Raus aus dem Klassenzimmer
: Lörracher Schüler packen zwei Tage im Ehrenamt an

Bei den ersten Ehrenamtstagen der Schule sollten Schüler der Kaufmännischen Schule Lörrach freiwilliges Engagement nicht nur kennenlernen, sondern selbst erleben.
Von
red/pm
Kreis Lörrach
Jetzt in der App anhören

Ömer Karabulut (von links), Ognjen Bankovic, Ammar Alhussein, Mahdi Mohsini berichteten von ihrer Tätigkeit im „Familienzentrum Kinderland Lörrach“.

Roxana Erath
  • Lörracher Kaufmännische Schule führte erstmals zwei Ehrenamtstage durch.
  • Schüler arbeiteten in Kitas, Pflegeheimen, auf Friedhöfen und Naturschutzflächen.
  • Tätigkeiten reichten von Bänke schleifen bis Müll sammeln – bei sommerlicher Hitze.
  • Wichtige Begegnungen: Gespräche über Heimat, Migration, Lebenswege und Zukunft.
  • Ergebnisse wurden in Schule vorgestellt, Partner lobten Einsatz und Verantwortung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Für Schüler der Berufsfachschule und des Wirtschaftsgymnasiums ging es an einem Donnerstagmorgen nicht wie sonst üblich in ihre Klassenzimmer, sondern in soziale Einrichtungen, Kindergärten und in Pflegeheime, zum Friedhof oder auf Naturschutzflächen.

Wo sonst Stundenpläne den Tag strukturieren, bestimmten nun Gartengeräte, Schleifpapier, Gespräche mit Senioren oder das Sortieren von Lebensmitteln den Rhythmus.

Ein erfolgreiches Experiment

Für alle Beteiligten startete damit ein Experiment: Erstmals organisierte die Kaufmännische Schule Lörrach Ehrenamtstage. Zehn Partnerorganisationen aus der Region öffneten ihre Türen. Die Idee ist ebenso einfach wie ambitioniert: Ehrenamt soll nicht erklärt werden, sondern erlebt werden.

Zwei Tage lang arbeiteten die Jugendlichen dort mit, wo Engagement häufig im Verborgenen stattfindet. Sie schliffen Sitzbänke und tauschten Tischplatten aus. Sie unterstützten Workshops, bemalten und lackierten Holzpfähle zur Geländeverschönerung, verlegten Steine, bepflanzten Beete oder sammelten Müll – all das bei sommerlich heißem Wetter.

Doch die körperliche Arbeit erzählt nur einen Teil der Geschichte. Mindestens genauso prägend waren oft die Begegnungen. Es gab Gespräche über Heimat und Migration, über Lebenswege, Erinnerungen und Zukunftspläne – Gespräche, die in einem gewöhnlichen Unterricht kaum planbar sind und für die im gewöhnlichen Unterrichtsgeschehen selten Zeit ist. Mit einem besonderen Effekt: Für viele Schüler und Schülerinnen wurde plötzlich greifbar, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht abstrakt ist.

Warum ist das Ehrenamt wichtig?

Jede Gruppe erlebte einen anderen Ausschnitt dessen, was Ehrenamt täglich leistet – meist fernab öffentlicher Aufmerksamkeit. Was zunächst wie eine Aufgabe erschien, entwickelte sich vielerorts zu Verantwortung. Aus einem Beet wird ein gemeinsames Projekt. Aus einer Bank ein sichtbares Ergebnis. Aus einer Begegnung eine Erinnerung. Gerade diese Erfahrung stand im Mittelpunkt des Projekts: Lernen sollte nicht ausschließlich im Klassenzimmer stattfinden, sondern dort, wo gesellschaftliche Wirklichkeit erfahrbar wird. Erlebnisorientiertes Lernen bedeutet hier nicht Simulation, sondern Teilhabe.

Und darüber wurde gesprochen. Denn das Erlebte wurde gemeinsam mit den Lehrkräften an der Schule reflektiert. Die Gruppen stellten ihre Projektarbeiten und das an den Ehrenamtstagen Erlebte vor: „Was haben wir eigentlich gemacht? Was hat mich überrascht? Was konnte ich beitragen? Was nehme ich mit? Warum ist Ehrenamt wichtig?“ Das waren die Fragen, die gestellt und auch beantwortet wurden.

Es entstanden analoge und digitale Ausstellungsbeiträge, die nicht nur dokumentierten, welche Tätigkeiten ausgeführt wurden, sondern vor allem zeigten, wie sich der Blick auf freiwilliges Engagement verändert hat. Beim abschließenden Rundgang präsentierten jeweils Mitglieder jeder Gruppe ihre Ergebnisse. Die Rückmeldungen aller beteiligten Partner fielen positiv aus. Überall wurde nicht nur Hilfe geleistet, sondern Interesse gezeigt, Verantwortung übernommen und Zusammenarbeit erlebt.

Der größte Erfolg dieser ersten Ehrenamtstage der Kaufmännischen Schule Lörrach liegt womöglich darin, dass alle Lernenden erlebt haben, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht von selbst entsteht. Zusammenhalt wächst nur dort, wo Menschen ihre Zeit verschenken. Und häufig bekommen sie durch Dank und Miteinander mehr zurück, als sie erwartet haben.

Einsatzgebiete

Clean up und invasive Arten pflücken in Weil am Rhein, Diakonie Friedlingen, Friedhof Lörrach, Gevita Lörrach, Haus der Altenpflege Lörrach, Kinderland Lörrach, Kita Ötlingen, Pferdehof Löhrhof, SAK Lörrach und die Tafel Lörrach Brombach.