Werkraum Schöpflin startet neue Themenreihe
: Wie können wir „in guter Gesellschaft“ leben?

Begegnung, Vielfalt und gesellschaftlicher Dialog – das sind die Kernthemen eines inhaltlich  verknüpften Programms, das die leitenden Organisatorinnen Esther Mikuszies und Vera Meister für die zweite Jahreshälfte zusammengestellt haben.
Von
Jan Boller
Lörrach-Brombach
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Vera Meister (links) und Esther Mikuszies präsentieren das neue Programm.

Jan Boller
  • Werkraum Schöpflin startet Reihe „in guter Gesellschaft“ mit Fokus auf Begegnung.
  • Auftakt am „Tag der Demokratie“ auf dem Alten Markt: Mitmach-Kunst mit Mascha Rodigina.
  • Gespräch „Game Over, Democracy?“ thematisiert Big-Tech und polarisierende Algorithmen.
  • Formate zu Redekultur und Orten der Begegnung, u. a. Workshops und Dialog „Sprechen & Zuhören“.
  • Kulturprogramm ergänzt: Tanz „Goodbye Stracciatella“, Steffi Lais’ „Groovenight Project“, Rezepte am Bauzaun.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Den Auftakt macht passenderweise eine Mitmach-Aktion am „Tag der Demokratie“ am Samstag, 19. September, auf dem Alten Markt. Wer möchte, kann von 13 bis 17 Uhr Fahnen oder Banner gestalten, die anschließend auf dem Platz aufgestellt werden. Dazu entstehen aus Krepppapier und Stoff bunte Blüten: Viel Farbe und etwas Leichtigkeit sollen sie nach Vorstellung von Werkraum-Leiterin Esther Mikuszies in Themen bringen, die gerade viele Menschen als bedrückend empfinden.

„Über echte Begegnung und künstliche Intelligenz im Alltag“ – so der Zusatztitel des ersten Teils des neuen Programms, das in der kommenden Woche startet. Wobei der Werkraum sich dafür zuvorderst auf echte Begegnungen fokussieren möchte. Die KI spielt eine Hauptrolle im zweiten Teil, der 2027 anschließen soll und sich noch in der Konzeption befindet.

Trotzdem geht es bereits im Eröffnungsgespräch „Game Over, Democracy? Willkommen in der Digitalokratie“ mit Medienexperte Michael Andree (Donnerstag, 24. September, Altes Rathaus) darum, wie „Big-Tech-Unternehmen mithilfe polarisierender Algorithmen demokratiefeindliche Medienstrukturen aufgebaut haben, die heute die politische Öffentlichkeit bestimmen“, wie es in der Ankündigung heißt. Dass die gegenwärtigen politischen Entwicklungen, technologischen Herausforderungen und gesellschaftlichen Konflikte deutliche Spuren im aktuellen Programm hinterlassen haben, sei dabei gewollt, sagt Mikuszies.

Fragen stellen. Keine Antworten präsentieren.

Die Reaktion des Werkraums darauf ist suchend, nachspürend. Vor allem aber ergebnisoffen. Vorgefertigte Antworten sollen nicht präsentiert werden, gesucht werden sie aber schon. Deswegen fragt der Werkraum nach. „Wann fühle ich mich in guter Gesellschaft? Was ist eine gute Gesellschaft überhaupt? Was sind gute Orte dafür?“, formuliert Leiterin Esther Mikuszies im Pressegespräch einige dieser Fragen.

Weil das neue „Haus für alle“ noch bis Sommer 2028 eine Baustelle ist, sollen der Werkraum Schöpflin und das Fabric-Areal zum „Labor“ werden und ausprobieren, wie Orte aussehen können, an denen sich möglichst viele möglichst unterschiedliche Menschen treffen. So sind die rund 20 Veranstaltungen in und um Lörrach verteilt und drehen sich um bestimmte Kernthemen, die aneinander andocken, sich vernetzen. Eines davon: Reden und reden lassen, ein Grundgedanke gleich mehrerer Veranstaltungen.

