Suchtbelastete Familien im Landkreis Lörrach: KiSEL hilft Kindern seit 20 Jahren bei Ängsten, Schuldgefühlen und „Chaos im Kopf“

Betreuerin Martina Zipse-Warkotsch (von links), Vorstand André Marker, Frank Meißner, Leiter der Drogen- und Jugendberatungsstelle, Betreuerin Bianca Leicher, Vorstand Isabell Walser und Betreuerin Magdalena Wunderle feiern das 20-jährige Bestehen.
KiSEL- KiSEL bietet seit 20 Jahren Kindern aus suchtbelasteten Familien einen geschützten Raum.
- Die Nachfrage stieg über die Jahre, inzwischen gibt es fünf Gruppen im Landkreis Lörrach.
- Bei der Jubiläumsfeier würdigten AKRM, Politik und Partner die feste Rolle im Hilfenetz.
- Ex-Teilnehmer Max berichtete, wie die Frage „Wie geht es dir?“ für ihn entscheidend war.
- KiSEL ordnet „Chaos im Kopf“, hilft gegen Ängste und Schuldgefühle – auch mit Ausflügen.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Seit 20 Jahren bietet KiSEL Kindern und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien einen geschützten Raum, in dem sie über ihre Erfahrungen, Sorgen und Ängste sprechen können. Sein Jubiläum feierte das Angebot der Drogen- und Jugendberatungsstelle Lörrach vom Arbeitskreis Rauschmittel Lörrach (AKRM) gemeinsam mit Gästen aus Politik, aus der Daseinsfürsorge, mit Kooperationspartnern sowie langjährigen Wegbegleitern.
Dabei wurde deutlich, welchen festen Platz KiSEL inzwischen im Hilfenetz des Landkreises Lörrach einnimmt. „Ich freue mich sehr. Wir haben für unsere Arbeit viel Wertschätzung und Anerkennung erfahren“, resümierte Frank Meißner, Leiter der Drogen- und Jugendberatungsstelle Lörrach, nach der Jubiläumsveranstaltung.
Steigende Nachfrage in den vergangenen Jahren
Auf die Entstehung und Entwicklung von KiSEL blickten AKRM-Vorstand André Marker und Elke Zimmermann-Fiscella, Sozialdezernentin beim Landratsamt Lörrach, in ihren Begrüßungsreden zurück. Ein fester Anker sei KiSEL für die Kinder und Jugendlichen im Landkreis Lörrach geworden.
Auch Frank Meißner, Leiter der Drogen- und Jugendberatungsstelle, erinnert sich an die Geburtsstunde von KiSEL, in der sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Sucht- und Jugendhilfe zusammensetzte, die von der damaligen kommunalen Suchtbeauftragten, Brigitte Baumgartner, geleitet wurde. Der hohe Bedarf und die steigende Nachfrage nach Unterstützung für diese Kinder und Jugendlichen, die mit einer Suchterkrankung innerhalb der Familie aufwachsen, haben dann im Laufe der Jahre zu einer Ausweitung des Angebotes KiSEL geführt.
Inzwischen gibt es fünf KiSEL-Gruppen für Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters im Landkreis Lörrach. Damit ist KiSEL seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des regionalen Hilfenetzes. Besonders berührend war der persönliche Bericht von Max, einem ehemaligen KiSEL‑Teilnehmer und Klavierlehrer. Bevor er die Feier musikalisch begleitete, erzählte er von seinem Aufwachsen mit suchtbelasteten Eltern und davon, wie sehr die Sucht das Familienleben bestimmt hatte.
Jedes sechste Kind kommt aus belasteter Familie
Ein Satz aus seiner Zeit bei KiSEL ist ihm bis heute besonders im Gedächtnis geblieben: „Wie geht es dir?“ Diese scheinbar einfache Frage habe für ihn eine große Bedeutung gehabt. Zum ersten Mal habe er das Gefühl gehabt, dass sich jemand wirklich für ihn und sein Befinden interessiere. Zu Hause habe sich schließlich alles um die Sucht der Eltern gedreht.
Für Max war KiSEL eine wichtige Unterstützung. Seine Geschichte machte bei der Jubiläumsfeier zugleich deutlich, wie wichtig Hilfsangebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien sind. Jedes sechste Kind in Deutschland lebt in einer Familie mit suchterkrankten oder psychisch belasteten Eltern, führt Sandra Groß, Diplom-Sozialarbeiterin und Familientherapeutin mit jahrelanger Erfahrung in der Arbeit mit Kindern aus suchtbelasteten Familien, aus. Doch längst nicht jedem dieser Kinder stehen in Deutschland entsprechende Hilfsangebote in einem geschützten Rahmen zur Verfügung. Seit 20 Jahren bietet KiSEL genau diesen geschützten Rahmen an.
Die betroffenen Kinder und Jugendlichen erhalten die Möglichkeit, über ihre Situation zu sprechen – und damit auch die Erlaubnis, ihre eigenen Bedürfnisse und Gefühle in den Mittelpunkt zu stellen. In den Gruppen geht es nicht nur um Gespräche. Gemeinsame Aktionen und Ausflüge gehören ebenso zum Angebot. Die Kinder und Jugendlichen lernen dabei, das „Chaos im Kopf“ zu ordnen, Ängsten zu begegnen, das Verhalten ihrer Eltern besser zu verstehen und mit möglichen Schuldgefühlen umzugehen. „Das ist wirklich sehr wichtig“, betont Frank Meißner. Kinder, die mit einer Suchterkrankung der Eltern aufwachsen, seien besonderen Belastungen ausgesetzt. Ohne professionelle Unterstützung könne sich die familiäre Suchtbelastung auch langfristig auf ihre Entwicklung auswirken.
Das 20-jährige Bestehen von KiSEL ist deshalb nicht nur ein Anlass, auf die vergangenen Jahre zurückzublicken. Es ist zugleich ein Anlass, die Bedeutung der Arbeit für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sichtbar zu machen – und den vielen Menschen und Institutionen zu danken, die KiSEL auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben. Anlässlich des 20. Geburtstags von KiSEL ist im Foyer der Sparkasse Lörrach Rheinfelden vom 30. September bis 7. Oktober die Ausstellung „Gesicht zeigen“ zu sehen.
