Radverkehr im Fokus
: Damit der Radschnellweg bald kommt

Wegen klammer Kassen wurden die Planungen zur Radschnellverbindung zwischen Schopfheim und der Landesgrenze in Lörrach auf Eis gelegt. Jetzt soll das Projekt wieder Fahrt aufnehmen.
Von
Michael Werndorff
Kreis Lörrach
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„Nicht ideal“: Über die Trassenführung des Radschnellwegs RS 7 wurde in der Vergangenheit viel diskutiert.

Marco Fraune

Den geplanten Radschnellweg Wiesental (RS 7) von Schopfheim über Maulburg und Steinen bis Lörrach an die Schweizer Grenze bezeichnete die Kreis-Verwaltung in der Vergangenheit als ein Leuchtturmprojekt, das die nachhaltige Mobilität im Landkreis voranbringen soll. Indes: Wegen klammer Kassen und einer Haushaltssperre im Zuge der Beratungen für den Kreishaushalt 2025 wurden die weiteren Planungen auf Eis gelegt. Kreismittel würden erst wieder fließen, wenn mit den vier Partnern – die Städte Lörrach und Schopfheim sowie die Gemeinden Steinen und Maulburg – ein neuer Grundsatzbeschluss gefasst ist. Hintergrund sind die deutlich gestiegenen Bau- und Planungskosten. Im Jahr 2018 wurden die Planungskosten bis zur Ausführungsplanung noch mit 1,4 Millionen Euro beziffert, zuletzt lagen sie bei 4,4 Millionen. Weil das Vorhaben aber nicht an Strahlkraft verlieren soll, schlägt die Verwaltung einen neuen Ansatz vor. Demnach sollen die nächsten Leistungsphasen abschnittsweise und nicht mehr entlang der Gesamttrasse geplant werden, wie dieser Tage im Kreis-Umweltausschuss zu erfahren war.

Vorzugstrasse für den RS7 präsentiert

In dem 2020 begonnenen Prozess zur Schaffung des RS7 haben sich der Landkreis sowie die vier Partner in einer Projektgruppe und mit einer Planungs- und Finanzierungsvereinbarung für ein abgestimmtes Vorgehen des Infrastrukturprojekts zusammengeschlossen. Als wichtigstes Ergebnis konnten der Kreistag und die Gremien der beteiligten Städte und Gemeinden zuletzt die Vorzugstrasse für den RS7 durch formale Beschlüsse festlegen.

Mit der Novellierung des Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes im Frühjahr könne nun ein möglicher Lösungsweg für die Weiterfinanzierung aufgezeigt werden, wie Erster Landesbeamter Ulrich Hoehler darlegte. So wurde die Berechnungsmethodik für die Planungskostenpauschale verändert. Besonders klimafreundliche Projekte, zu denen auch Radschnellverbindungen zählen, erhalten künftig eine höhere Erstattung der Planungskosten. Dementsprechend muss der Kreistag für den Grundsatzbeschluss die Finanzierungssituation erneut aufarbeiten, und zwar in enger Abstimmung mit den beteiligten Städten und Gemeinden, deren finanzielle Lage angespannt ist.

Parkplätze müssen weichen

Zusätzlich zu den finanziellen Fragestellungen hat sich die Verwaltung mit der Umsetzbarkeit der Standards im Streckenverlauf befasst. Damit eine durchgehende Radschnellverbindung mit hohen Ausbaustandards erreicht werden kann, müssen auf einigen Streckenabschnitten starke Veränderungen im bestehenden Straßenraum vorgenommen werden, unter anderem geht es um einen Abbau von Parkplätzen. Dies stelle die Kommunen insbesondere in den städtischen Ortsteilen vor Herausforderungen, heißt es seitens der Kreis-Verwaltung. Und: Standardabweichungen stellten Einschränkungen für die Förderfähigkeit einer Radschnellverbindung dar. Daher müsse für eine Weiterplanung des Projekts eine Strategie hinsichtlich des Verzichts auf Standardeinhaltung beziehungsweise auf Förderangebote für Teilstrecken festgelegt werden.

Streckenabschnitte haben einen Mehrwert

Besonders im Bereich der Ortsdurchfahrt Lörrach-Brombach und teilweise in Lörrach-Stetten kann auf keiner der möglichen Achsen durchgängig der geforderte Standard eingehalten werden. Dies beeinträchtige jedoch nicht den Status einer Radschnellverbindung zwischen Schopfheim und Lörrach, so die Verwaltung. Gemeinsam mit den Städten und Gemeinden werde weiterhin das Ziel verfolgt, eine durchgehende schnelle Radverbindung im Wiesental zwischen Schopfheim und Basel auf hohem Standard zu realisieren.

Das weitere Vorgehen sieht die Bildung verkehrswirksamer Abschnitte vor, wie Hoehler ankündigte. Dabei handele es sich um Streckenabschnitte, deren Umsetzung auch eigenständig einen Mehrwert für den Radverkehr biete. Auf diese Weise werde eine zeitnahe Umsetzung erster Teilabschnitte ermöglicht, ohne die Gesamt-Radschnellverbindung aus dem Blick zu verlieren. Entsprechende Beschlüsse sollen die Gremien im Oktober fassen.