Trommelkunst auf höchstem Niveau: So war die Premiere von „Top Secret & Friends“ in Basel

Das Top Secret Drum Corps und die US Army Old Guard überzeugten mit ihrem Können.
V-MEDIA/Patrick Straub- Premiere von „Top Secret and Friends“ im Musical Theater Basel mit internationaler Besetzung.
- Top Secret Drum Corps führt Basler Trommeltradition fort und verbindet Militär-, Fasnachts- und freien Stil.
- Show betont kulturelle Wurzeln und Zusammenarbeit mit der lokalen Trommelakademie.
- Gäste: US Army Old Guard, britische Corps und Highland-Dance-Gruppe „Flying Things“.
- Höhepunkt war das Zusammenspiel mit „Blue Devils an RCC“ aus Kalifornien – interkultureller Fokus.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Trommelstäbe sausen in atemberaubenden Tempo und mit unglaublicher Präzision auf und nieder, bis sie überhitzen und zu brennen beginnen. Die Flammen auf den Hölzern sind zwar nur Budenzauber, doch sie stehen sinnbildlich für die neue Show der Basler Formation „Top Secret Drum Corps“: Die Gastgeber, musikalisch längst in der weltweiten Trommel-Elite anzusiedeln, und die eingeladenen Ensembles entfachen beim Programm mit dem Titel „Top Secret and Friends“, das noch bis Sonntag über die Bühne des Musical Theaters geht, ein ganzes Feuerwerk an Rhythmik und Sound – und das mit nur einem Instrument.
Im Mittelpunkt der Show steht selbstredend die einheimische Gruppe, die in den 1990er-Jahren gegründet wurde und die sich längst im weltweiten Vergleich behauptet hat. Das gilt in vielerlei Hinsicht: Das „Top Secret Drum Corps“ bewegt sich souverän sowohl im traditionell-militärischen Trommeln, als auch bei den fasnächtlichen Gepflogenheiten sowie darüber hinaus im freieren Stil, bei dem das Mechanisch-Metallische des Trommelns schon stark an elektronisch erzeugten Techno-Sound erinnert. Die rund 30-köpfige Formation trägt auf ihre Weise die Basler Trommelkultur in die Zukunft. Seit Jahrhunderten bereits pflegt die Stadt mit der Trommel eine spezielle Tradition, die indirekt über die Basler Fasnacht sogar dem immateriellen Unesco-Weltkulturerbe zuzurechnen ist.
Aber nicht nur an Fasnacht wird in Basel getrommelt, ebenso beim Kleinbasler Volksbrauch „Vogel Gryff“ oder aber bei weltlichen Anlässen. Seit den 1920er- Jahren ist die Basler Trommelschule nebst einer Ausbildungsanleitung schriftlich festgehalten, basierend auf der über Jahrhunderte durch die Praxis überlieferte, zunächst militärische, dann stark fasnächtlich geprägte Tambouren-Kultur.
Das Trommeln, so lässt sich ohne Übertreibung sagen, liegt den Baslern im Blut. 4000 aktive Trommler dürfte es in der Stadt geben. Basel bewegt sich somit zwischen anderen herausragenden europäischen Trommel-Traditionen, die beispielsweise in Sizilien zur Heiligenverehrung oder in Spanien als rituelle Begleitung der Karwoche dienen. Weil die Fasnacht bekanntlich dieser düsteren Zeit vorausgeht, lässt sich die gewisse Strenge des Basler Repertoires erklären. Das Projekt „Top Secret Drum Corps“ möchte diese Kultur keineswegs hinter sich lassen, sondern mit eigener Handschrift aktualisieren und auch außerhalb der festgelegten Fasnachtstradition weiterentwickeln.
Liebe zur Sache
Dass es dabei aber ganz und gar nicht um die Vermarktung der alten Werte nach den Regeln des Showbusiness geht, macht die Formation in einem raffiniert und witzig aufgezogenem Video klar, das wie ein Prolog dem Abend vorangestellt ist: Nicht der Ausverkauf der eigenen Identität, sondern die Liebe zur Sache ist Triebfeder. Zu eben dieser Liebe seit Kindesalter an gehört eben auch, dass „Top Secret“ die eigenen Wurzeln nicht vergisst. Die Verbundenheit mit der Fasnacht, die noch heute den Sound für das Basler Lebensgefühl vorgibt, dokumentiert das Bühnenprogramm anhand gemeinsamer Auftritte mit der örtlichen Trommelakademie. Zum Freundeskreis von „Top Secret“ gehören aber auch Verbindungen, die über das Basel Tattoo zu zeremoniellen Formationen aufgebaut wurden.
Bei Staatsanlässen erprobt
Im Programm schlägt sich das durch die Beiträge US-amerikanischer und britischer Corps nieder, die in ihren Ländern bei Staatsanlässen erprobt sind. Für eine optische Note und für die Übersetzung der Trommelwirbel ins Medium Tanz sorgt die schottische Highland-Dance-Gruppe „Flying Things“.Die interessanteste Begegnung aber resultiert aus dem Zusammentreffen mit der Formation „Blue Devils an RCC“ aus Kalifornien. Unüberhörbar klingen in deren Repertoire Töne aus pazifischen Kulturen an sowie das Bemühen, musikalische Traditionen neuen Einflüssen zu öffnen. Daraus resultiert die Schnittmenge zu „Top Secret“. Das Zusammenspiel der beiden Gruppen war deshalb der Höhepunkt des Abends und es transportierte gleichsam dessen Kernaussage: Trommeln als interkulturelle Begegnung.