Turnier des Schachclubs Lörrach-Brombach: Schach-Tennis: Aus der Nische zur Kult-Kombination

Der Vorsitzende des Schachclubs Brombach Markus Haag am Schachbrett, im Hintergrund wird Tennis gespielt.
Barbara Ruda- Schach-Tennis in Lörrach-Brombach: Turnier verbindet Tennis und Schnellschach zu einem Wettbewerb.
- Pro Runde neue Zweier-Teams per Los – Können und Losglück entscheiden gemeinsam.
- Modus: vier Tennis-Matches für bis zu acht Punkte, danach zwei Schachpartien mit sieben Minuten.
- 18 Teilnehmer von elf bis über 70 Jahre, Anreise teils bis Zürich und Karlsruhe, Gemeinschaft im Fokus.
- Finale: Nico Brandl holte den Pokal knapp vor Yaroslav Srokovski und Matthias Rüfenacht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Ergebnis melden?“, fragt Markus Haag, der Vorsitzende des Schachclubs Brombach, einen Tennisspieler, der auf ihn zuläuft. „Ja!“ Rafael Gernert hat wirklich eine Neuigkeit: Seine dritte Runde hat er auf Platz fünf glatt verloren.
Den Kopf lässt er dennoch nicht hängen. Er ist eigens aus Durmersheim angereist, um erstmals an dem ungewöhnlichen Wettbewerb teilzunehmen. „Tennis und Schach, das klingt interessant“, sagt er.
Beides gehört zu seinem Leben: Gernert ist Mitglied im Schachclub und im Tennisclub seines Heimatortes. Auf dem Tennisplatz komme er allerdings meist bloß als Sparringspartner und Aufbaugegner seines Sohnes oder seiner Frau zum Einsatz. Dass er gerade gegen einen Tennisspieler verloren hat, überrascht ihn deshalb nicht. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Später sitzt ihm derselbe Gegner am Schachbrett gegenüber. „Da habe ich noch Chancen“, weiß Gernert.
Denn beim Schach-Tennis zählt am Ende die Gesamtpunktzahl aus beiden Sportarten. Das macht den besonderen Reiz des Turniers aus.
Die Altersspanne reicht von elf bis über 70 Jahre
Für jede Runde werden neue Zweier-Teams ausgelost. Im Tennis stehen vier Matches mit jeweils unterschiedlichen Partnern auf dem Programm, dabei können maximal acht Punkte gesammelt werden. Anschließend geht es ans Schachbrett. Zwei Partien mit jeweils sieben Minuten Bedenkzeit pro Spieler bringen weitere acht Punkte. Markus Haag nennt diese Form des Schachspiels scherzhaft „Senioren-Schach“.
Schließlich könne man die Figuren vergleichsweise gemütlich ziehen. Zum 16. Mal findet das Turnier des Schachclub Brombach, der aktuell 130 Mitglieder zählt, inzwischen statt.
Ins Leben gerufen wurde es einst vom zweiten Vorsitzenden Nico Brandl. Die Idee hatte er bei einem Sportfest im Schweizer Biel aufgenommen und anschließend etwas abgewandelt. 18 Teilnehmer, allesamt Männer, sind in diesem Jahr dabei. Die Altersspanne reicht von elf (Florian Gernert aus Bietigheim) bis über 70 Jahre.
Auf dem Gelände des Tennisclubs Haagen treffen sich Spieler aus einem weiten Einzugsgebiet – von Zürich bis Karlsruhe. Viele sind Stammgäste. „Mehrfachtäter“, nennt Haag die. Vier neue Gesichter sind diesmal ebenfalls dabei.
„Mens sana in corpore sano“ – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper: Der alte Gedanke aus dem Lateinunterricht passt bestens zum Tennis-Schach-Wettbewerb. Dabei steht für die Organisatoren nicht der verbissene Wettkampf im Vordergrund. Es gehe vor allem um die herzliche und freundschaftliche Atmosphäre,um Begegnung und Gemeinschaft, betont Nico Brandl.
Auch in Hamburg und Wien gibt es neuerdings Turniere
Ganz ohne Ehrgeiz geht es allerdings auch nicht. Natürlich wollen die Teilnehmer Punkte sammeln und am Ende den Pokal in Händen halten. Doch wer gewinnt, hängt nicht allein vom Können ab. Entscheidend ist auch, wen man zugelost bekommt.
„Eine Wundertüte“, nennt Brandl das Prinzip. Die ungewöhnliche Verbindung von Tennis und Schach findet immer mehr Anhänger. Auch in Hamburg und Wien gibt es neuerdings Turniere. Rund um die Kombination der beiden Sportarten ist mittlerweile eine Community entstanden.
Am Samstag wird zunächst auf den fünf Tennisplatz gespielt, danach geduscht und gevespert. Anschließend werden auf der Veranda des Tennisclubs Bretter und Uhren akkurat auf den Tischen aufgestellt. „Gut Glück“, wünscht Markus Haag. Dann wird es still. Nur das Klicken der Schachuhr durchbricht die Ruhe, wenn die Spieler nach jedem Zug auf den Knopf drücken.
Am Abend grillen die Spieler gemeinsam, und auf die ausgehängte Hall-of-Fame-Liste werden neue Namen geschrieben: Nach einem Herzschlagfinale hat Nico Brandl das Glück und die Ehre, den Pokal wieder nach Brombach zu holen. Hauchdünn mit nur einem Punkt weniger hinter ihm platzieren sich der amtierende Herren 50 Schach-Tennis-Weltmeister und Internationale Schachmeister Yaroslav Srokovski von der OSG Baden-Baden sowie der viermalige Gewinner des Turniers und Fidemeister Matthias Rüfenacht aus Basel.