Minus durch Einkaufstourismus: Schweizer Einzelhandel ist besorgt

Die Schweizer Einzelhändler klagen über rückläufige Umsätze.
PixabayDie Branche rechnet für die Periode von Januar bis Juni 2025 mit einem Umsatzrückgang von 1,9 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Dies teilte der Verband Swiss Retail Federation am Mittwoch mit. Er beruft sich dabei auf eine Auswertung von Debit- und Kreditkartentransaktionen.
Besonders stark unter Druck stehen demnach die Läden. Hier erwartet der Verband einen Rückgang von 2,2 Prozent. Die größten Verlierer sind die Segmente „Freizeit, Hobby, Spielwaren“, „Kleider und Schuhe“ sowie „Uhren und Schmuck“. Beliebt sind hingegen Lebensmittel.
Das Onlinegeschäft hat sich derweil etwas besser entwickelt und wird wohl um 0,8 Prozent zunehmen. Im Vorjahr hatte der Schweizer Onlinehandel noch unter der Konkurrenz chinesischer Internetlieferanten wie Temu oder Shein gelitten.
Konkurrenz durch den Einkaufstourismus
Ein Problem sieht die Swiss Retail Federation aber im Einkaufstourismus. Vor allem im zweiten Quartal seien deutlich mehr Schweizer in die Läden jenseits der Grenze geströmt. Der Verband fordert daher weniger Regulierung und Sozialabgaben für Schweizer Unternehmen. Es brauche aufgrund des starken Wettbewerbs „eine Entlastungsoffensive“. Die Swiss Retail Federation vertritt 1900 Einzelhandelsunternehmen mit 6800 Standorten in der Schweiz. Diese machen zusammen einen Umsatz von über 26 Milliarden Franken und beschäftigen rund 60 000 Menschen. Mit Blick auf die restlichen Monate 2025 zeigt sich der Branchenverband leicht optimistisch. „Wir hoffen auf ein besseres zweites Halbjahr“, so Jenni. Der stationäre Handel solle etwas zulegen können und der Online-Handel weiterhin leicht positiv sein. „Wir gehen aber nicht von Sprüngen nach oben aus.“
US-Zollentscheid für die EU beeinflusst die Schweiz
Schweizer Wirtschaftsverbände nehmen überdies den über das Wochenende kommunizierten US-Zollentscheid für Güter aus der EU mit Besorgnis zur Kenntnis. Die von der US-Regierung gegen andere Länder verhängten Zölle werden indirekt auch die Schweizer Wirtschaft treffen, sind Experten des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse und des Industrieverbands Swissmem überzeugt.
„Wir verfolgen die aktuelle Situation mit Sorge. Zölle wirken sich negativ auf die Weltwirtschaft aus und sind für alle Beteiligten gleichermaßen schädlich“, sagt Jan Atteslander, Geschäftsleitungsmitglied bei Economiesuisse. US-Präsident Trump hatte auf der Plattform Truth Social in einem an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen gerichteten Brief angekündigt, dass für EU-Importe künftig ein Zoll von 30 Prozent gelten soll.