Es gibt einen Workshop „Jetzt reden wir!“ (Samstag, 14. November) für Frauen sowie trans, inter und nicht-binäre Personen, „die in Debatten häufiger unterbrochen werden und zögerlicher sprechen“, wie es im Programm heißt. Im besonderen Dialogformat „Sprechen & Zuhören: Über Heimat/en“ (Dreiländermuseum, Dienstag, 6. Oktober, im Rahmen der bereits angelaufenen Ausstellung „Zuhause – unterwegs. Was Menschen bewegt“) erzählen die teilnehmenden Personen in etwa dreiminütigen Monologen – und die anderen hören einfach zu.

Ein solches Format ist allerdings auch darauf angewiesen, dass sich Menschen finden, die bereit sind, in einer zumindest kleinen Öffentlichkeit zu sprechen. Die stellvertretende Leiterin des Werkraums, Vera Meister, kennt das Konzept bereits aus der Praxis. Es sei auch dazu da, etwas von der Stimmung im Land einzufangen, sagt sie. „Es funktioniert. Und es ist sehr interessant, was da passiert. Manchmal ist man überrascht, was man selbst sagt.“ Esther Mikuszies war selbst bereits als Teilnehmerin dabei. Sie meint: „Ich habe es auch als sehr geschützten Raum empfunden, dort zu sprechen.“

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen liefert in einer Lesung mit Gespräch den theoretischen Rahmen zum Thema („Zuhören“, Donnerstag, 8. Oktober).

Was passiert, wenn öffentliche Orte rar werden?

Orte der Begegnung, die das Zusammenkommen unterschiedlicher Menschen ermöglichen, sind das Thema des Podiumsgesprächs mit dem Soziologen Rainald Manthe, Tobias Brenk (Kaserne Basel) und Lörrachs Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdić. Solche Orte können Schwimmbäder, Jugendclubs, Bibliotheken oder Sportvereine sein. Das Problem: Sie werden immer weniger. Rainald Manthe spürt diesem Verlust nach und sieht dadurch den sozialen Zusammenhalt und letztlich auch die Demokratie selbst in Gefahr (Samstag, 26. September).

Ein Ausdruck der brüchigen Demokratie ist das Erstarken faschistischer Bewegungen. Noch ein Kernpunkt, der in manchen Programmpunkten mitschwingt, im zweiteiligen Format „Im Kopf von …“ aber explizit behandelt wird.

Die Historikerin Dagmar Herzog spricht darüber, welche Körper von Rechtsextremen als begehrenswert und welche als minderwertig oder bedrohlich behandelt werden. Der österreichische Autor Robert Misik untersucht die Massenpsychologie des neuen Faschismus. „Das verhetzte Individuum fällt nicht vom Himmel. Es wird gemacht“, sagt Misik (Freitag, 16. Oktober, und Sonntag, 15. November, beide Gespräche finden in der Kaserne Basel statt und werden von Oliver Nachtwey moderiert).

Steffi Lais legt das „Groovenight Project“ neu auf

Neben all der Denkarbeit gibt es aber auch genügend Programmpunkte für die Sinne und das Vergnügen, die Beine und den Appetit. Die inklusive Tanzperformance „Goodbye Stracciatella“ (Sonntag, 18. Oktober) nähert sich mit Humor und Spielfreude dem Thema Verzicht, Soulsängerin Steffi Lais feiert ihren 50. Geburtstag und bringt das „Groovenight Project“ in einer Neuauflage gleich zweimal auf die Bühne (Freitag, 6. November, und Samstag, 7. November), und vom 7. Oktober an werden am Bauzaun am Fabric-Areal entlang der Franz-Ehret-Straße Lieblingsrezepte aus der Region „zum Fotografieren und Nachkochen“ ausgestellt.

Programm und Tickets

Das Gesamtprogramm mit allen Infos ist unter https://www.werkraum-schoepflin.de zu finden. Dort gibt es auch Tickets.