Zum Holocaust-Gedenktag
: Schüler säubern Stolpersteine

Elftklässer des Hebelgymnasiums haben am Montag Stolpersteine in der Lörracher Innenstadt gesäubert und ihre Botschaft wieder lesbar gemacht.
Von
Regine Ounas-Kräusel
Lörrach
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Die Elftklässler des Hebelgymnasiums reinigten einige der insgesamt 27 Stolpersteine im Lörracher Stadtgebiet. Mit ihrer Initiative wollen sie nach eigenem Bekunden das Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus lebendig halten.

Regine Ounas-Kräusel

Zugleich wollen die Schüler ein Zeichen setzen gegen Unmenschlichkeit und Antisemitismus.

Zum ersten Mal machten die Elftklässler vom Leistungskurs Geschichte mit ihrem Lehrer Friedel Schlesinger in der Kreuzstraße 18 Halt. Hier liegt ein Stolperstein für Berta Pahl. Die Schneiderin, die mit Friedrich Heinzelmann-Emden verheiratet war, brachte 1922 und 1924 zwei Söhne zur Welt. Nach der Geburt des zweiten Sohnes erkrankte sie offenbar an einer Depression. Sie wurde jahrelang in psychiatrischen Anstalten behandelt, bis sie im Jahr 1940 im Zuge der nationalsozialistischen „Euthanasie“ in der Anstalt Grafeneck ermordet wurde. Die Schülerin Emma Rezvani erinnerte an das Schicksal von Berta Pahl, während ein Mitschüler den Stolperstein putzte, so dass er wieder glänzte und die Schrift wieder lesbar war. Zum Schluss legten die Jugendlichen für Berta Pahl eine weiße Rose ab. Die Gemeinderätinnen Sabine Ehrentreich (Dir Grünen) und Christiane Cyperrekt (SPD) sowie Lars Frick, im Rathaus zuständig für Tourismus und Kultur, begleiteten die Aktion.

27 Stolpersteine erinnern in Lörrach an NS-Opfer

Vor dem Rundgang informierte der Schüler Milo Kockelhorn über den Künstler Gunter Demnig, der seit 1996 in Europa und Russland mehr als 106 000 Stolpersteine verlegt hat. Die Messingwürfel werden vor der letzten Adresse, die die verfolgten Menschen freiwillig wählten, verlegt und erinnern mit ihrem Namen und knappen Angaben an ihre Verschleppung, Ermordung und selten auch an ihre gelungene Flucht. In Lörrach wurden bislang 27 Stolpersteine sowie drei Stolperschwellen verlegt, nachdem die jüdische Gemeinde im Jahr 2018 ihre Bedenken dagegen aufgab. Drei Stolperschwellen am Kreiskrankenhaus und am Gefängnis erinnern außerdem an Opfer von Zwangssterilisation und an die deportierten jüdischen Bürger.

Auf ihren Rundgang säuberten die Jugendlichen Gedenksteine für die jüdischen Familien Beck, Juliusberger und des einst in Lörrach bekannten Arztes Dr. Samuel N. Moses. Außerdem die Gedenksteine für den homosexuellen Heinz Leible, den Kommunisten und Widerstandskämpfer Hermann Lützelschwab sowie die Familie Denz, die zu den Zeugen Jehova gehörte.

Aktuelle Verantwortung nicht vergessen

Mit der Aktion wollten sie dazu beitragen, dass die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen werden, sagten die Schüler Fritz Niedermüller und Pankaj Jaswal. Für die damaligen Verbrechen trügen sie zwar keine Schuld, aber wichtig sei es, heute Verantwortung zu übernehmen, betonten sie: „Der Holocaust zeigt, wohin Hass, Ausgrenzung und Menschenverachtung führen können.“ Während des Rundgangs betonte Emma Rezvani: Man wolle den Opfern des Nationalsozialismus ihre Namen zurückgeben und das Gefühl vermitteln: „Das könnten unsere Nachbarn sein.“

Auch der internationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar war für die Schüler Anlass, am Montag die Stolpersteine zu säubern und wieder besser sichtbar zu machen. Für den Gedenktag selbst haben Rafael Becker und Carla Zeh von der Schülermitverwaltung Info-Plakate zum Thema Nationalsozialismus und eine kleine Gedenkfeier organisiert.

Historischer Hintergrund für den Holocaust-Gedenktag ist die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee.