden wurde: Der Angeklagte soll den Kopf des Opfers nach den tödlichen Schlägen in einen Flickenteppich gewickelt und den Körper anschließend in einen Schlafsack geschnürt haben. Nun fand sich aber plötzlich zusätzlich eine lila-weinrote Fleecedecke auf den Fotos wieder. Wie und wo diese auf einmal herkommt, konnte (noch) nicht geklärt werden.

"Es ging bei ihm immer um Geld"

Licht versuchte das Gericht derweil in die finanzielle Situation des 61-jährigen Gläubigers zu bringen. Ein enger Freund des Opfers gab an, dass dieser ihm gegenüber einen Betrag in Höhe von 175.000 Euro erwähnte, den er dem Angeklagten verliehen haben soll. Die Summe entspreche dabei genau der Höhe einer Abfindung, die der Frührentner einige Jahre zuvor beim Verlassen seiner Arbeitsstelle erhalten habe. Weitere große finanzielle Rücklagen habe sein Freund aber wohl nicht gehabt, sagte der Mann aus. Er sei nie "aggressiv oder böse gewesen".

Der psychologische Gutachter brachte die Frage, die vielen im Saal im Gesicht geschrieben stand, auf den Punkt: "Ich begreife nicht, warum er sein gesamtes Vermögen verleiht." Der Freund des Opfers beschrieb ihn in dieser Hinsicht als "naiv" und erklärte, dass er "immer das Gute im Menschen gesehen hätte". Bei dieser Bemerkung glaubte man im spärlich besetzten Gerichtssaal das erste Mal eine Reaktion von der Bank des Angeklagten vernommen zu haben – ein ungläubiges, leises Lachen.

Ganz anders als sein langjähriger Freund beschrieb ihn eine Nachbarin: "Es ging bei ihm immer um Geld". Er habe ihr auch erzählt, bei Spekulationen bereits Geld verloren zu haben. Außerdem erlebte sie ihn als "sparsamen" und "traurigen" Menschen, der in den Tagen vor seinem Tod "aufgeregter und nervöser" gewirkt habe als sonst.

Der 44-Jährige Angeklagte wollte an diesem Tag selbst keine weiteren Aussagen mehr machen, weitere sieben Prozesstage sind angesetzt.

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