Herztage in Rohrdorf: Calw (d)rückt zusammen

Der DRK-Kreisverband Calw hält in Rohrdorf seine Herztage ab.
Kristin Börner- Herztage in Rohrdorf: DRK Calw führt Laien an Wiederbelebung heran.
- Neun Minuten bis zum Rettungsdienst, daher zählt Hilfe davor am meisten.
- Mitmachstationen, Übungspuppen und RTW zeigen Reanimation – prüfen, rufen, drücken.
- Jede Minute ohne Maßnahmen senkt Überlebenschance um sieben bis zehn Prozent.
- Zweite Veranstaltung der Herztage am 16. Oktober in Bad Wildbad.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Neun Minuten. So lange braucht der Rettungsdienst im Landkreis Calw im Schnitt bis zum Patienten, und weil die Topografie des Kreises viele Wege lang macht, lässt sich diese Zeit nicht beliebig verkürzen. Umso mehr kommt es darauf an, was in den Minuten davor geschieht. Genau dafür will der DRK-Kreisverband Calw mit seinen Herztagen, die in diesem Jahr zum zweiten Mal an zwei Orten im Landkreis stattfinden, Laien an die Wiederbelebung heranführen. Die erste Veranstaltung war am Freitag in der Gemeindehalle Rohrdorf.
Verschiedene Mitmachstationen
Los ging es mit einer Mitmachausstellung. An mehreren Stationen konnten sich Interessierte bei Erste-Hilfe-Ausbildern über die Maßnahmen der Wiederbelebung informieren und sie selbst ausprobieren, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Rettungsdienst war mit einem Rettungswagen vor Ort und zeigte, wie die Maßnahmen im Einsatz ablaufen. Für Kinder und Jugendliche gab es eigene Übungspuppen, an denen sie das Drücken ohne Scheu testen konnten.
Es kann jeden treffen
DRK-Präsident Walter Beuerle freute sich, dass trotz des schönen Wetters einige Gäste gekommen waren, denn das Thema kann jeden treffen, unabhängig vom Alter. Im Kreis Calw braucht im Schnitt jeden Tag ein Mensch bei einem Herzinfarkt genau die Hilfe, um die es an diesem Abend ging. Das Motto „Calw (d)rückt zusammen“ steht deshalb für das gesamte Programm: Von Infoveranstaltungen wie dieser über die Schulung von Ersthelfern und die frühe Heranführung von Kindern in den Schulen bis zu den ausgebildeten Helfern der Region der Lebensretter, die das Helfer-vor-Ort-System ergänzen und die Zeit bis zur Versorgung verkürzen, greift vieles ineinander. Am Ende dieser Kette steht der Rettungsdienst. Hilfe beginnt eben nicht erst, wenn dieser eintrifft.

Den Besuchern wurde gezeigt, wie man Erste-Hilfe-Maßnahmen richtig anwendet.
Kristin BörnerWarum jede Minute zählt, erklärte Uwe Helber, Chefarzt und Leiter des Gefäßzentrums Nagold im Klinikverbund Südwest. Steht das Herz still, wird der Körper nicht mehr mit sauerstoffreichem Blut versorgt, und das Gehirn reagiert am empfindlichsten: Nach etwa drei Minuten sterben erste Nervenzellen, nach fünf Minuten sind die Schäden nicht mehr rückgängig zu machen.
Mit jeder Minute sinkt die Überlebenschance
Mit jeder Minute, die ohne geeignete Maßnahmen vergeht, sinkt die Überlebenschance um sieben bis zehn Prozent und aktuell überleben nur zehn bis 15 Prozent der Betroffenen ohne Folgeschäden, ist in der Mitteilung weiter zu lesen.
Bei einem Herzinfarkt löst meist Kammerflimmern den Stillstand aus, also ungeordnete, wirre elektrische Abläufe im Herzen, die ein Defibrillator beenden kann. Wie schnell danach ein Fachmann bereitsteht, regelt im Herzkatheterlabor ein Bereitschaftsdienst, denn beim Infarkt geht es darum, den Herzmuskel rasch vor Schäden zu schützen.
Bis dahin sind aber die Menschen vor Ort gefragt. In Deutschland ist bei rund 60 Prozent der Herzstillstände jemand dabei, wiederbelebt wird jedoch nur in bis zu 28 Prozent der beobachteten Fälle. In Norwegen und den Niederlanden liegt die Quote bei mehr als 60 Prozent, weil dort früh mit Aufklärung begonnen wird, auch mit Aktionen in Schulen. Der Rettungsdienst braucht acht bis 15 Minuten bis zum Patienten, und würden Ersthelfer in dieser Zeit öfter eingreifen, könnten in Deutschland jedes Jahr rund 10.000 Menschen zusätzlich gerettet werden.
Prüfen, rufen, drücken
Dafür muss die Wiederbelebung einfach bleiben, damit die Hemmschwelle sinkt: prüfen, rufen, drücken. Das Drücken zählt am meisten. Beatmen ist laut DRK anfangs nicht zwingend, weil im Blut noch genug Sauerstoff gelöst ist, um die wichtigen Organe zu versorgen. Wer drückt, sollte sich möglichst nach zwei Minuten abwechseln, denn die Kraft und Effektivität lässt rasch nach. Aus Angst vor Fehlern gar nichts zu tun, wäre die schlechteste Entscheidung. Helbers Appell an das Publikum: „Sie können Leben retten! Sie können nichts falsch machen!“
In der Integrierten Leitstelle laufen alle Fäden nach einem Notruf zusammen. Sie setzt weitere Hilfe in Gang und begleitet Anrufende auch über die Alarmierung der Einsatzkräfte hinaus. Wie sich das am Telefon anhört, zeigte Justin Frank, Notfallsanitäter und langjähriger Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle, in einer simulierten Anleitung zur Reanimation.
Damit das Drücken künftig selbstverständlicher wird, soll es außerdem früh geübt werden: Im Projekt „Wiederbelebung an Schulen“ will das DRK alle Siebtklässler schulen. Auch Erwachsene sollten immer wieder üben, betonte Helber. In der Fragerunde ging es abschließend unter anderem um die Reanimation und um die Vorsorge gegen Ablagerungen in den Arterien.
Reanimation beginnt nicht im Rettungswagen, sondern bei den Menschen, die zuerst da sind und entsprechend handeln. Wer das in Rohrdorf noch nicht ausprobiert hat, kann es bei der zweiten Veranstaltung der Herztage nachholen - am 16. Oktober in Bad Wildbad.