Militärmusik-Festival: Das Basel Tattoo begeistert mit Präzision und Vielfalt

Faszinierende Show – in der Arena wie auch in der Luft: Zur Eröffnung des diesjährigen Basel Tattoo überflog die Patrouille Suisse das Kasernen-Areal.
Rolf RombachTrommeln sind neben Piccolo-Flöten das musikalische Wahrzeichen Basels. In Kombination mit Dudelsäcken ist damit aber weniger die Fasnacht, als viel mehr das Tattoo-Festival verbunden. Es ist inzwischen die zweitgrößte Veranstaltung ihrer Art weltweit und feierte am Freitag unter Begleitung der Kunstflugstaffel „Patrouille Suisse“ imposant die diesjährige Premiere. Erneut ziehen 1000 Akteure die Zuschauer in ihren Bann.
Jets im Tiefflug
Zur Nationalhymne flogen die sechs Jets zwei Mal im Tiefflug über das Kasernenareal. Doch der eigentliche Star des Abends war die Formation, wegen der das Tattoo Basel überhaupt stattfindet: Das Top Secret Drum Corps. Im Mai als Zwischenakt beim ESC-Finale in der St. Jakobshalle bereits weltöffentlich gefeiert, hat die Gruppe für das Tattoo eine neue beeindruckende Formation einstudiert, die den lautesten Applaus des Abends ergatterte. „Vor 30 Jahren trat die erste Generation noch an Geburtstagen auf“, erinnert Chronist Peter Obrist an die Anfänge. Auch bei der Fasnacht in Wyhlen trat die Gruppe einst auf. Der Einladung zum größten Militärmusikfest, dem Edinburgh Military Tattoo, erwuchs dann die Idee, ähnliches in Basel aufzuziehen. Startpunkt einer Erfolgsgeschichte, die 2006 begann und bis heute andauert.
Neben dem Top Secret Drum Corps gab es auch von den angereisten Gästen einige Trommel-Soli.
Sowohl die „Band oh His Majesty’s Royal Marines“ aus Großbritannien als auch die Band der Polizeiakademie-Band aus Katar mit ihrem Drill-Team brachten kleine Choreographien mit den Trommelstöcken mit. Die Abordnung vom persischen Golf vereinte in ihrer Darbietung vieles, was das Tattoo ausmacht: Dudelsäcke und Drums, eine Band sowie ein Drill-Team, das mit der Show-Waffe beeindruckende Kunststücke in der faszinierenden Präzision eines Schweizer Uhrwerks vorführte. Zum Ausmarsch brachten die Polizisten ihren Gastgebern dann mit der „Vogellisi“ ein besonderes Ständchen, und das Publikum sang mit: „z’Berner Oberland isch schön.“
Musikalischer Ritt
Ihre eigenen Sänger dabei hat die US-Air Force Band, die ebenfalls die Zuschauer mit ins Boot nahmen. Von Boogie Woogie bis zu Sweet Caroline animierten verschiedene Solisten. Weniger zum Mitmachen, weil beeindruckend und komplex zugleich: Die Fahrrad Showband „Crescendo“ aus den Niederlanden. Als ob das quer durcheinander fahren ohne Kollision nicht schon anspruchsvoll genug wäre, spielt die Gruppe gleichzeitig ihre Instrumente. Das mag beim Trompeter noch vergleichsweise einfach sein. Aber auch das Trommeln und Saxophon spielen erfolgt auf zwei Rädern. „Wow“, hört man da von der Tribüne mehrfach. Bei diesem besonderen Ritt durch die Arena verdiente sich die Gruppe einen weiteren Auftritt im zweiten Abschnitt des Abends, dann auch mit Holzschuhen und Tracht bekleidet.
Im Gleichschritt
Zum diesjährigen Oberthema „Schottland“ dürfen Tänzerinnen natürlich nicht fehlen. 50 Frauen in feenhaften Kostümen wuselten im Gleichschritt über den Arenaboden. Kaum zu glauben, dass lediglich zwei gemeinsame Probewochenenden hierfür notwendig waren. Die restliche Vorbereitung lief digital unter der Leitung der ehemaligen Highland Dancing-Weltmeisterin Rachel McLagan, der rechten Hand von Tattoo-Produzent Erik Julliard. „Der Auftakt in eine fantastische Festivalwoche ist uns geglückt“, sagte dieser nach dem Auftakt nach Maß bei bestem Wetter zufrieden.
Restkarten gibt es noch unter https://www.baseltattoo.ch/.