100. Geburtstag in Haiterbach: Lina Saur blickt mit Dankbarkeit auf ein Jahrhundert zurück

Tochter Annemarie Kalmbach (von links), Sohn Alfred Saur, Lina Saur und Haiterbachs Bürgermeisterin Kerstin Brenner.
Verena SlamaGemeinsam mit ihrem Bruder und ihrer Schwester wuchs Lina Saur in Haiterbach auf. Schon früh half sie auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie mit. Ihre Kindheit war jedoch von schweren Schicksalsschlägen geprägt: Als Saur zwei Jahre alt war, verstarb ihre Mutter. Anschließend wuchs sie bei ihrer Großmutter auf. Während der Kriegszeit zog ihr Vater nach Russland aus.Später arbeitete sie vier Jahre lang als Haushaltshilfe bei der Familie Theurer in Nagold, der dort das Sägewerk gehörte. „In Nagold war’s sehr schön“, freut sich Saur. Im Kloster Sankt Anna in Oberthalheim lernte sie außerdem kochen und nähen.
„Mir ist es gut gegangen in meiner Ehe“
Ihren späteren Ehemann lernte sie in Haiterbach kennen. 1954 heirateten die beiden. „Mir ist es gut gegangen in meiner Ehe“, erinnert sich Saur.
Gemeinsam bauten sie sich in der Altnuifraer Straße ein Zuhause auf und versorgten neben ihren zwei Kindern auch zahlreiche Tiere. „Wir haben alles gehabt von Hühnern, Bienen, Enten und Schafen bis hin zu Ziegen“, erzählt Sohn Alfred Saur.
Stadtkapelle spielt Geburtstagsständchen
Am Wochenende wurde der 100. Geburtstag groß gefeiert. „Wir waren schon fast sechzig Leute“, schätzt ihr Sohn Alfred Saur.
Am Sonntagmorgen spielte die Stadtkapelle ein Geburtstagsständchen vor dem Haus der Familie Saur. „Das hatten wir noch nie“, erklärte Ehrenvorstand Uwe Renz. „Am Sonntag hat so manches Auto vor der Haustüre angehalten und gehupt.“
Trotz ihres hohen Alters wirkt Lina Saur bemerkenswert fit. „Ich bin dankbar, dass ich jeden Tag aufstehen kann“, sagt sie. Zwar besucht sie inzwischen einmal pro Woche die Tagespflege, wohnen möchte sie aber weiterhin zuhause. „Am liebsten bin ich zuhause“, betont sie.

Haiterbachs Bürgermeisterin Kerstin Brenner beglückwünscht Lina Saur zu Ihrem 100. Geburtstag mit einer Urkunde im Namen der Stadt.
Foto: Verena SlamaRegelmäßig bekommt sie Besuch von ihren Kindern. Unter der Woche schauen Nachbarn vorbei, am Wochenende unterstützt die Tochter beim Frühstück. „Wenn meine Enkelkinder noch kommen, dann bin ich selig“, sagt Lina Saur.
„Mit 100 Jahren hat man viele Höhen und Tiefen erlebt“, sagt Haiterbachs Bürgermeisterin Kerstin Brenner. Besonders die Kriegszeit sei für Saur in ihren jungen Jahren prägend gewesen, erzählt sie. „Das wünsche ich meinen Kindern und Enkeln nicht.“
Trotzdem geht sie auch heute noch gelegentlich spazieren und besucht ihre Nachbarschaft. Ihre positive Art hat sie sich bis heute bewahrt. „Bisschen unter die Leute muss man noch“, sagt die 100-Jährige mit einem Lächeln.