Tiere im Kreis Lörrach in Not
: Wenn Igel Hilfe brauchen

Rund 200 Igel rettet Manuela Kiefer jährlich in ihrer Auffangstation in Minseln. Besonders im Herbst hat sie alle Hände voll zu tun: Viele Jungtiere sind zu leicht, andere verletzt oder von Parasiten befallen. Doch es fehlt an Tierärzten und Helfern.
Von
Michael Werndorff
Kreis Lörrach
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Viele junge Igel müssen im Herbst aufgepäppelt werden.

Viele junge Igel müssen im Herbst aufgepäppelt werden.

Jennifer Kramer/dpa
  • Igelstation in Rheinfelden-Minseln: Manuela Kiefer päppelt jährlich etwa 200 Igel auf.
  • Herbst ist Hauptzeit, viele Jungtiere sind unter 500 Gramm und brauchen Hilfe zum Wintergewicht.
  • Verletzungen durch Mähroboter, Motorsensen, Rasentrimmer und Autos – Geräte tagsüber beaufsichtigen.
  • Tierarztmangel erschwert Behandlungen, Narkosen sind heikel, Kotuntersuchungen prüfen Parasiten.
  • Keine Milch geben, bei Unsicherheit früh Kontakt zu Igelstation aufnehmen; maximal zehn Tiere in Obhut.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Der Zahnstein macht den kleinen Zöglingen von Manuela Kiefer zu schaffen. Auch der eine oder andere lockere Zahn muss gezogen werden. Damit die beiden Igeldamen nach der Auswilderung wieder kraftvoll Insekten knacken können, muss ein Tierarzt ran. Kiefer hat derzeit alle Hände voll zu tun. Sie betreibt eine Igel-Auffangstation in Rheinfelden-Minseln und rettet jährlich etwa 200 Tiere. Dabei muss sie zahlreiche Herausforderungen meistern. Gut drei Wochen hat sie nach einem Tierarzt gesucht, erst jetzt hat sie einen Veterinär gefunden, der sich bereit erklärte, sich die Wildtiere anzuschauen. „Igel können leicht sterben, wenn man etwas falsch macht. Zudem sind Narkosen sehr heikel“, weiß Kiefer.

In der Herbstsaison wenden sich viele Menschen an die Igelhilfe, weil sie abgemagerte oder verletzte Tiere gefunden haben. „Die ganz jungen Tiere mit einem Gewicht unter 500 Gramm kommen jetzt alle in die Station zum Aufpäppeln, damit sie ihr Wintergewicht erreichen“, erklärt Kiefer. Dass im Herbst so viel zu tun ist, liegt daran, dass Igel ihre Jungen spät im Jahr bekommen, oft erst im August oder September. Damit ein Igel seinen Winterschlaf antreten kann, sollte der Nachwuchs etwa 500 Gramm auf die Waage bringen.

Indes finden Igel immer schwerer Futter, weil sich ihre natürlichen Lebensräume und Nahrungsquellen drastisch verringert haben. Laut Naturschutzbund fehlen diese primären Nahrungsquellen besonders im Spätsommer und Herbst, wenn die Tiere dringend Fettreserven für den Winterschlaf anfressen müssen. Mit dem Füttern allein ist es aber nicht getan: Gegebenenfalls müssen die Tiere entwurmt werden. Eine Kotuntersuchung unter dem Mikroskop soll sicherstellen, dass die Igel gesund in den Winterschlaf starten können.

„Mähroboter sind so ziemlich die Hölle.“
Manuela Kiefer
Igel-Pflegestation

Neben untergewichtigen Tieren landen auch verletzte in der Auffangstation. Mähroboter, Motorsensen, Rasentrimmer und Autos können den Igeln schnell zum Verhängnis werden. „Mähroboter sind so ziemlich die Hölle“, stellt Kiefer fest und appelliert an alle Nutzer, die Geräte nur tagsüber und unter Aufsicht laufen zu lassen. Denn ein Muttertier mit Igelkindern könne auch einmal tagsüber durch den Garten streifen. Auch Nachwuchs, der allein auf der Jagd ist, sei gefährdet.

Derzeit hat die Expertin zehn Igel in Obhut – ein Dauerzustand, wie sie berichtet. „In den vergangenen drei Jahren hatte ich keinen einzigen Tag igelfrei“, schmunzelt sie. Jetzt musste sie sogar einen Aufnahmestopp verhängen, da sie den Vorgaben des Veterinäramts zufolge maximal zehn Igel aufnehmen darf. Daher leitet sie die Finder nach einer Erstuntersuchung dazu an, die Igel selbst zu pflegen und gegebenenfalls für die Verabreichung von Medikamenten in die Auffangstation zu kommen. Das Ziel ist, die Igel bald wieder auszuwildern. Hierfür müssen das Gewicht stimmen und die Wunden vollständig abgeheilt sein. Zudem muss das Tier frei von Parasiten sein, macht die Expertin deutlich.

Und wann sollte man einem Igel helfen, den man findet? Ein Igel könnte laut Kiefer hilfsbedürftig sein, wenn er offensichtlich verletzt ist oder zu dünn aussieht. „Wenn man sich nicht sicher ist, dann lieber einmal zu viel als zu wenig bei mir oder einer anderen Igelstation anrufen“, rät die Expertin. Wichtig ist, dass die Tiere nicht willkürlich eingesammelt werden und mit der Kontaktaufnahme nicht zu lange gewartet wird. „Hält man eine Igelmutter nämlich über Stunden hinweg von ihren Jungtieren fern, machen sich diese auf die Suche nach Nahrung. Und das kann gefährlich für sie werden.“ Ein weiterer Fehler ist die Gabe von Milch. Igel sind nämlich laktoseintolerant. „Milch führt bei Igeln schnell zu schweren Bauchkrämpfen, Koliken und starkem Durchfall“, warnt Kiefer, die sich seit vier Jahren für die Tiere einsetzt. Angesichts der zahlreichen Anfragen brauche es dringend weitere Engagierte. Diese können sich in einem ersten Schritt beim zuständigen Veterinäramt informieren, rät die Rheinfelderin.