Spannende Entdeckung: So funktionierte die mittelalterliche Heizung

Blick in die Warmluftheizung: Die Steinpackung diente als Wärmespeicher.
ABBS- Archäologen fanden in Basel eine gut erhaltene Warmluftheizung aus dem 13. Jahrhundert.
- Die Anlage lag im Kloster Gnadental und dürfte den Speisesaal des Wohntrakts beheizt haben.
- Funktionsweise: Steine wurden erhitzt, Rauch zog ab, dann strömte heiße Luft durch Öffnungen.
- Vergleichbare Heizungen sind selten in der Schweiz – besser belegt weiter nördlich.
- Die Heizanlage soll erhalten bleiben und in die geplante Bibliothek integriert werden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Basel gehört zu den Orten, an denen sich Geschichte gewissermaßen stapelt. Frühgeschichtliche Siedler, Kelten, Römer, Germanen und die aus deren Durchmischung hervorgegangenen Bewohner der frühmittelalterlichen Bischofsstadt – sie alle haben im Untergrund beiderseits des Rheinknies ihre Spuren hinterlassen. Erst recht gilt das dann für das 11. bis 14. Jahrhundert, als Basel einen Entwicklungsschub erlebte, der sich nicht zuletzt im Bau des Münsters und der strategisch wichtigen Rheinbrücke niederschlug. Das heißt, praktisch überall, wo in Basel gebaut wird, können archäologische Funde zutage gefördert werden.
Deshalb ist die Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt immer dann gefordert, wenn sich Einblicke in den Untergrund bieten. Ein Beispiel dafür ist der Umbau der alten Gewerbeschule an der Ecke Petersgraben/ Spalenvorstadt, die der Kanton für die benachbarte Universität herrichtet. Weil an dieser Stelle bekanntermaßen im Mittelalter das Kloster Gnadental stand, erforschten die kantonalen Archäologen den Boden unter dem markanten Schulhaus aus dem 19. Jahrhundert etwas genauer.
Der Umbau war auch deshalb eine gute Gelegenheit, weil die Pläne vorsehen, im Untergeschoss eine Institutsbibliothek unterzubringen. Die laufenden Arbeiten gehen also in die Tiefe, wo die Archäologen tatsächlich auch fündig wurden. Zum einen stießen sie auf die Reste einer alten Mauer, die einst vermutlich das Schiff der Klosterkirche zum ehemaligen Kreuzgang markiert hat.
Diese Funde wurde dokumentiert, so dass sich die Lage der mittelalterlichen Anlage nun genauer lokalisieren lässt. Allerdings waren die Mauerreste für sich gesehen nicht so bedeutsam, als dass man sie hätten bewahren oder in den Umbau integrieren können. Ganz anders verhält es sich mit dem Hauptfund. Im Boden des Untergeschosses, dort wo einst der Wohntrakt des Klosters gestanden haben muss, stießen die Archäologen auf ein mit Steinen gefülltes Gewölbe, das an seiner Oberseite markante Öffnungen aufwies. „Wir haben gleich gewusst, was es ist“, sagt Marco Bernasconi, der bei der Archäologischen Bodenforschung Basel die Abteilung Ausgrabung leitet.
Weiter nördlich weit verbreitet
Bei dem Fund handelt es sich um eine Heizung, wie sie in der Schweiz sonst nur zweimal gefunden wurde, allerdings bei weitem nicht in dem Erhaltungszustand wie nun in Basel. Weiter nördlich waren solche Heißluftheizungen weiter verbreitet. Einen guten Vergleich bietet eine gut erhaltene Konstruktion aus dem Kloster Maulbronn im Kraichgau. Wie jene Anlage wird auch der Basler Fund zwischen Mitte 13. und Anfang 14. Jahrhundert eingeordnet. Kein Zweifel besteht hinsichtlich der Funktionsweise.
Über einem Feuer wurden zunächst Steine erhitzt und wenn der Rauch abgezogen war, öffnete man die Löcher im Gewölbe, durch die dann heiße Luft in den darüber liegenden Raum strömte – in Basel war es vermutlich der Speisesaal. Erkalteten die Steine, wurden die Öffnungen so lange wieder verschlossen, bis der Rauch vom neuen Feuer wieder verzogen war. Dann ließ man abermals die 120 bis 200 Grad heiße Warmluft verströmen.
Töchter reicher Familien
Kantonsarchäologe Guido Lassau ordnet den Fund weit oben auf der Bedeutungsskala ein. Dafür spricht zunächst der Erhaltungszustand, den der Archäologe sogar an einem sinnlichen Eindruck festmachen kann: „Man konnte sogar noch den Ruß an den Steinen riechen.“ Wichtiger aber ist der Hinweis, den dieser Fund für die Technik- und Alltagsgeschichte jener Zeit bietet. In der aufstrebenden Stadt Basel gab es damals mehrere Klostergründungen, und wie in diesem Fall bei den Klarissinnen brachten reiche Familien ihre unverheirateten Töchter darin unter. So ist zu erklären, warum ausgerechnet in einem Frauenkloster „ein Ferrari unter den Heizungen“ (Lassau) verbaut war.
Wegen dieser Bedeutung soll die Heizanlage erhalten bleiben. Wie genau das Gewölbe in den Umbau, genau genommen in die künftige Bibliothek, integriert werden kann, ist noch nicht geklärt. Tina Oshiro vom kantonalen Hochbauamt sagte bei einem Medientermin, man werde eine Lösung finden, die für alle Beteiligten akzeptabel sei.

