Kunstsprechstunde in Nagold
: Auf der Suche nach verborgenen Schätzen

Die Kunstsprechstunde, eine Veranstaltung, die an die Fernsehsendung „Bares für Rares“ erinnert, kommt nach Nagold. Klaus Fischer vom Mannheimer Auktionshaus erklärt das Konzept.
Von
Markus Katzmaier
Oberndorf
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Die Sprechstunde erinnert manche an die Sendung „Bares für Rares“. Das Foto zeigt Charles Bamberger junior.

Andreas Fischer

Ihre bekannten oder vielleicht noch unbekannten Schätze können Interessierte am Samstag, 13. September, in der Pfrondorfer Mühle bewerten lassen. Klaus Fischer erklärt die Hintergründe.

Ist die Kunstsprechstunde für Sie mehr Unterhaltungsprogramm wie „Bares für Rares“ – oder steht da das handfeste Geschäftsmodell im Vordergrund?

Die Kunstsprechstunde ist zunächst einmal ein kulturelles Angebot für die Einheimischen vor Ort, festzustellen, was ihre verborgenen Schätze wert sind. Einerseits steigern diese Veranstaltungen die Popularität des Mannheimer Auktionshauses, anderseits steckt natürlich auch ein ökonomischer Gedanke dahinter. Unser Hauptgeschäftsfeld sind Gemälde, mindestens drei Mal im Jahr finden unsere Live-Auktionen über Lot-Tissimo statt. Bei den Kunstsprechstunde kann der Kunde – bei Interesse unserseits – sein Gemälde einliefern, sprich, es wird ein Auktionsvertrag geschlossen. Neben einem Experten für Kunstgemälde existiert ein weiterer für Bronzeskulpturen, Münzen sowie Armband- und Taschenuhren. Hier kommt das Modell der Kommission ins Spiel, gleichsam werden diese Artikel in einem unserer vier Geschäfte - Mannheim, Miltenberg, Heidelberg, Berlin – ausgestellt. Auch befindet sich ein gelernter Silber- und Goldschmied im Team – jetzt sprechen wir vom direkten Ankauf. Da unsere Auktionshäuser eine eigene Goldschmiede besitzen, wird bei uns der volle Goldpreis ausbezahlt, da wir an der Weiterverarbeitung verdienen.

Sie verweisen ja selbst darauf, dass das Konzept am Prinzip Bares für Rares angelehnt ist. Also stammt die Idee daher – oder gab es bei Ihnen oder in der Branche allgemein zuvor schon besondere Konzepte?

Die ersten Kunstsprechstunden fanden im Jahr 2014 in der damaligen Antik-Galerie statt, damals einmal pro Monat. Eine Kundin meinte, dass der Weg aus dem Norden der Pfalz für sie zu umständlich wäre, und warum wir kein mobiles Angebot wie bei der Fernsehshow anbieten. So kam die Idee auf, die Kunstsprechstunden auszuweiten, zuerst nur im Norden Baden-Württembergs, mittlerweile deutschlandweit an vier Samstagen im Monat. Die Vision für das Jahr 2026 ist, in Baden-Württemberg zwei weitere Auktionshäuser zu eröffnen sowie in die Schweiz zu expandieren.

Warum Nagold? Wie wählen Sie Veranstaltungsorte aus? Haben Sie spezielle Erwartungen, auf was sie stoßen könnten, wie regionale Besonderheiten?

Veranstaltungsorte werden sehr gerne nach Empfehlungen ausgesucht. Der Hinweis, dass auch Nagold für uns interessant sein könnte, kam von einem Ehepaar, das unsere Veranstaltung im Auto- und Uhrenmuseum in Schramberg besuchte. Selbstverständlich ist es immer interessant, wenn unsere Gäste Kunst eines regionalen Malers vorlegen. Der bekannte Künstler Otto Dünkelsbühler lebte beispielsweise in Nagold. Konkrete Erwartungen haben wir jedoch nicht, wir freuen uns, wenn unsere Veranstaltung gut besucht ist und die Kunden mit dem guten Gefühl, mit dem sie zu uns kommen, die Kunstsprechstunde auch wieder verlassen.

Es gibt unzählige gefüllte Keller: Gibt es nach Ihrer Erfahrung oder Einschätzung noch viele unentdeckte Schätze?

Ja, definitiv. Wir erinnern uns sehr gerne an die Situation in Fritzlar, als eine junge Frau mit einem geerbten Gemälde des bekannten Malers Alexander Koester zu uns kam, nicht wissend, welchen Schatz sie eigentlich hat. In solchen Situationen ist es für uns ein Akt der Selbstverständlichkeit, Ehrlichkeit walten zu lassen. Nicht wenige Händler nutzen Unwissen aus, um sich am Gegenüber zu bereichern. Familie Bamberger ist seit 75 Jahren, in vierter Generation, im Kunst- und Schmuckhandel tätig.

Überschätzen oder unterschätzen Menschen, die mit ihren „Schätzen“ zu ihnen kommen, eher deren Wert?

Auch das Überschätzen kommt natürlich vor. Porzellan ist hier ein gutes Stichwort. Früher wurde ein Vermögen für teures Geschirr ausgegeben, es wurde pfleglich behandelt und kam nur bei besonderen Anlässen auf den Tisch. Heutzutage stellt sich keine junge Familie mehr so etwas ins Regal. Es muss spülmaschinenfest und robust sein, die Optik ist eher zweitrangig. Aus diesem Grund handeln wir gar nicht mehr mit Porzellan, nur Figuren der Firma Meissen lassen sich noch gut in Berlin verkaufen.

Was war der überraschendste oder teuerste Gegenstand – was war vielleicht auch die größte Enttäuschung für einen Teilnehmern?

Zweifelsfrei war das bei der Kunstsprechstunde im Jahr 2023 in Schwäbisch Hall. Eine ältere Dame setzte sich mit einer Bronzeskulptur zu einem Experten an den Tisch mit der Bitte, ihren Wertgegenstand für ein paar hundert Euro abzukaufen. Es bedurfte keiner langen Recherche, es war sofort klar, dass hier eine Figur der weltbekannten Künstlerin Renée Sintenis vor dem Experten lag. Der Frau wurde mitgeteilt, dass ihr leider kein dreistelliger Betrag ausbezahlt werden kann, vielmehr beläuft sich der Wert im sechsstelligen Bereich. Final wechselte die Skulptur bei einer Auktion für über 100 000 Euro den Besitzer.

Info

Kostenfrei können Kunden am Samstag, 13. September, ihre Wertgegenstände von 10 bis 17 Uhr in der Pfrondorfer Mühle (Pfrondorfer Mühle 1, 72202 Nagold) schätzen lassen. Um sich einen der beliebten Termine zu sichern, wird empfohlen, im Vorfeld unter der Nummer 0621/4 820 69 19 oder 0176/6 04 314 32 anzurufen. Aber auch ohne Termin ist ein Besuch möglich, der dann aber mit einer gewissen Wartezeit verbunden ist.

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