Umfrage in der Innenstadt: Was sich Menschen in Weil am Rhein zu Weihnachten wünschen

„Wir leben in der Weihnachtsbäckerei und sind wunschlos glücklich“, sagt Bäcker Simon Fritz, der sich und seinen Angestellten über Weihnachten einige freie Tage gönnt.
Beatrice EhrlichWeihnachten fällt an diesem Tag auf einen Mittwoch, damit bleiben zwei Tage Zeit für letzte Besorgungen fürs Fest. Am Tag vor Heiligabend sind viele in der Innenstadt unterwegs, aber der Andrang ist auch nicht übermäßig groß.
Hier und da bleibt Zeit für ein kleines Gespräch zu allem, was die Menschen vor Weihnachten bewegt, und was sie sich wünschen.
Die Buchhändlerin: Seit März führt Victoria Schön, 32, die Filiale des Buchhändlers Thalia in der Dreiländergalerie. Sie freut sich darauf, über Weihnachten heim in die Heidelberger Gegend zu fahren und dort mit ihrer Mutter Weihnachten zu feiern.
Für sie ist es das, was Weihnachten ausmacht: besondere Momente mit seinen Liebsten zu verbringen und Energie zu tanken für das, was kommt.

Der persönliche Kontakt liegt den Menschen am Herzen, hat Buchhändlerin Victoria Schön beobachtet.
Foto: Beatrice EhrlichIn Weil hat sich die studierte Archäologin und Buchhändlerin schon einen Überblick über das Geschäftsleben verschaffen können. Wie auch in ihren Heimatort Sinsheim seien mittlere und kleinere Städte davon betroffen, das kleinere Läden schließen, sagt sie mit ein wenig Wehmut. Auch sie bummle gern durch eine schöne Ladenzeile, sagt sie. In ihrer Thalia-Filiale hat sie festgestellt, dass den Kundinnen und Kunden der persönliche Kontakt zum Buchhändler am Herzen liegt, auch wenn sie sich telefonisch melden oder per E-Mail.
Eine Stammkundin und echte Buchexpertin habe dieses Jahr die Seite gewechselt und sei nun im Weihnachtsgeschäft als Aushilfskraft Teil des Teams. Der Weiler Weihnachtsbestseller? Ganz klar: „Organisch“ von Giulia Enders.
Die Einkäuferin: Mit ihren beiden Kindern hat Janine Häusermann gerade letzte Einkäufe zum Weihnachtsfest bei der Einkauf-Insel erledigt. Das Lastenrad ist dicht bepackt, obenauf liegen die Röllchen fürs Fleischfondue dicht an dicht. Gleich geht es die Straße an der Polizei, am Obelisk- und am Stuhlkreisel vorbei wieder zurück nach Basel.
Was sie sich wünscht? „Frieden auf der Welt, das wäre doch das Schönste.“ Weihnachten werde zu Hause so gefeiert: Erst im kleinen Kreis, dann immer größer, bis am Ende 20 Personen um den Tisch sitzen – fürs Kochen sei sie dann aber nicht mehr sie zuständig, lacht die 38-Jährige.
Der Friseur: Manuel Reinhardt freut sich auf die vor ihm liegenden Feiertage. In der Leopoldstraße betreibt der 53-Jährige sein Geschäft „Der Frisör“, das er zur Weihnachtszeit mit einem über und über mit kreativen Weihnachtskugeln bestückten Kronleuchter festlich ausstaffiert hat.

Friseurmeister Manuel Reinhardt hat sein Geschäft weihnachtlich geschmückt.
Foto: Beatrice EhrlichZu Weihnachten kommt bei ihm die Familie zusammen. Er wünscht sich für sie viel Gesundheit, insbesondere auch für die Kinder. Gekocht wird zusammen: Raclette, Rinderrouladen, Tiramisu und andere Köstlichkeiten mehr.
Der 24. Dezember sei außerdem sein Geburtstag, verrät Reinhardt mit einem Schmunzeln. Daher freue er sich ganz besonders auch auf seine Geschenke, unter denen dann hoffentlich auch ein ordentliches Küchenmesser-Set sein wird, das er sich wünscht.
Die Änderungsschneiderin: Meeresfrüchte mit Tamarindensauce, dazu Reis und Salat, kocht Vu Hai Thanh, die zusammen mit ihrem Mann Quang Huan Nguyen die Änderungsschneiderei mit Postfiliale am Berliner Platz führt, an Weihnachten.
Ansonsten werde in ihrer Familie nicht sehr groß gefeiert, sagt die 57-Jährige mit Wurzeln in Vietnam. Denn sie seien eigentlich Buddhisten.

Seit 2009 keinen Tag im Urlaub: Quang Huan Nguyen und Vu Hai Thanh vor der Postfiliale am Berliner Platz.
Foto: Beatrice EhrlichDen Kindern zuliebe – heute 33, 27 und 17 Jahre alt – gab es aber doch jedes Jahr ein Fest mit gutem Essen und Geschenken. Das Schneidern hat sie schon in der Schule gelernt und es dann zu ihrem Beruf gemacht, weil sie etwas anziehen wollte, was andere nicht haben.
Ihr Mann ist erschöpft wegen der großen Paketaufkommens der vergangenen Tage. Er ist froh, wenn er am Heiligabend um 12.30 die Türen schließen kann. Seit 2009 führt der 66-Jährige die Post, ohne je Urlaub oder freigemacht zu haben, außer an Sonn- und Feiertagen.
Der Bäcker mit Auszeichnung: „Wir leben in der Weihnachtsbäckerei und sind wunschlos glücklich“, sagt Simon Fritz, der die Bäckerei Fritz in der Königsberger Straße führt. Über eine weitere Auszeichnung für seinen mehrfach goldmedaillengekrönten Cranberry-Christstollen nach Dresdner Art würde er sich allerdings auch freuen, gibt er zu. Er hat ihn vor einigen Jahren zusammen mit einem Wandergesellen entwickelt.
Dieser habe seine Ausbildung in der maßgeblichen Christstollen-Bäckerei in Dresden absolviert, berichtet er zum Hintergrund. Da er selbst auch auf Wanderschaft war, sind in seinem Betrieb immer wieder wandernde Gesellen zu Gast. Natürlich sei auch ein Wunsch, dass alle gesund bleiben, fügt er mit Blick auf seine 32 Mitarbeiter und die Familie hinzu. Über die Feiertage wie auch an Sonntagen ist seine Bäckerei mit Café und Mittagstisch geschlossen. „Unsere Leute sollen dann bei ihren Familien sein“, so sein Gedanke.