Veranstaltungsreihe in Lörrach
: Wie die Schöpflin Stiftung die Erinnerung an die NS-Zeit wachhält

Eine neue Veranstaltungsreihe der Schöpflin Stiftung setzt sich mit NS-Diktatur, lokaler Erinnerungskultur in Lörrach und den Auswirkungen der Zeitgeschichte auf die Gegenwart auseinander.
Von
red/pm
Lörrach
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Die Schöpflin Stiftung hat in einer Studie die Rolle des Versandhauses Schöpflin in der NS-Zeit untersuchen lassen. Diese Beschäftigung mit der eigenen Geschichte gab den Anstoß für die neue Veranstaltungsreihe.

Die Schöpflin Stiftung hat in einer Studie die Rolle des Versandhauses Schöpflin in der NS-Zeit untersuchen lassen. Diese Beschäftigung mit der eigenen Geschichte gab den Anstoß für die neue Veranstaltungsreihe.

Schöpflin Stiftung
  • Schöpflin Stiftung startet in Lörrach die Reihe „Ruhestörung“ zum Erinnern an die NS-Zeit.
  • Anlass ist eine Studie zur Rolle des Versandhauses Schöpflin während der NS-Diktatur.
  • Ab Oktober gibt es Gespräche, Lesungen, Theater und Projekte mit jungen Menschen.
  • Auftakt 14.–18. Oktober: deutsch-polnisches Projekt zur Zwangsarbeit in Lörrach.
  • Fokus auf Stanisław Zasada und Pauline Kropf – erste Ergebnisse am 18. Oktober im Rathaus Brombach.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Als im Frühjahr 2026 erstmalig NSDAP-Mitgliedsdaten online zugänglich waren, war das Interesse in Deutschland groß: Die Website verzeichnete in den ersten Wochen millionenfache Suchanfragen. Rund 75.000 Menschen erkundigen sich pro Jahr beim Bundesarchiv nach Dokumenten, die etwas zur Rolle ihrer Vorfahren während der NS-Diktatur aussagen, heißt es in der Ankündigung der Schöpflin Stiftung.

Damit, wie sich das Erinnern an zeitgeschichtliche Ereignisse stärker mit individueller und lokaler Geschichte verknüpfen lässt, befasst sich die Schöpflin Stiftung ab Oktober in ihrer neuen Veranstaltungsreihe in Lörrach „Ruhestörung – eine Reihe über das Erinnern“. Gespräche, Lesungen, Theater und Projekte mit jungen Menschen in Lörrach sollen dazu anregen, sich mit Geschichte vor Ort und mit zeitgeschichtlichen Ereignissen auseinanderzusetzen, miteinander ins Gespräch zu kommen und einen selbstkritischen Blick auf Formen des Erinnerns zu werfen.

Auch die Rolle des Erinnerns im Kontext etwa des Israel-Palästina-Konflikts und künstlerisch-kreative Impulse sind Teil der Reihe.

Schöpflin-Geschichte gibt den Anstoß

Ausgangspunkt der Veranstaltungsreihe ist die Geschichte des Versandhauses Schöpflin während der NS-Diktatur. Die von der Schöpflin Stiftung und mehreren Generationen der Familie Schöpflin angestoßene wissenschaftliche Untersuchung der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte wurde im Oktober 2025 veröffentlicht. „Die Studienergebnisse haben mich betroffen gemacht. Umso wichtiger war das Gespräch innerhalb der Familie und die Frage danach, wie wir insbesondere mit Blick auf die Zukunft Verantwortung übernehmen können“, wird Hans Schöpflin in der Mitteilung der Schöpflin-Stiftung zitiert. „Wenn wir unsere weltoffene, demokratische Gesellschaft erhalten wollen, müssen wir die ritualisierte Erinnerungskultur aufbrechen und Räume für eine persönliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit schaffen.“

Aus der generationenübergreifenden Beschäftigung mit der NS-Diktatur entstand die Initiative für „Ruhestörung“. Die Konzeption dafür hat ein Team aus Lörrach erarbeitet. Dem Team gehören Esther Mikuszies, Leiterin des Kultur- und Debattenorts Werkraum Schöpflin/Fabric, Birgit Degenhardt (Schöpflin Stiftung) sowie Jan Merk, Leiter des Dreiländermuseums Lörrach, an.

Es gilt, autoritäre Entwicklungen zu erkennen und vor ihrem Erstarken zu warnen. „Die Erfahrungen der NS-Zeit zeigen, wohin der schrittweise Abbau demokratischer Strukturen und Ausgrenzung führen können. Daran zu erinnern, heißt für uns auch, autoritäre Entwicklungen in der Gegenwart zu erkennen und vor ihrem erneuten Erstarken zu warnen“, sagt Birgit Degenhardt. „Mit der Reihe ‚Ruhestörung‘ will die Schöpflin Stiftung dazu anregen, Geschichte und lokales, individuelles Erinnern stärker miteinander zu verknüpfen.“

„Es gibt immer wieder das Bedürfnis, offen über Erinnerungen an zeitgeschichtliche Ereignisse zu sprechen“, sagt Jan Merk, Leiter des Dreiländermuseum Lörrach. „Die Ruhestörung-Veranstaltungen sollen eine Chance bieten, Emotionen und Fakten zu sortieren, um dann unaufgeregt miteinander über die Vergangenheit ins Gespräch zu gehen.“

Auftakt mit Projekt zur Zwangsarbeit in Lörrach

Den Auftakt der Reihe bildet vom 14. bis 18. Oktober ein deutsch-polnisches Projekt zur Geschichte der Zwangsarbeit in Lörrach. Studenten der Universität Posen (Poznań) forschen unter Leitung von Małgorzata Grzywacz zu Zwangsarbeit und entwickeln gemeinsam mit Schülern der Mathilde-Planck-Schule sowie der Hellbergschule Ideen für einen Gedenkort in Lörrach.

Am Sonntag, 18. Oktober, um 11 Uhr präsentieren sie im Rathaus Brombach öffentlich erste Ergebnisse. Im Zentrum steht die Geschichte des 1941 ermordeten polnischen Zwangsarbeiters Stanisław Zasada, weil er eine Beziehung mit der Deutschen Pauline Kropf hatte. Kropf wurde in das Frauen-KZ Ravensbrück deportiert und überlebte. Europaweit bekannt wurde die Geschichte der beiden durch Rolf Hochhuths 1978 erschienenen Roman „Eine Liebe in Deutschland“ und den gleichnamigen Film von Andrzej Wajda. An dem Projekt wirken außerdem das Bündnis „5 vor 12 – für Demokratie, gegen Rechtsextremismus“, die Schöpflin Stiftung und der Museumsverein Lörrach mit. Begleitet wird es von der AG Erinnerungskultur der Stadt Lörrach.

Weitere Gespräche, Lesungen und Veranstaltungen sind in Planung. Mehr unter schoepflin-stiftung.de/ruhestoerung.