Experte erklärt im Nagolder Kubus: Wie Eltern ihre Kinder vor KI schützen können

Patrick Walz ist KI-Experte. Im Kubus klärt er über einige Gefahren der Künstlichen Intelligenz auf – und erklärt, warum die Vorteile trotzdem überwiegen.
SpeicherVideoausschnitte von Olaf Scholz als Profiboxer, tanzenden Chihuahuas oder Donald Trump als Rocklegende – diese Videos kursieren seit Jahren in den Sozialen Medien, werden millionenfach geklickt und geteilt. Klingt harmlos und witzig? Aber nur so lange, bis Dinge erfunden werden, die anderen einen Schaden hinzufügen. Eine der größten Gefahren: dass Fake und Realität nicht mehr unterschieden werden können.
Besonders für Kinder, die im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz aufwachsen, kann das gefährlich werden, meint Patrick Walz, KI-Berater bei der IHK Nordschwarzwald. Denn die KI schläft nicht – im Gegenteil, sie wird jeden Tag stärker. Aber: Mit der richtigen Verwendung und Aufklärung kann sie vor allem nützlich sein. Bei einem Vortragsabend im Nagolder Kubus klärt Walz Eltern darüber auf, was sie unbedingt über Künstliche Intelligenz wissen müssen.
Gefahren (er)kennen Hätten Sie gedacht, dass es Künstliche Intelligenz in Form von Chat GPT und weiteren Chatbots seit gerade mal vier Jahren gibt? Fast unglaublich, bedenkt man, dass der Begriff KI nahezu täglich in den Medien auftaucht. Zwei Milliarden Menschen würden Chat GPT nutzen, sagt Walz. „Das ist ein Tsunami, der da auf uns zusteuert.“
KI selbst verstehen Künstliche Intelligenz lernt, neue Muster zu erkennen. Dabei orientiere sie sich an Wahrscheinlichkeiten: Aus dem Pool aller Muster, die sie kennt, werde die wahrscheinlichste Lösung gewählt. Walz erklärt das an einem Apfel-Sortier-Modell: Bringt man einer KI bei, was ein Apfel und was eine Birne ist, dann speichert sie sich die Merkmale. Zeigt man dann eine Tomate und fragt, was das ist, dann entscheide sie, welche der Früchte, die sie kennt, am ehesten passt.
Deep Fakes Die Videos von Olaf Scholz als Profiboxer und Donald Trump als Rocklegende sind gefälscht – so viel ist klar. Täuschend echt können sie trotzdem aussehen. Je realistischer die Szenarien in den Videos aussehen, desto gefährlicher können die Auswirkungen davon sein, erklärt der KI-Berater. Beispielsweise können Sprechstimmen von Politikern nachgestellt werden, so dass ganze Gespräche gefälscht werden können.
Lügen Die KI arbeitet mit dem Material, welches sie erhält. Problematisch wird es allerdings, wenn falsche Informationen verbreitet werden – weil diese am wahrscheinlichsten in einem bestimmten Fall wirken, so Walz.
KI als Freund Klingt erstmals unvorstellbar – wie kann ein System ein Freund sein? Walz meint, in diesem Bereich gebe es erst wenig Studien. In China, erzählt er, gebe es bereits so genannte „AI Toys“. Was mit der richtigen Einstellung harmlos sein kann, ist es in vielen Fällen jedoch nicht. Tipps für Selbstmord oder Fragen zu Beziehungsprobleme seien nicht selten „Anliegen“ von Kindern, die sie nicht mit realen Menschen besprechen möchten, dafür aber mit der KI.
Sensible Daten Man kennt den Satz: Was im Internet landet, bleibt im Internet. Ob auf TikTok, Snapchat oder Google – die Daten gehen nicht verloren. Wo Erwachsene eher vorsichtig sind, könnte Kindern ohne die richtige Aufklärung das Verständnis fehlen, was es bedeutet, „zu viel“ von sich im Netz zu teilen, betont Walz.
Lösungen überwiegen Wie geht man nun am besten aber mit diesem „Tsunami“, von dem Patrick Walz spricht, um? Sollte man die KI verbieten? „Nein, die Chancen überwiegen“, stellt der Experte klar. Aber: Man muss sie richtig erkennen und einsetzen. Kinder unter 13 Jahren sollten „niemals alleine“ damit arbeiten. Die Eltern sollten Kinder über 13 Jahre begleiten.
Etwa kann KI dabei helfen, kreative Gedanken und Ideen umzusetzen, Lösungsvorschläge für Probleme zu finden. Auch sei die Datenkompetenz gigantisch. Durch den täglich wachsenden Pool an Informationen und angegebenen Quellen sei die Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen oder zu Themen zu recherchieren, deutlich leichter.
Für Eltern, die sich mehr mit dem Thema „KI im Kinderzimmer“ auseinandersetzen wollen, hat Patrick Walz einen „Survival Guide“ geschrieben. Darin geht er auf ausführlichere Gefahren, Erklärungen und Tipps zum richtigen Umgang mit Künstlicher Intelligenz ein. Den Survival Guide und weiteres Infomaterial findet man auf der Webseite der Charity Events Nagold unter „KI-Tipps für Eltern“.