Politik in Weil am Rhein
: Wie junge Leute im „Jupa“ ihren Anliegen Gehör verschaffen

Das Weiler Jugendparlament hat viel erreicht und umgesetzt. Darauf sind die Jugendlichen stolz.
Von
Beatrice Ehrlich
Weil Am Rhein
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Die Jugend spricht im Rathaus mit: das Jugendparlament Weil am Rhein bei seiner letzten Sitzung.

Beatrice Ehrlich

Bald wird ein neues Jugendparlament gewählt. Zu seiner letzten Sitzung kam das amtierende „Jupa“ am Montag im Weiler Rathaus zusammen. Den Rechenschaftsbericht trug Nele Gallasch als Jupa-Vorsitzende vor.

„Zwei Jahre liegen hinter uns. Wir sind laut geblieben. Wir sind ein Motor der Gesellschaft. Es ist uns gelungen, deutlich zu machen, was wir wollen und was wir hier in Weil brauchen“, hielt sie fest. Dass sie tatsächlich Spuren in der Stadtpolitik hinterlassen haben, ging aus ihrer Schilderung zahlreicher Initiativen und Projekte hervor. Angefangen beim Jugendcafé, dem Jugendzentrum im Alten Rathaus in Alt-Weil.

Um dort in Zukunft vielleicht auch in Selbstverwaltung auch Treffen anzubieten, haben einige Jupa-Mitglieder von sich aus eine Schulung durchlaufen. Derzeit werden die Treffen noch von einem Mitarbeiter des Stadtjugendreferats begleitet.

„Die Erfahrung zeigt: Am besten funktioniert der direkte Kontakt“, führte Gallasch weiter aus. Demnach haben die Jupa-Mitglieder zwar auch ihre Öffentlichkeitsarbeit via Social Media ausgeweitet, unter anderem mit einem professionellen Account bei einem bekannten Netzwerk. Bei anderen Jugendlichen stießen sie aber vor allem bei persönlichen Kontakten auf großes Interesse.

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Gefragt als Politik „Influencer“ und Ratgeber

Zu nennen wären hier die „Politik- und Pizza-Gesprächsrunden vor den OB- und Kommunalwahlen im vergangenen Jahr, bei denen Jugendparlamentarier als Moderatoren in Erscheinung traten, aber auch ein Stand am Rathaus beim Spendenlauf Ende Mai sowie zahlreiche Besucher in weiterführenden Schulen, um Jugendliche als Kandidaten für die nächste Wahl zu gewinnen.

Gruppenbild am Rathaus zum Abschied: Die Mitglieder des Weiler Jugendparlaments, deren Amtszeit nun zu Ende geht, mit ihrer Vorsitzenden Nele Gallasch (vorne, 2. v. rechts) und Ebru Akbiyik vom Stadtjugendreferat (hinten links)

Foto: Beatrice Ehrlich

Letzteres übrigens mit durchschlagendem Erfolg: Für die kommenden Wahlen vom 13. bis zum 24. Oktober stehen bereits 25 Kandidaten auf der Liste. Wer will, kann sich noch bis zum 25. Juli darauf eintragen lassen.

Reger Austausch in der Dreiland-Region

Die Jugendparlamentarier können auf viele Aktivitäten zurückblicken, von Austauschtreffen mit anderen Jugendparlamenten aus der gesamten Dreilandregion über Besuche im baden-württembergischen Landtag oder beim Bundesverfassungsgericht bis hin zur internationalen Vernetzung, etwa im Mädchennetzwerk.

“Girls City“ – wie Mädchen ihre Stadt sehen

Als offizielle Jugendvertreter ihrer Stadt werden Jugendparlamentarier immer dann angefragt und eingeladen, wenn die „große Politik“ sich mit Jugendthemen befasst. So kam es zur Zusammenarbeit mit der Stadt bei „Politik und Pizza“, aber auch zu grenzüberschreitenden Treffen mit Entscheidungsträgern, etwa beim Stadtplanungs-Projekt „Girls City“ mit Architekten und Großräten in Basel.

