Sommertour in Lörrach: „Klimaschutz ist Bevölkerungsschutz“

Monika Neuhöfer-Avdic (r.) mit Britta Staub-Abt und Steffen Vogel an der Rossschwemme
Bernhard KonradGlück gehabt: Nach dem durchwachsenen Wetter der vergangenen Tage konnte die erste „Sommertour“ der Stadt bei besten Bedingungen stattfinden. Man habe fast schon vergessen, dass der Juni der zweitheißeste seit Aufzeichnung der Temperaturdaten gewesen ist, sagte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic zum Auftakt der Velo-Exkursion durch Lörrach. Der Klimawandel sei Realität – besonders in den Städten. Die durchschnittliche Anzahl heißer Tage mit Temperaturen über 30 Grad habe sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht. „Bäume, Wiesen und unversiegelte Flächen schützen unsere Gesundheit, kühlen und schaffen lebenswerte Räume für alle Generationen. Wer heute in Grün investiert, sorgt für Lebensqualität von morgen,“ sagte Neuhöfer-Avdic.
Klimaschutz ist ein Querschnittsthema
Die Kommune reagiert auf die Klima-Herausforderungen mit einer kooperativen Strategie. 2022 wurde die fachbereichsübergreifende AG „Grün und Blau“ gegründet. Ziel ist es, Maßnahmen zu Stadtgrün, Wasserflächen und Klimaanpassung zu bündeln, zu koordinieren und in die Stadtentwicklung zu integrieren.
Kommunale Maßnahmen gegen Hitzestress
Mit dem Fahrrad ging es zu Orten, die beispielhaft für das Mosaik kommunaler Maßnahmen gegen Hitzestress stehen. Die Lerchenstadt zählt derzeit rund 10 000 öffentliche Bäume, etwa 3400 davon stehen im innerstädtischen Bereich. Um ihre Wirkung langfristig zu sichern und zu verstärken, werden klimaresistente Baumarten und mehrjährige, insektenfreundliche Pflanzen eingesetzt.
Schwammstadtprinzip in der Palmstraße
Offenkundig wurde dies etwa an der neu gebauten Palmstraße, wo ebenso stattliche wie klimaresistente Gewächse nach dem Schwammstadtprinzip gepflanzt wurden.
Steffen Vogel, technischer Leiter Stadtgrün, und Britta Staub-Abt, Fachbereichsleiterin „Umwelt und Mobilität“, erläuterten die Zusammenhänge: Statt Regenwasser möglichst schnell abzuleiten, soll es lokal gespeichert und nutzbar gemacht werden. Das funktioniert unter anderem deshalb, weil auch die Erde um den Stamm der Bäume entsprechend begrünt ist. Der Bäume werden raumgreifende Kronen entwickeln, Schatten spenden und damit den öffentlichen Raum aufwerten.

In der Palmstraße wurde das Schwammstadtprinzip offenkundig.
Foto: Bernhard KonradAuch im angrenzenden Bereich wurde entsiegelt: Nun blühen Staudenbeete zwischen dem Gehweg und der erneuerten Straße.
Nebelduschen in der Fußgängerzone
Unterdessen sorgen Nebelduschen in der Turmstraße und am Senser Platz für eine kleine Abkühlung und die punktuelle Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Fußgängerzone.
In der Teichstraße zeigte das neu überbaute Areal der Firma A.Raymond, dass auch Unternehmen klimafreundlicher planen.
Die Verhältnisse in der Straße sind eng und alles andere als einfach. Bei Baumpflanzungen im Innenstadtbereich müssen zudem stets Versorgungsleitungen für Strom-, Gas- oder Wasser in der Planung berücksichtigt werden. Immerhin drei Bäume sind in der Teichstraße dennoch vorgesehen. Insgesamt, so Staub-Abt, habe die Stadt für mehr als 20 Bäume Fördermittel beantragt.
Die Rossschwemme: eine innenstadtnahe Oase
Die Rossschwemme dagegen hat sich bereits als innenstadtnahe Oase an der Wiese etabliert. Schwimmen ist zwar nicht gestattet – aber es dürfte ebenso schön sein, die Füße und die Seele in den sanften Wellen des Flusses baumeln zu lassen.
Etwas versteckt, oberhalb des Radwegs an der Wiese, befindet sich nicht weit davon das Biotop „Vogelgesang“, wo ein kleiner Fischweiher in ein Amphibien- und Libellengewässer umgestaltet wurde.
Fünf Mitarbeiter sind für den Grüttpark im Einsatz
Den Abschluss der Velo-Tour bildete der Grüttpark mit seinem See: Lörrachs Naherholungsgebiet und die grüne Klammer zwischen der Kernstadt und den Ortsteilen. Allein fünf Mitarbeiter, so Vogel, seien ganzjährig damit beschäftigt, den Park in Schuss zu halten.

Monika Neuhöfer-Avdic (l.) mit Britta Staub-Abt und Steffen Vogel am Grüttsee
Foto: Bernhard KonradSechs Beispiele, die dem Klima in Lörrach zugute kommen: punktuell und in der Fläche, bei Neuanlagen und in der Pflege des Bestands. Beides sei wichtig, denn so Neuhöfer-Avdic: „Klimaschutz ist Bevölkerungsschutz.“