Leodegarskirche: Die Grenzacher Dorfkirche hat ihren Namen wieder

Der spätgotische Chor der Grenzacher Leodegarskirche feiert sein 600‑jähriges Bestehen.
Helmut Bauckner- Grenzacher Kirche trägt wieder den historischen Namen Leodegarskirche – Beschluss einstimmig.
- Anlass war das 600‑Jahr‑Jubiläum des spätgotischen Chorraums mit eindrucksvollem Gewölbe.
- Bezirkskirchenrat und Oberkirchenrat stimmten zu; in Wyhlen heißt die Kirche Friedenskirche.
- Name knüpft an vorreformatorische Tradition an und zeigt den evangelischen Charakter.
- Leodegar war Bischof von Autun, galt als Märtyrer und ist oft Kirchenpatron in Frankreich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Dank ihres 33 Meter hohen Turms, des romanischen Tympanons und des eindrucksvollen spätgotischen Chorgewölbes zählt die evangelische Kirche von Grenzach zu den bemerkenswertesten Gotteshäusern des Markgräflerlandes. Dass sie nun wieder ihren historisch verbürgten, ursprünglichen Namen bekommt, erfreut viele Menschen. Leodegarskirche soll sie wieder heißen, so wie es auf dem Titelblatt eines Güterverzeichnisses aus dem Jahr 1547 zu lesen ist: „Sannct Leodegarien Gotzhaus und Kirchen zu Crentzach.“
In der Öffentlichkeit wird schon seit längerer Zeit die evangelische Kirche Grenzach mit dem Namen „Leodegar“ bezeichnet, zum Beispiel auf Plakaten mit Konzertankündigungen, im Internet, in Zeitungen oder in persönlichen Gesprächen, obwohl sie diesen Namen offiziell bisher nicht getragen hat.
Jubiläum als idealer Anlass zur Namensgebung
Der Kirchengemeinderat Grenzach hat das 600-Jahr-Jubiläum des Chorraums der Kirche zum Anlass genommen, über den Namen der Kirche zu beraten. Die Mitglieder des Kirchengemeinderates waren sich einig, der Kirche den Namen „Leodegarskirche“ zu geben. Der Beschluss wurde einstimmig gefasst. Der Name wurde in Anlehnung an evangelisch-reformierte Kirchen im benachbarten Basel gewählt. Dort gibt es zum Beispiel die Theodorskirche, die Peterskirche oder die Leonhardskirche. Mit der Namensformulierung wird deutlich, dass es sich nicht um eine katholische Kirche handelt, und gleichzeitig wird an die gemeinsame vorreformatorische Kirchengeschichte angeknüpft.

Die Grenzacher Dorfkirche gilt als eine der schönsten in der alten Markgrafschaft.
Helmut BaucknerDer Bezirkskirchenrat des Kirchenbezirks Markgräflerland hat dieser Namensgebung zugestimmt. Auch der Oberkirchenrat der badischen Landeskirche in Karlsruhe hat sein Einverständnis erklärt.
Nun tragen beide Kirchen der in Zukunft vereinten Gemeinden Grenzach und Wyhlen einen Namen. In Wyhlen heißt die Kirche Friedenskirche, in Grenzach nun wieder Leodegarskirche.
Wer war dieser fast in Vergessenheit geratene Leodegar, der in Frankreich immerhin 55 Mal als Kirchenpatron auftaucht, davon allein im Elsass 23 Mal?
Bisher keine Bezüge zum Kloster Murbach
Auch zwischen Freiburg und Basel gibt es drei Leodegarskirchen, in Biengen bei Bad Krozingen, in Schliengen, in Bad Bellingen, und bis ins 16. Jahrhundert war er auch Patron in Heitersheim. In all diesen Gemeinden lassen sich Beziehungen zum bedeutenden Vogesenkloster Murbach nachweisen. Für Grenzach allerdings sind bisher keine Bezüge zu Murbach gefunden worden.
Dieses bereits im 8. Jahrhundert von Pirmin gegründete und von den Etichonen unterstützte Kloster erwählte sich Leodegar zum Schutzheiligen, war doch seine Familie verwandtschaftlich mit diesem Elsässer Herzogsgeschlecht verbunden.
Leodegar, geboren im Jahr 616, in einer Zeit heftiger Machtkämpfe im sich auflösenden Merowingerreich, hatte dadurch, dass er sich, obwohl in erster Linie Bischof von Autun, in die politischen Wirren seiner Zeit einmischte, heftige Verfolgungen durch seinen Widersacher Ebroin zu erleiden, der in ihm einen Konkurrenten im Spiel um die Macht sah. Ebroin ließ ihn blenden, man schnitt ihm Zunge und Lippen ab und richtete ihn schlussendlich mit dem Schwert hin. Die Folterungen führten dazu, dass man ihn als Märtyrer sah, obwohl diese Auszeichnung eigentlich nur jemandem zustand, der für seinen Glauben zu leiden hatte.
In der Volksfrömmigkeit blieben seine schrecklichen Qualen, seine Verbannungen nach Luxeuil und Fécamp aber auch sein wohltätiges Wirken als Bischof von Autun in Erinnerung. So gründete er beispielsweise ein Spital für die Armen, das 1000 Jahre lang Bestand hatte. Vor allem war ihm auch daran gelegen, die Disziplin des Klerus wiederherzustellen. Er führte für die Klöster die benediktinische Regel ein und wehrte kursierende Irrlehren ab, also Gründe genug, ihn zum Kirchenpatron zu erwählen.
Derzeit ist in der Kirche eine von Axel Huettner konzipierte Ausstellung zur Geschichte der Leodegarskirche zu sehen.