Niedereggenen gegen Funkmast
: Was wird aus dem Freudenberg?

Was bewegt die Bürger in den Schliengener Ortsteilen und was steht aktuell auf der Agenda? Wir haben beim Niedereggener Ortsvorsteher Timo Hemmer nachgefragt.
Von
Alexander Anlicker
Schliengen
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Wenn immer mehr Winzer die steilen Reblagen am Freudenberg aufgeben, braucht es ein Konzept für die Offenhaltung der Landschaft, sagt Ortsvorsteher Timo Hemmer.

Alexander Anlicker

Es tut sich einiges im Schliengener Ortsteil Niedereggenen. Letztens haben die Mitglieder des Dörfervereins „SchOeNeLi“ (Schallbach, Ober-, Niedereggenen und Liel) einen neuen Wanderweg zwischen Schützenhaus und Weihergärtle angelegt. Am Samstag trafen sich die Ortschaftsräte und engagierte Eltern um den Zaun rund um den neu angelegten Kinderspielplatz bei der Grundschule aufzubauen.

Schulerweiterung

„Wir sind eigentlich hier in Niedereggenen ganz zufrieden“, sagt Ortsvorsteher Timo Hemmer im Gespräch mit unserer Zeitung und verweist auf die Investionen der Gemeinde Schliengen in den Ortsteil. An erster Stelle nennt er die Erweiterung der Grundschule, mit der zwei neue Klassenzimmer sowie ein Vorbereitungsraum für die Lehrkräfte geschaffen wurden, die Wiederherstellung des Spielplatzes bei der Schule sowie die Einrichtung einer Spielstraße.

Die Grundschule in Niedereggenen wurde um zwei Klassenzimmer erweitert.

Foto: Alexander Anlicker

Feuerwehrgerätehaus

Erfreut ist er auch über die Fertigstellung des neuen Feuerwehrgerätehauses am östlichen Ortsrand von Niedereggenen. Die aus der Fusion der Feuerwehr-Abteilungen Nieder- und Obereggenen hervorgegangene Abteilung Eggenertal sei sogar die mitgliederstärkste in Schliengen, berichtet er.

Sicherer Schulweg

Froh ist man im Dorf auch über den Zebrastreifen über die Hohlebachstraße bei der Bushaltestelle am westlichen Dorfrand. Mehr als 30 Jahre lang hat der Ortschaftsrat dafür gekämpft, den Schulweg an dieser Stelle sicherer zu machen. „Das war schon Thema als ich selbst hier zur Grundschule gegangen bin“, sagt Hemmer.

Nach 30 Jahren gibt es endlich den lang ersehnten Zebrastreifen über die Hohlebachstraße für die Grundschüler.

Foto: Alexander Anlicker

Angesichts der Finanzsituation der Gemeinde ist der Ortsvorsteher froh, dass die genannten Investitionen abgeschlossen sind. Für die Zukunft sieht er weniger Spielraum. Dennoch ist er optimistisch und verweist auf das starke ehrenamtliche Engagement im Dorf.

Haus der Vereine

Das alte Feuerwehrhaus bleibt erhalten und wird einer neuen Nutzung zugeführt, erklärt der Ortsvorsteher. Der Dörferverein „SchOeNeLi“ mit seinem Vorsitzenden Heinz Nüsslein habe ein Nutzungskonzept erarbeitet, das vom Ortschaftsrat gutgeheißen wurde. Dieses soll künftig unter anderem als Festscheune, Dorfcafé und Haus der Vereine dienen.

Nach der Fertigstellung des neuen Feuerwehrgerätehauses soll aus dem alten Feuerwehrhaus im Weihergärtle ein Haus der Vereine werden.

Foto: Alexander Anlicker

Wanderparkplatz

Beim Schützenhaus am Steinbruch soll noch in diesem Jahr ein schon länger geplanter Wanderparkplatz entstehen. Aktuell wird die Fläche noch für die Baustelleneinrichtung für den Glasfaserausbau genutzt. Hemmer rechnet damit, dass der Breitbandausbau in Niedereggenen im September/Oktober abgeschlossen ist. Dann werde die Baufirma die in Anspruch genommene Fläche wieder herrichten und den Wanderparkplatz anlegen.

Wie geht’s weiter am Freudenberg?

Niedereggenen liegt eingebettet in eine schöne Kulturlandschaft. Im Süden die zwischen Dorf und Rüttenen liegenden Obstplantagen und im Norden die Reben am Freudenberg. Eigentlich eine hervorragende Südlage werden immer mehr Rebflächen am Freudenberg aufgegeben. Der Weinbau sei wegen der Steillage nicht mehr rentabel, sagt der Ortsvorsteher und Weingutsbesitzer Timo Hemmer. Er habe selbst schon eine Fläche aufgegeben und die Reben herausgerissen. „Wenn die Anlage ein gewisses Alter erreicht hat, pflanzt man keine neue an“, erklärt er. Das Problem: Die Rebflächen sind im Privateigentum.

„Wir müssen zu gegebener Zeit schauen, welche Steuerungsmöglichkeiten man hat“, sagt Hemmer. Das könne heißen, dass die Flächen einmal im Jahr gemäht werden oder dass man sie komplett zuwachsen lässt. Denkbar wäre auch, dass die Eigentümer die Flächen zusammenlegen und von Schafen oder Ziegen beweiden lassen, ergänzt er. Ob dies durch den Landschaftserhaltungsverband, einen Wanderschäfer oder einen örtlichen Landwirt erfolgt, sei dann zu klären. Die Reben verwildern zu lassen, sei die schlechteste Lösung, erklärt der Winzer mit Verweis auf Schädlinge, wie die Rebzikade.

Störender Mobilfunkmast

Die Niedereggener stören sich auch an einem von der Firma 1&1 auf dem Freudenberg geplanten Mobilfunkmast. Das Problem ist laut Ortsvorsteher Hemmer die exponierte Lage am Freudenberg. Sowohl Ortschaftsrat als auch der Gemeinderat hätten das Bauvorhaben abgelehnt, allerdings handelt es sich um ein privilegiertes Vorhaben, das von der Baurechtsbehörde genehmigt werden müsse. Hemmer sieht durchaus Alternativen zum geplanten Standort. Das Unternehmen könnte ja den bestehenden Mobilfunkstandort am Steinenkreuzle nutzen, der etwa einen Kilometer östlich liegt. Denkbar wäre für den Ortsvorsteher auch den geplanten Standort etwas zu verschieben, entweder nach Westen in Richtung Steinbruch oder etwas nach Norden in den Wald, wo der 24 Meter hohe Stahlgittermast das Landschaftsbild weniger störe. Leider, erklärt Hemmer, verweigere sich das Mobilfunkunternehmen einem Gespräch sowohl mit ihm als auch mit Bürgermeister und Bauamtsleiter.