Hunde in Altensteig
: Jäger sorgen sich um Rehkitz und Hasenbaby

In Wald und Feld bei Altensteig ziehen Reh und Hase aktuell ihren Nachwuchs groß. Gerade in dieser Zeit sollten Hunde angeleint werden - zum Schutz der Wildtierbabys, aber auch für die Hunde selbst.
Von
Wiebke Jansen
Altensteig
Jetzt in der App anhören
Rehkitz bei Altensteig

Ein Rehkitz versteckt sich bei Altensteig im Dickicht.

Julia Döttling
  • Jäger in Altensteig bitten: Hunde in Setz- und Brutzeit von März bis Ende Juli anleinen.
  • Unangeleinte Hunde gefährden Jungtiere, schon Schnuppern kann zum Verstoßen führen.
  • Bodenbrüter und Rehkitze sind besonders betroffen – Eier können auskühlen, Kitze verharren.
  • Für Hunde gibt es Risiken durch Wildschweine, Bachen verteidigen ihre Frischlinge.
  • Keine generelle Leinenpflicht in Baden-Württemberg, Appell an die Vernunft der Halter.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Sommer ist eingezogen und in der warmen Jahreszeit sind auch die Wildtiere dabei, ihren Nachwuchs großzuziehen. Winzige Feldhasen-Jungen werden von ihren Müttern am Waldrand abgesetzt, Bodenbrüter breiten ihre Fittiche über ihre Nester und zarte Rehkitze verstecken sich im hohen Gras.

Die grüne Natur zieht auch zahlreiche Spaziergänger ins Freie - und auch der eine oder andere Hund bekommt Lust, über Wald und Feld zu toben. Den Jägern der Kreisjägervereinigung Calw macht aber genau das Sorgen - auch in Altensteig. Denn unangeleinte Hunde können die Wildtiere gefährden. Deshalb bitten die Jäger: Hunde sollten auf den Wegen bleiben, besonders in der Setz- und Brutzeit von März bis Ende Juli. Das gehe über eine Leine oder darüber, dass der Hund zuverlässig bei Fuß bleibt.

Auch Schnuppern am Jungtier ist eine Gefahr

Vor allem für die hilflosen Jungtiere kann der Kontakt zum Hund schnell zur Lebensgefahr werden. „Das reicht, wenn ein Hund seinen Geruch am Tier verteilt“, erklärt Fabian Müller, Hegeringleiter aus Altensteig. Denn wenn ein Hund - egal ob klein oder groß - auch nur am Jungtier schnuppert oder einmal schleckt, könnte die Mutter das Jungtier wegen des Fremdgeruchs ablehnen.

ARCHIV - 29.06.2009, Brandenburg, Fürstenwalde: Zum Themendienst-Bericht vom 4. Juni 2021: Ein drei Wochen altes Feldhasenbaby sitzt allein im Gras. In der Regel ist es nicht verlorengegangen, sondern wartet dort nur auf die Hasenmama. (zu dpa: «Zahl der Feldhasen stabil - Bedrohung durch Virus») Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn +++ dpa-Bildfunk +++

Hasenbabys werden nicht die ganze Zeit betreut. Werden sie von der Mutter verstoßen, sind sie zum Tod verurteilt. ( Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn +++ dpa-Bildfunk +++

dpa-Zentralbild

Feldhasen und Rehe betreuen ihre Jungen nicht ständig, sie setzen ihre Babys versteckt ab und kommen nur zum Säugen zurück. Werden sie von der Mutter verstoßen, sind sie zum Hungertod verurteilt.

Genauso mit den Eiern, wenn ein Hund etwa eine Waldschnepfe aufscheucht. Selbst, wenn er das Nest nicht zerstört und die Schnepfe irgendwann zurückkehrt und nicht direkt das Nest aufgibt - die Eier können auskühlen, die ungeborenen Küken sterben.

Wild Wild Life: Tierischer Frühling im Leopard Nationalpark im Distrikt Chasanski : RUSSIA, VLADIVOSTOK - APRIL 2, 2024: A woodcock is seen on the ground in the Leopard National Park in Khasansky District in spring. Yuri Smityuk/TASS / action press

Die Waldschnepfe brütet am Boden.

Yuri Smityuk / TASS

Zwar haben Hunde auch einen Jagdtrieb - doch Risse sind recht selten, weiß Müller. In vier Jahren seien lediglich zwei Rehtode im Altensteiger Gebiet auf Hunde zurückgeführt worden. Allerdings ist das nur das, was bekannt ist. Und der Riss durch den jagdungeübten Haushund könne auch tierschutztechnisch recht grausam sein, wenn der Hund immer wieder ungezielt zubeißt und so den Tod in die Länge zieht.

Das Hetzen und die Flucht vor dem unerwarteten tierischen Jäger stresse die Rehe außerdem. Die Jungtiere hingegen haben keinen Fluchtinstinkt - sie bleiben einfach sitzen und harren der Dinge.

Kein gemütliches Jahr für Wildschweine: Östlich von Oder und Neiße soll es den Tieren jetzt massenhaft an den Kragen gehen.

31.03.2021, Sachsen, Moritzburg: Ein Wildschwein mit Frischlingen liegt auf Waldboden im Wildgehege Moritzburg. Foto: Tino Plunert/dpa-Zentralbild/ZB - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++

Lassen sich nichts gefallen: Wildschweinbachen verteidigen ihre Frischlinge auch aggressiv. Da ziehen Haushunde auch mal den Kürzeren.

Tino Plunert/dpa

Auch die Hunde selbst können abseits der Wege in Gefahr geraten. „Bei den Wildschweinen dreht sich der Spieß schnell um“, weiß Müller. Kommt ein Hund in eine Wildschwein-Frischlingsgruppe und die Bache will ihren Nachwuchs verteidigen, stehen die Chancen für's geliebte Haustier eher schlecht.

Keine grundsätzliche Leinenpflicht

In Baden-Württemberg gibt es anders als in anderen Bundesländern keine grundsätzliche Leinenpflicht. Diese wird höchstens lokal durch die Kommunen verhängt.  „Wir wollen keine weiteren Gesetze oder Verordnungen, sondern appellieren an die Vernunft der Hundebesitzer - schließlich ist jeder Hundebesitzer auch ein (Wild-)Tierfreund!“ heißt es von der Jägerschaft des Hegerings Altensteig.

Menschen und ihre Haustiere sind Gäste in der Natur, betont Müller. Dass der Hund ein emotionales Thema ist, wissen auch die Jäger - viele von ihnen haben schließlich selbst einen Vierbeiner zuhause. „Jeder Hund braucht seinen Auslauf, aber nicht auf Kosten der Wildtiere“, sagt Müller.  Die Erfahrung zeige auch: Die meisten Hundehalter hätten Verständnis, dass die Hunde an die Leine genommen werden sollten, um Wald und Waldränder für Mensch, Haustier und Wildtier zu einem sicheren Ort zu machen.

CW-News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Calw Montag bis Samstag im kompakten Überblick.