Polizei findet Munitionsspuren
: Nach Schüssen und einer Toten in Aarau läuft die Fahndung auf Hochtouren

Die Aargauer Polizei hat nach der tödlichen Schießerei an der Raveparty bis Sonntagabend keine Spur zum Täter aufnehmen können und tappt noch im Dunkeln. Drei Hypothesen stehen im Raum.
Von
sda
Aarau
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Bernhard Graser, Mediensprecher der Aargauer Kantonspolizei, informierte über die bisherigen Erkenntnisse.

Bernhard Graser, Mediensprecher der Aargauer Kantonspolizei, informierte über die bisherigen Erkenntnisse.

Keystone/Peter Schneider/KEYSTONE/dpa
  • Nach Schüssen bei Rave in Aarau läuft landesweite Fahndung, Täter noch flüchtig.
  • Polizei prüft drei Hypothesen: Terroranschlag, Amoklauf oder kriminelle Abrechnung.
  • Munitionsspuren von zwei Waffen gefunden – Langwaffe und 9-mm-Waffe möglich.
  • Eine 22-jährige Italienerin starb, fünf Personen wurden leicht bis schwer verletzt.
  • Politik zeigt sich betroffen: Beileidsbekundungen von Bundesrat und Kantonsspitze.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Polizei folgt bei der Frage, worum es sich bei der Tat handeln könnte, drei Hypothesen: ein Terroranschlag, ein Amoklauf oder eine kriminelle Aktivität wie beispielsweise eine Abrechnung im Milieu. Die Täter sei nach den Schüssen geflohen, erläuterte der Aargauer Polizeikommandant Michael Leupold am Sonntagabend vor den Medien.

Unterdessen laufe die Fahndung in der ganzen Schweiz unter Mithilfe des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) und des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) sowie weiterer Kantonspolizeien, vor allem in Solothurn. Auch die deutsche Polizei ist beteiligt.

Gefunden hat die Polizei Munitionsspuren zweier verschiedener Waffen. Eine davon werde bei Langwaffen, beispielsweise Sturmgewehren, eingesetzt, wie Sonder-Einsatzleiter Matthias Schildknecht sagte. Die anderen Munitionsspuren würden für Waffen mit dem Kaliber neun Millimeter wie beispielsweise Pistolen oder Maschinenpistolen verwendet.

Geschossen wurde Leupold zufolge an zwei verschiedenen Orten auf dem Aarauer Schachen. Augenzeugen wollten demnach zwei Täter gesehen haben. Dies sei jedoch noch unklar. Leupold bemühte sich, keine Spekulationen aufkommen zu lassen. So könne ein Täter auch mit zwei Waffen geschossen haben. In einer ersten Phase sei es bei der Ankunft der Polizei nach mehreren Notrufen dann darum gegangen, Sicherheit zu schaffen und mit starken Polizeikräften zu verhindern, dass eine „möglicherweise anwesende Täterschaft“ fliehen könne. Man habe dann aber bemerkt, dass die Täterschaft längst geflohen sein dürfte, erklärte Polizeisprecher Bernhard Graser. In der Folge wurde eine landesweite Großfahndung aufgenommen. Bei solchen Lagen sei es „immer das Gebot der Stunde, die Nachbargebiete zu verständigen und deren Mithilfe einzufordern“.

3500 Besucher vor Ort

Auf dem Aarauer Schachen fand am Samstagabend der „Aarauer Rave“ statt. 3500 Menschen erwarteten die Organisatoren laut ihrer Webseite. Schauplatz der Party war die Pferderennbahn auf dem Gelände, zu dem auch weitere Freizeit- und Sportanlagen wie ein Schwimmbad gehören. Ein Teil des Geländes liegt im Kanton Solothurn. Den Schüssen in Aarau in der Nacht auf Sonntag fiel eine 22-jährige Italienerin mit Wohnsitz in der Schweiz zum Opfer.

Leicht bis schwer verletzt wurden vier junge Männer und eine deutsche Staatsbürgerin mit Schweizer Wohnsitz im Alter von 24 bis 27 Jahren. Es bestehe weiterhin ein Risiko, weil der Täter gefährlich sei, hielt Leupold fest. In der Region Aarau sei die Gefahr jedoch nicht größer als in der übrigen Schweiz. Die Bevölkerung könne sich normal bewegen. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau eröffnete laut Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht unterdessen ein Strafverfahren wegen Verdachts auf mehrfache vorsätzliche Tötung.

Politiker zeigen sich betroffen

Bundespräsident Guy Parmelin zeigte sich auf dem Kurznachrichtenportal X „tief betroffen über die tragischen Ereignisse der vergangenen Nacht in Aarau“. Sein „aufrichtiges Beileid“ gelte der Familie und den Angehörigen des jungen Opfers; seine Gedanken seien auch bei den Verletzten. Bundesrat Ignazio Cassis kondolierte seinem Amtskollegen in Rom, Antonio Tajani, wie das Außendepartement (EDA) in Bern Berichte italienischer Nachrichtenagenturen bestätigte.

Ihr Beileid für den Tod des Todesopfers der Schüsse von Aarau brachte auch die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni zum Ausdruck – ebenfalls auf X. Und auch der Vertreter der Aargauer Kantonsregierung, Polizeivorsteher Dieter Egli, zeigte sich betroffen: „Ich möchte betonen, dass einmal mehr ein Ort, an dem Menschen friedlich zum Feiern zusammengekommen sind, zum Tatort eines Verbrechens wurde“, sagte Egli am Sonntagabend vor den Medien. „Die Gedanken von uns allen sind jetzt bei den Opfern, bei den Angehörigen und ihren Familien, bei allen, die diese schreckliche Nacht miterleben mussten“, so der Regierungsrat weiter. Leider könne ein solcher Vorfall nicht nur in Großstädten passieren, sondern auch in Aarau.