Psychiatrische Kliniken Basel: Praktikanten haben ADHS-Abklärungen gemacht – Klinik nimmt Stellung

Eine ADHS-Diagnose hat für die Betroffenen oft weitreichende Folgen.
Annette Riedl/dpa/dpa-tmn- UPK Basel sollen ADHS-Abklärungen jahrelang weitgehend an Studenten delegiert haben.
- Die Klinik kennt keine Fälle mit Fehldiagnosen und hat am Sonntag Stellung genommen.
- Praktikanten erstellten teils Diagnosevorschläge, eine leitende Psychologin verantwortete diese.
- UPK betonen Supervision und Gesamtbeurteilung durch Fachpersonen – Abläufe werden geprüft.
- Verbesserungen laufen: intensivere Begleitung, neue Co-Leitung, mehr fachliche Ressourcen.
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Diee Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) haben laut der „NZZ am Sonntag“ jahrelang ADHS-Abklärungen weitgehend an Studenten delegiert. Der UPK sind derzeit keine Fälle bekannt, in denen es aus diesem Grund zu einer Fehldiagnose gekommen ist, wie sie am Sonntag mitteilten.
Die „NZZ am Sonntag“ hatte unter Berufung auf ehemalige Praktikanten berichtet, dass diese Patienten teils praktisch im Alleingang auf ADHS abgeklärt und Diagnosevorschläge erstellt hätten.
Eine leitende Psychologin habe die Diagnosen anschließend verantwortet, obwohl sie die Patienten nicht persönlich gesehen habe. Psychologiepraktikanten würden im Rahmen ihrer Ausbildung in standardisierte diagnostische Erhebungsschritte einbezogen, schreiben die UPK am Sonntag dazu. Entscheidend für dessen Qualität seien die fachliche Supervision, die diagnostische Gesamtbeurteilung und die Verantwortung qualifizierter Fachpersonen.
Klinik überprüft die damaligen Abläufe
„Die UPK überprüfen derzeit sorgfältig die konkrete Ausgestaltung der damaligen Abläufe und insbesondere der fachlichen Supervision“, heißt es in der Mitteilung weiter. Die UPK würden die Ergebnisse der Abklärungen sorgfältig auswerten und transparent über mögliche weitere Schritte informieren. Auch die in der „NZZ“-Berichterstattung aufgeworfenen Fragen zur Abrechnung wollen die UPK dabei abklären. Laut der „NZZ am Sonntag“ hält der Krankenversichererverband Prioswiss eine Abrechnung über die Grundversicherung für unzulässig, wenn Praktikanten die Leistungen erbracht haben.
Verantwortliche haben Verbesserungen eingeleitet
Bereits vor der aktuellen Berichterstattung hätten die UPK Verbesserungen in diesem Bereich eingeleitet, heißt es von Seiten der UPK weiter. Die fachliche Begleitung der Praktikanten sei intensiviert worden, und die Fallbesprechungen würden heute durch die neue psychologische Co-Leitung durchgeführt. Zudem sei ein weiterer Ausbau der fachpsychologischen und ärztlichen Ressourcen vorgesehen.
Eine ADHS-Diagnose hat für die Betroffenen oft weitreichende Folgen. Sie kann zum Anspruch auf Nachteilsausgleich in der Ausbildung oder im Studium führen. Und oft zur jahrelangen Einnahme von Medikamenten. Zwischen 2020 und 2024 hat sich in der Schweiz die Verschreibung von ADHS-Medikamenten fast verdoppelt. ADHS-Medikamente verschreiben aber Ärzte und nicht Psychologen.