100. Geburtstag in Beihingen: Gretel Schöttle erinnert sich heute vor allem an die schönen Dinge

Kerstin Brenner und Alessandro Pagella gratulieren Gretel Schöttle zum 100. Geburtstag
Katzmaier„100 Jahre – wo sind sie nur geblieben?“, fragt sich Gretel Schöttle am Ende eines angeregten Gesprächs mit Haiterbachs Bürgermeisterin Kerstin Brenner und dem Beihinger Ortsvorsteher Alessandro Pagella.
Die beiden waren gekommen, um der heutigen Bewohnerin des Pflegeheims Emmaus in Beihingen zu diesem seltenen Ereignis zu gratulieren. Mit Blumen, Gutschein sowie Urkunden von Stadt und Land.
Lange im eigenen Haus gewohnt
Ihre für ihr Alter erstaunliche Fitness ließ die gebürtige Nagolderin Gretel Schöttle lange selbstständig im eigenen Haus in Nagold leben. Erst im September 2024 sei sie ins Pflegeheim gekommen, erzählt sie. Doch auch dort bleibt Schöttle aktiv. „Man muss immer etwas tun“, sagt sie, was vielleicht auch zu einem langen Leben beigetragen habe. Jedenfalls kann sie das vorbringen, da sie immer wieder gefragt werde, wie man es schaffe, so alt zu werden.
Etwas tun, das bedeutet für die Jubilarin körperlich und geistig aktiv zu bleiben. So gebe es viermal die Woche Bewegungsangebote im Emmaus. Und dann tue sie auch „etwas fürs Hirn“.
Alles gehe heutzutage nicht mehr, sagt Schöttle. Beispielsweise zu schwimmen, was sie vermisse. Bis zu ihrem 92. Lebensjahr war sie aktive Schwimmerin. Nach einem Herzinfarkt musste sie das jedoch aufgeben. Und auch das Treppensteigen sei nichts mehr für sie.
Im Krieg zu Arbeit und Diensten verpflichtet
Beim Blick auf so ein langes Leben kommt man neben den schönen Erinnerungen auch auf die negativen Teile. Das waren für Schöttle die Kriegsjahre, die sie als Mädchen und junge Frau erlebte. Eine Zeit, in der sie und andere junge Frauen zu verschiedenen Arbeiten und Diensten verpflichtet wurden. Aus der eigenen Entscheidung, als Näherin bei der Firma Digel zu arbeiten, wurde kurze Zeit später ein kriegswichtiger Dienst.
Allerdings blieb sie dem Unternehmen treu, bis sie als junge Mutter 1954 sich um den Nachwuchs kümmerte. „Man wollte mich gar nicht gehen lassen“, erzählt Schöttle.
Zu den Diensten in den Kriegsjahren gehörte Dienst bei der Feuerwehr und am Ender auch noch nach kurzer Ausbildung ein Einsatz für das Deutsche Rote Kreuz. Sie musste lernen, wie man Verbände legt und Schläuche anschließt, weil von den Männern keiner mehr Im Ort war.
Goldene Hochzeit mit weißer Kutsche
Auch wenn sie sich im Gespräch mit den beiden Gratulanten lebhaft an diese Zeit erinnert: Im Alltag spielen sie kaum eine Rolle. „Wenn ich nachts mal wach liege und mich an Dinge erinnere, dann sind es die schönen.“ Beispielsweise an die goldenen Hochzeit mit ihrem 2012 verstorbenen Mann. In einer weißen Kutsche mit weißem Pferd fuhren sie damals zur Kirche.
Auch die diamantene Hochzeit hätten sie beide im Jahr 2010 noch feiern dürfen.
Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Inzwischen hat Gretel Schöttle fünf Enkelkinder und neun Urenkel. Am Wochenende wurde in einem familiär großen Rahmen gefeiert.
Für Brenner und Pagella muss es kein runder Geburtstag sein. Auch beim 101. wollen sie an Schöttle denken. „Dann kommen wir wieder“, versprechen sie zum Abschied.