Weniger Verkehr gefordert: Warum Autofahrer in Basel ausgebremst werden sollen

Die Superblocks werden nach einer einjährigen Testphase wieder abgebaut. Nun werden die Ergebnisse ausgewertet.
Michael Werndorff- Basel testete Superblocks in St. Johann und Matthäus ein Jahr – nun folgt die Auswertung.
- Ein externes Büro prüft Befragungen, Verkehrsdaten, Bußen, Unfälle, Luftmessungen und Sauberkeit.
- Der Superblock in St. Johann ist abgebaut, im Matthäusquartier beginnen die Rückbauarbeiten.
- Entscheid über das weitere Vorgehen voraussichtlich im ersten Quartal 2027.
- Ziel ist weniger Autoverkehr und mehr Quartierleben, doch es gab Einsprachen und Gerichtsentscheide.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Weniger Parkplätze, Durchfahrtsverbote, Begrünung und Spielgelegenheiten in ausgesuchten Quartiersstraßen: Mit sogenannten Superblocks will die Stadt am Rheinknie für mehr Lebensqualität in Wohnquartieren sorgen.
Einjährige Testphasen liefen im Matthäus- und St. Johann-Quartier. Nun soll ein externes Büro die gesammelten Erfahrungen auswerten. Dann wird sich zeigen, ob das Konzept der verkehrsberuhigten Straßen eine Zukunft hat. Die anstehende Auswertung umfasst Befragungen von Nutzern, Anwohnern und Gewerbe sowie die Auswertung von Bußen, Unfällen, Ausstattung, Luftmessungen und Sauberkeit, wie es seitens des Kantons heißt. Zudem würden Verkehrserhebungen analysiert und ein Austausch mit Schlüsselpersonen im Quartier durchgeführt.
Voraussichtlich im ersten Quartal 2027 will die Basler Regierung entscheiden, wie es weitergeht. Der Superblock im St. Johann ist bereits abgebaut, die Arbeiten im Matthäusquartier beginnen nun, wie das Präsidialdepartement jetzt mitteilte.
Der Basler Regierungsrat verstand die Versuche als „Stadt als Labor“, um zu prüfen, wie sich das aus Spanien stammende Konzept in der Stadt am Rheinknie umsetzen lässt. Forderungen aus der Bevölkerung, die Petition „Basel St. Johann – begrünt, klimafreundlich, lebenswert“ sowie politische Vorstöße haben den Anstoß für die beiden Testphasen gegeben. Ein Superblock besteht aus vielfältig nutzbaren, begrünten und verkehrsberuhigten Quartierstraßen. Im Superblock haben Fußgänger Vortritt, und es gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. Im St. Johann-Quartier waren mehrere Straßen für den Durchgangsverkehr gesperrt und Parkplätze aufgehoben worden.
Boulebahn und Infostelle
Ihren Platz eingenommen hatten eine Boulebahn, Infostelle, Gerüste, Holzvorrichtungen, Tafeln und Pflanzentröge. „Es ist aber keine autofreie Zone“, sagte Catherine Heinzer, eine der beiden Projektleiterinnen, bei der Einrichtung des Superblocks. Auch weil Fahrzeuge des Kantons, Rettungsfahrzeuge und Zulieferer noch passieren durften. Das Ziel: Klimaneutralität bis zum Jahr 2037 und die Reduzierung des Autoverkehrs um ein Drittel. Der Superblock sei jedenfalls ein kleines Element zur Erreichung dieses Ziels, kommentierte Esther Keller, Vorsteherin des Baudepartements, das umstrittene Projekt. Und weiter: „Superblocks schaffen mehr Raum für das Quartierleben und sind ein Ort zum Wohlfühlen, Spielen und Verweilen.“

In ausgewählten Quartierstraßen wurden Parkplätze aufgehoben. Dafür gab es viel Kritik.
Michael WerndorffDas Vorhaben war nicht unumstritten: Nachdem die geplanten Parkplatzaufhebungen im Frühling 2024 im Kantonsblatt veröffentlicht worden waren, gab es sechs Einsprachen. Weil es zu Verzögerungen kam, konnte der Test erst ein Jahr später beginnen. Die eingegangenen Rekurse wurden aber alle abgewiesen.
Gericht musste entscheiden
Zuletzt entschied das Verwaltungsgericht Basel-Stadt, dass eine Aufhebung von Parkplätzen für einen einjährigen Test zumutbar sei. Über einen Dauerbetrieb urteilte das Gericht hingegen nicht. Die persönliche Freiheit sah es nicht als eingeschränkt an. Damit bleibt die Zukunft von Superblocks nicht nur politisch, sondern auch juristisch offen. Anders im Bereich Fatio- und Jungstraße: Dort wurde gegen die Abweisung der Einsprachen erneut Rechtsmittel eingelegt. Deswegen konnte dieser Perimeter nicht weiterbearbeitet werden, so der Kanton. Eigentlich sollte der Superblock viel größer werden. Insgesamt hatte der Kanton im St-Johann-Quartier 48 öffentliche Parkplätze für den Superblock aufgehoben, sieben davon waren in Parkverbotsfelder für den Güterumschlag umgewandelt worden.
Entstanden ist das Konzept in Barcelona. Dort hat die Stadtverwaltung jeweils neun Wohnblocks zu einem Superblock zusammengefasst. Varianten der Superblocks sind Miniblocks mit vier oder drei Wohnblocks sowie Linearblocks mit zwei Wohnblocks. Superblocks sind in zahlreichen Städten anzutreffen.