Schädlinge in Fischingen
: Landwirtschaft gerät stärker unter Druck

Im Landkreis gibt es neben Maiswurzelbohrer und Maiszünsler weitere, neuere Schädlinge auf den Äckern.
Von
Jutta Schütz
Fischingen
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Jochen Winkler, Fachberater im Landratsamt für Pflanzenbau, Pflanzenschutz und Biodiversitätsberatung, stellt eine Erdmandelgras-Pflanze vor.

Jutta Schütz

Im Weinbau ist es gerade die Amerikanische Rebzikade, welche die Rebkrankheit „Flavescence Dorée“ (FD) , auch „Goldgelbe Vergilbung“ genannt, überträgt. Im Ackerbau liegt ein Schwerpunkt der Kontrollen auf dem Japankäfer, der „alles kahl frisst und Riesenschäden verursachen kann“, sagte Winkler.

Aktiv im Untergrund

Japankäfer, erklärte Liv Jacuk, fliegen vor allem im Juli, aktiv sind die Larven im feuchten Untergrund schon von Januar bis Mai. Die Vernetzung der Landwirte aber auch Gartenbesitzer untereinander und mit den Behörden sei sehr gefragt.

„In Norditalien gibt es durch den Skelettierfraß des Käfers sehr große wirtschaftliche Schäden, in der Schweiz werden aus allen Kantonen Käferfunde gemeldet“, fuhr Jacuk fort. Sie verwies darauf, dass die Käfer entlang der Verkehrslinien, also etwa mit dem Zug, durch die Alpentunnel nach Norden kommen. Zur Bekämpfung des Japankäfers gilt nach wie vor die Allgemeinverfügung vom 6. August 2025, darunter fallen auch Eimeldingen und Teile von Rheinfelden.

Rebzikade setzt zu

Die Rebzikade ist viel kleiner als eine Ein-Cent-Münze, sie verbreitet sich durch den Luftstrom und auch durch Landmaschinen. Gerne sitzt sie in verwilderten Unterlagsreben, deshalb müssen herausgerissen und entfernt werden.

Böschungspflege

„Böschungspflege ist deshalb sehr wichtig“, betonte Jacuk. Auch um die Verbreitung der Rebzikade aufzuhalten, gilt in Teilen des Landkreises eine Allgemeinverfügung seit dem 21. August 2025. Die Rebzikade ist zum Quarantäneschädling hochgestuft worden. Befallene Rebanlagen müssen teils komplett gerodet werden. Engmaschige Kontrollen sind nötig. Sollte sich die FD weiter ausbreiten, kann es im Weinbau zu Millionenschäden kommen.

Zuckerrüben und Kartoffeln

„Zikadenspezialist“ René Pfitzer vom Regierungspräsidium Tübingen schilderte Schäden, welche die Schilfglasflügelzikade vorwiegend bei Zuckerrüben und Kartoffeln verursachen kann. Die Zikade ernährt sich bei den von ihr befallenen Wirtspflanzen von deren Pflanzensaft. Sie überträgt bei der Nahrungsaufnahme zwei verschiedene Bakterien, die bei Zuckerrüben die Krankheit „Syndrome basses richesses“ (SBR) auslöst. Dabei verringert sich der Zuckergehalt in den Rüben sehr stark, sie werden von der Konsistenz her gummiartig (Gummirübenkrankheit).

Kartoffelknollenwelke

Das andere Bakterium verursacht bei befallenen Kartoffeln die Kartoffelknollenwelke, wobei auch Kartoffeln gummiartig werden. Bekämpfen kann man den Zikadenbefall bisher durch Fruchtfolgen und Zwischenfrüchte wie Senf oder Ölrettich, welche die Überlebensrate der Zikaden-Nymphen im Boden reduzieren.

Schwer zu bekämpfen

Bei den Problemunkräutern kommt zum sich unterirdisch durch Knollen schnell verbreitendem Erdmandelgras, das chemisch und mechanisch schwer zu bekämpfen ist, der Stechapfel hinzu. Die Pflanze verbreitet sich gerade wild in Gärten und sehr schnell im Kandertal entlang der Trasse der neu verlegten Gasleitung. Die Samen – eine Stechapfelpflanze produziert bis zu 6000 Samen – waren wohl im Erdreich vorhanden, das nach Fertigstellung der Trasse auf den wiederhergestellten Flächen verteilt wurde. Hier hilft bisher nur das Ausreißen und Ausgraben, was wichtig ist, denn alle Teile der Pflanze sind hochgiftig, der zufällige Verzehr auch kleiner Anteile ist lebensgefährlich.