Neues Krankenhaus
: Wie das Baustellenforum das Dreiland-Klinikum greifbar macht

Austausch, Führungen und Vorträge: Beim zweiten Baustellenforum mit geladenen Gästen wurde der Schwerpunkt auf Informationen zum Modellprojekt „Dreiland-Klinikum“ gelegt.
Von
Alexandra Günzschel
Kreis Lörrach
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Das Dreiland-Klinikum wurde erneut als zukunftsweisendes Modellprojekt gefeiert.

Alexandra Günzschel

Die größte Baustelle im Landkreis hat am Wochenende ihre Tore geöffnet. Den Auftakt bildete am Samstag das zweite Baustellenforum mit geladenen Gästen. Es gab Führungen und Vorträge zu ausgewählten Themenkomplexen rund um das Dreiland-Klinikum.

Am Morgen versammelten sich die Teilnehmer zunächst im Eingangsbereich zu einem Baustellen-Frühstück. Denn auch der Austausch wurde bei diesem Treffen mit vielen Vertretern aus Politik und Öffentlichkeit großgeschrieben. Im Anschluss daran wurde das Plenum mit einem Festakt eröffnet. Wie schon im vergangenen Jahr führte Moderator Stefan Mayer launig durchs Programm.

„Das gesamte Gesundheitswesen schaut auf den Lörracher Weg“, erklärte Mayer, bevor Landrätin Marion Dammann die Gäste begrüßte, unter ihnen mit Stefan Glaser (CDU) auch der einzige Bundestagsabgeordnete, den der Wahlkreis nun wieder hat. Insgesamt geriet das zweite Forum etwas nachdenklicher als die Premiere. Zwar wurde das Dreiland-Klinikum erneut als zukunftsweisendes Modellprojekt gefeiert. Doch mischten sich diesmal in eine gedämpfte Euphorie auch solche Töne, die die Herausforderungen klar erkennen ließen.

Eines der größten Projekte im Gesundheitswesen

Dammann sprach von der Faszination der vielen Baustellenmomente, die sie über die Jahre erleben durfte. Manchmal habe sie dabei Aha-Erlebnisse gehabt, manchmal taten sich weitere Rätsel auf. Nun freut sie sich riesig auf den Tag, an dem der Klinikalltag endlich beginnen kann. Ein Sonderapplaus an dieser Stelle verdeutlichte, dass sie damit nicht allein war.

Das Dreiland-Klinikum als „eines der größten Projekte im deutschen Gesundheitswesen“ will in der Region eine Versorgung bieten, die den Menschen konsequent in den Mittelpunkt stellt. Dabei werde der bereits vor zwei Jahrzehnten eingeschlagene mutige Weg fortgesetzt, wie Mayer betonte. Seinerzeit hatten die beiden Lörracher Krankenhäuser als erste entschieden, einen Weg der Partnerschaft zu beschreiten. In etwa einem Jahr werden die Kreiskliniken mit ehemals vier Standorten auch räumlich zusammengelegt.

Organisation wird neu aufgestellt

Optimistisch vorausschauen wollte der Vorsitzende der Geschäftsführung Udo Lavendel. Mit dem Bau müsse auch die Organisation neu aufgestellt werden, sagte er. Es gelte die wohnortnahe pflegerische und medizinische Zukunft zu gestalten. Lavendel plädierte für einen ganzheitlichen medizinischen Ansatz, der neben High Tech auch den High Touch, also die persönliche Zuwendung, nicht vernachlässige.

Für das Dreiland-Klinikum brauche es eine sinnstiftende Vision zur Orientierung. Erste Schritte in diese Richtung wurden mit einer Corporate Identity bereits getan. „Wir entwickeln die Kliniken auch inhaltlich neu“, erklärte Lavendel. Er sprach von einer emotionalen Führung, die Zuversicht und Mut vermitteln soll, aber auch klar Position beziehe. Dies gebe Stabilität in unruhigen Zeiten.

Dass der Weg der Zentralisierung richtig war, schließt Lavendel auch aus der Insolvenzwelle, die die vielen Krankenhäuser im Land erfasst hat. Dies sei politisch durchaus gewollt. Denn es gebe zu viele Betten. Im Landkreis Lörrach, der stärker wächst als andernorts, wird die Bettenzahl mit dem Umzug ins Zentralklinikum reduziert. Dieser Neubau sei ein Alleinstellungsmerkmal, sagte Lavendel.

Fortschritte bei der Digitalisierung

Mit dem Umzug einhergehen sollen auch Fortschritte bei der Digitalisierung. KI rette Menschenleben, plädierte er für einen offenen Umgang mit dieser neuen Technologie. So könne KI beispielsweise sehr verlässlich bildgebende Befunde analysieren.

Ein kleiner Einblick in die Vorträge: Darüber, wie Medizin im Dreiland-Klinikum neu organisiert wird, sprachen Klaus Steinmeyer-Bauer, klinischer Geschäftsführer, und Prof. Tilman Humpl, Ärztlicher Direktor. „Ältere Patienten haben oft mehr als ein Problem“, erklärte Steinmeyer-Bauer. Kämen beispielsweise eine Diabetes- und eine Herzerkrankung sowie ein Oberschenkelhalsbruch zusammen, müssten alle Erkrankungen berücksichtigt werden, um Komplikationen nach Möglichkeit zu vermeiden. Humpl sah den Neubau als Hülle eines Versprechens, das gefüllt werden müsse. Wesentlich dabei sei die neue Medizinstrategie mit ihrer Aufteilung in neun Zentren. In diesen solle zusammenfinden, was fachlich und organisatorisch zusammengehöre.

Besucher haben viele Fragen gestellt

Derweil informierte Leonard Kirch, Kommissarischer Leiter der Zentralen Notaufnahme, eine weitere Gruppe über die Grundsätze in der modernen Notfallversorgung. Es wurden viele Fragen gestellt, etwa zur Triage am Notfalltresen. Dort soll zwar niemand weggeschickt werden, dass aber 30 Prozent der „Notfälle“ auch andere Möglichkeiten gehabt hätten, ist ein Problem, das man angehen will.

Einen Sicherheitsdienst hält Kirch in Lörrach nicht für notwendig. Zwar gebe es immer wieder emotionale Entgleisungen, von tätlichen Übergriffen jedoch sei ihm nichts bekannt.