Zirkusschule in Neuenburg am Rhein: Wo Kinder in einem innovativen Zirkusprojekt über sich hinaus wachsen

Dass es im Team prima läuft, wurde bei der Schlussaufführung des „Zirkus Zinska“ in Neuenburg deutlich – zur großen Begeisterung der vielen Zuschauer im Zelt.
Beatrice EhrlichTräume und Verwandlungen waren Thema einer Kinderzirkusaufführung am Wochenende im Zirkuszelt am Landesgartenschaugelände. Zwei Mal „volles Haus“ konnten die Veranstalter der gemeinnützigen Zirkus-Kunst GmbH mit Sitz im nahen Badenweiler verkünden.
Damit ging auch für die rund 50 Kinder, die dort auf der Bühne standen, und ihre Betreuer ein Traum in Erfüllung: der nämlich, auf der Bühne schwierige Kunststücke zu meistern und dafür den begeisterten Applaus der jeweils rund 250 Zuschauer entgegenzunehmen.
Von fünf Jahren aufwärts kann man in den Kindergruppen des „Zirkus Zinska“, wie sich das Projekt unter der Leitung von Zirkuspädagogin Jana Schmiedt seit einigen Jahren nennt, die Zirkuskünste erlernen. Das beginnt beim Purzelbaum und kleinen Pyramiden und hört bei waghalsigen Nummern an Tuch und Trapez nicht auf.
Sich aus großer Höhe mithilfe einer raffinierten Knoten-Technik in die Tiefe fallen lassen, ohne auf die Matte abzustürzen, „umgekehrtes Klettern“ von oben nach unten oder das sanfte Hinabgleiten wie auf einer Rutsche – die Bandbreite der gezeigten Kunststücke war groß.
Die Kinder lieben die Akrobatik in der Höhe. So stoßen denn auch die Luftartistik-Kurse auf große Resonanz bei Kindern und Jugendlichen im Einzugsgebiet der Zirkusschule. Mit ihren Kursen in Müllheim, Neuenburg und Badenweiler erreicht sie Teilnehmer aus einem großen Einzugsgebiet von Heitersheim bis Schliengen und Kandern.

Die jüngsten Zirkuskünstler begeisterten das Publikum.
Foto: Beatrice EhrlichMit großer Geschicklichkeit klettern die Kinder behände hinauf unter die Zirkuskuppel, um dann mit großer Sicherheit und scheinbar ohne jegliche Angst allein, aber auch zu zweit oder zu dritt, kunstvolle Figuren mit ihren Körpern in die Luft zu malen.
Angeleitet werden die Kinder von jungen Artisten, die sich unter der Leitung professioneller Zirkuspädagogen und mit viel Raum für eigene Ideen auf die Bewerbung für eine Zirkusschule vorbereiten. Zugleich durchlaufen die Teilnehmer des Berufsorientierungsjahrs „Cirque intense“ die Ausbildung zum Zirkuspädagogen.
Nachwuchs aus den eigenen Reihen
Erstmals waren bei dieser Aufführung auch zwei junge Frauen dabei, die selbst seit Jahren Artistik und Luftartistik lernen, und nun als Jugendleiter Jüngere trainieren.
Allen Nummern ist die intensive, detailreiche Vorbereitung durch die werdenden Zirkuspädagoginnen anzumerken. Eingebettet in zauberhafte Szenen zwischen Traum und Wirklichkeit turnen die Kinder nicht nur – sie spielen, und sorgen für Rührung und Begeisterung bei Eltern, Geschwistern, Verwandten und Freunden auf den Zuschauerbänken.

Kopfüber unter der Zirkuskuppel: Junge Artistinnen zeigen, was sie können.
Foto: Beatrice EhrlichEtwa in einer Szene, die den Kampf zwischen Bösem und Gutem – zwischen Alpträumen und guten Träumen zum Thema hat: Da schaukelt ein Mädchen mit Korbtasche und Strandhandtuch verträumt auf dem Trapez und zeigt dort wie beiläufig schwierige Kunststücke, ein anderes Kind hangelt sich umständlich an der schwebenden Stange entlang, ohne dabei die halb leergegessene Popcorntüte aus der Hand geben zu wollen.
Nicht nur Zirkus, sondern auch fantasievolles Theater
Das Spiel der Kinder, zu denen auch eine Prinzessin mit goldener Kugel und Robin Hood, ganz in Grün und mit Pfeil und Bogen gehören, findet ein jähes Ende, als sich ein Bösewicht mit dunkler Maske nähert. Ihm folgen weitere kindliche Schreckgestalten, am Schluss der Nummer stehen sich Gut und Böse unversöhnlich gegenüber – bis das Licht ausgeht und dieser „Traum“ ein Ende hat.

Stark im Team: Junge Artisten in Aktion.
Foto: Beatrice EhrlichNicht schon immer können sich die Initiatoren von „Cirque intense“, allen voran dessen Leiter Robert Eisele, über ein so volles Haus bei ihren Aufführungen freuen. Bis sich das Projekt in diesem Ausmaß entwickelt und herumgesprochen hat, vergingen einige Jahre: Gegründet 2018, wurde das damals erste Zirkus-Vorbereitungsjahr in Deutschland durch die folgende Corona-Krise heftig ausgebremst.
Erst nach und nach fanden die Teilnehmer wieder den Weg zum professionellen Zirkustraining und zum Kindertraining. Nun kann man sagen: Das außergewöhnliche Angebot hat sich etabliert – und schon eine große Fan-Base in der Region aufgebaut.