Metal extrem aus Efringen-Kirchen
: Lieder aus der Heimat hart, laut und mit treibenden Rhythmen

Das Herz von Michael Schweitzer aus Efringen-Kirchen schlägt für den Metal: zunächst verband er damit Historisches, nun mit der Band „Muggeseggel“ die Mundart.
Von
Maja Tolsdorf
Efringen Kirchen
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Michael Schweitzer bei einem Auftritt der Band Muggeseggel.

Schweitzer/Muggeseggel

Der Gesang von Michael Schweitzer ist eine kraftvolle Mischung aus Knurren, Kreischen und gutturalen Lauten. Die Band mit dem niedlichen Namen „Muggeseggel“, die der 42-Jährige aus Efringen-Kirchen im Jahr 2022 gründete, hat sich dem Grindcore verschrieben.

Es ist ein extrem schnelles aggressives musikalisches Subgenre, das Mitte der 1980er Jahre aus der Verschmelzung von Hardcore Punk und Death Metal entstand. Als Sänger „Bruttler“ hatte er mit der Idee gespielt, alemannische Texte über Alltägliches im Markgräflerland und der Region mit seiner Lieblingsmusikrichtung zu verbinden. „Ich habe in meinem Leben noch nie etwas anderes gehört“, sagt der überzeugte Metal-Anhänger.

Als Schlagzeuger „Saubueb“ sowie „Trübli-Udo“ und „de lieslige Karle“ hinzukamen, nahm das Ganze Gestalt an. Seither kombiniert die Band brutale und harte Grindcore-Metal-Sounds mit witzigen Texten in Mundart. Die Band lebt von Kontrasten, denn so dunkel und brutal die Klänge, so heile Welt ist ihre Kleidung: wildlederne Trachtenhose, Caro-Hemd, Wollsocken und Hut, vier Männer vor Rebstöcken.

Sprache ist Identität

Mit „Muggeseggel“ will Schweitzer die einen Beitrag gegen das Aussterben des Alemannischen leisten. Denn er lebt nicht nur in der Region, er genießt und erforscht sie in seiner Freizeit, will Historisches pflegen und erhalten, ebenso wie den Dialekt, der im Dreiland die Bewohner dies- und jenseits der Grenze miteinander verbindet.

„Sprache ist Identität, es ist schade, wenn das verloren geht“, sagt Schweitzer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Nicht immer zu verstehen

Die Texte von Songs wie „De Pfarrer vo Haltinge“, „Guetseli“ oder „Mässmogge“ sind allerdings nicht immer zu verstehen Wohl typisch Grindcore, denn der Gesang ist da per Definition extrem, laut und häufig nicht zu verstehen.

Die Bandmitglieder sprechen darüber hinaus aber auch Alemannisch auf der Bühne, etwa um die Lieder anzusagen. „Das gab es beim Publikum in Bremen große Augen“, sagt Schweitzer im Gespräch mit unserer Zeitung. In den Liedtexten befassen sie sich neben Alltäglichem auch mit alten Gedichten, Sagen, der Landschaft und den Eigenarten des Markgräflers. Im Lied „Bodesuuri“ singt de Bruttler über Kinder.

Den Text verstehen

Im Netz ist gibt es unter https://muggeseggel.bandcamp.com/ die Songtexte und damit die Chance zu verstehen, was gesungen wird: „Zum Pfuuse hets chei luscht, seckle doets s’sorgt für Fruscht – s’isch e Bodesuri, eifach ä Bodesuri“.

Zudem gibt es dort Vinyl in limitierter Aufgabe oder T-Shirts und Shorts zu kaufen. Im September 2023 hat Muggeseggel ihr gleichnamiges Debütalbum veröffentlicht und ließ im Herbst 2025 das Album Lällekönig folgen, mit Titeln wie „Guetseli“, „S’spengelt dich im Seich umme“ oder „de Pfarrer vo Haltinge“ sowie „Lörrach“.

Reben, Wein sowie Kultur und Lebensart des Markgräflerlands und der Region spielen eine Rolle in den Texten der Grindcore-Band Muggeseggel (Archivfoto).

Foto: Beatrice Ehrlich

Mit dem Debütalbum kam auch der Vertrag beim Label Kernkraftritter Records (KKR), das die Band seither offiziell auch im Booking führt. Schweitzer glaubt, dass es die Gruppe mit ihrem Mundart-Faible bei Labels eher schwieriger hat, als mit Titeln in Englisch oder Hochdeutsch.

Allerdings glaubt er an einen Vertrauens-Vorschuss von KKR, weil Trübli-Udo und der Saubueb in der Death Metal Band Convictors spielen, einer Band aus Wehr, die seit ihrer Wiedervereinigung im Jahr 2008 bei dem norddeutschen Label unter Vertrag ist.

Historisches mit Thrash-Metal vereint

Auch Schweitzer selbst dürfte kein Unbekannter sein, denn als sich die Gruppe Muggeseggel 2022 gründete, war er noch Sänger der Band Pessimist, die er im Sommer 2006 gegründet hatte und die im Mai 2025 ihr Abschiedskonzert in Freiburg gab.

Die Gruppe hatte Thrash Metal in traditioneller Ausführung mit moderneren Einflüssen und solchen aus dem Death-Metal- und Heavy Metal-Bereich kombiniert. In den Liedtexten verarbeitete die Band auch Historisches, einem weiteren Steckenpferd von Schweitzer.

„Schreien“ statt singen

Selbst benutzt er das Wort „schreien“ anstatt singen, wenn er über sein Schaffen auf der auf Bühne spricht, so auch im Interview für das Schweizer Magazin metalfactory. „Eine normale Singstimme habe ich gar nicht“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, was kaum zu glauben ist, weil er eine angenehme und sonore Sprechstimme hat.

Als Gastsänger gefragt

Doch offenbar ist er gut, in dem was er da macht, denn er werde auch immer wieder als Live-Gastsänger gebucht, wie zuletzt von den deutschen Metal-Bands Assassin oder Bitterness. Bei der Gruppe „My Darkest Hate“ ist er zudem auf einem Album zu hören.

Zurück in die Region: Wie das Wort „Lörrach“ nach Muggeseggel-Art gesungen wird, davon gibt es im Netz eine Kostprobe. So viel sei verraten: der Name der Stadt kommt in dunklen tiefen und kehligen Lauten daher.