Kontakte knüpfen zu Entscheidern

In Weil am Rhein hat das Jupa Kontakte mit der VHS – leider bisher mit wenig Resonanz bei Jugendlichen – , dem Sommernachtssport, der Seniorensommeraktion und ganz allgemein mit dem Gemeinderat gepflegt. Die Jugendlichen brachten sich mit einem Antrag für einen Trinkbrunnen ein, der im vergangenen Jahr aufgestellt wurde. Sie wirkten aber auch bei der Planung des öffentlichen Volleyballfelds im Rheinpark und bei Alkohol-Testkäufen im Rahmen der städtischen Sucht-Prävention mit. Jupa-Mitglieder waren beim Austausch mit den Weiler Partnerstädten Bognor Regis und Trebbin dabei und auch selbst Gastgeber.

„Jupa-Mappe“ mit Infos für die Nachfolger

Nicht zuletzt hat Nele Gallasch eine „Jupa-Mappe“ erarbeitet, in der sie das gesammelte Vorstandswissen an ihre Nachfolger weitergeben will. Ziel ist unter anderem, an bestehende Kontakte anzuknüpfen und Projekte weiterverfolgen zu können, aber auch die Gründung eines Netzwerks ehemaliger Jugendparlamentarier.

„Bleibt aktiv, unsere Politik braucht Euch“

Simone Brobeil bedankte sich am Ende der Sitzung im Namen des Gemeinderats Weil am Rhein bei den engagierten Jugendlichen. Sie hätten nicht nur viel gelernt und umsetzen können in diesen zwei Jahren, sondern sich auch zu beeindruckenden, reifen Persönlichkeiten entwickelt, lobte sie und animierte zum Weitermachen: „Bleibt aktiv, unsere Politik braucht Euch.“

Jupa-Mitglieder sprechen aus ihrer Erfahrung

Jugendliche für politisches Engagement zu gewinnen, braucht Vorbilder. Drei scheidenden Vorstandsmitglieder, von denen sich zwei wieder zur Wahl aufstellen, zeigten anhand persönlicher Erfahrungsberichte, was ihnen ihre (bisherige) Zeit im Jupa bedeutet.

Die Kassiererin: Zunächst war ihr alles neu, als die Gymnasiastin Hanxue Wang, heute 19, sich 2023 für eine Kandidatur fürs „Jupa“ entschied. Alles war ihr völlig neu, und sie fragte sich, wie man als junge Menschen die Stadt verändern könne.

„Unsere Stimmen werden ernst genommen“: Hanxue Wang

Foto: Beatrice Ehrlich

Jetzt wisse sie es genau, sagte sie. Besonders freut sie sich über die Umsetzung konkreter Vorschläge, die sie einbrachte. Ihr sei die Kasse anvertraut worden, was sie Ordnung und einen sorgfältigen Umgang mit dem Geld anderer gelehrt habe. Sie habe vor dem Gemeinderat sprechen dürfen, eine großartige Erfahrung: „Da sieht man, wie ernst unsere Stimmen genommen werden“.

Die Veteranin: Rawan Farkouh (18), FSJ-lerin in einem Kindergarten, gehörte bereits dem vorherigen Jugendparlament an und will sich im Oktober ein weiteres Mal wählen lassen. In der nun ablaufenden Amtszeit war sie stellvertretende Vorsitzende des Gremiums.

„Wir sind nicht perfekt und müssen es auch nicht sein“: Rawan Farkouh

Foto: Beatrice Ehrlich

Während ihre erste Amtszeit noch von Corona überschattet gewesen sei, gebe es nun viel, auf das sie zurückblicken könne, freut sie sich. Das „Jupa“ schätzt sie vor allem als Ort, um Dinge auszuprobieren – und dabei auch mal Fehler machen zu dürfen. „Auch wenn es mal nicht klappt, das gehört dazu“, sagt sie selbstbewusst.

Das „Küken“: Mit 13 wurde Louise Meintel 2023 ins „Jupa“ gewählt, als es sich konstituierte hatte sie gerade die vorgeschriebene Altersgrenze von 14 Jahren überschritten.

„Ich habe gelernt, wie man in einem Team zusammenarbeitet“: Louise Meintel

Foto: Beatrice Ehrlich

Sie habe viel gelernt, auch in dem verantwortungsvollen Amt als Schriftführerin, das ihr spontan angetragen wurde: wie man in einem Team zusammenarbeitet, wie man sich selbst organisiert, wie man sich Ziele setzt und diese auch erreicht. Darauf sei sie stolz, ebenso auf die gelungene Kommunikation: „Der Austausch mit den Jugendlichen in der Stadt ist uns gar nicht schlecht gelungen“, findet sie.