Kurzweilige Schau: Sechs Tonnen Müll – Basler Mülltaucher zeigen ihre kuriosen Funde

Aus Schrott wird Kunst: Die Mülltaucher vom Basler Verein R(h)eingeworfen setzen ihre Funde in Szene.
Michael Werndorff- Basler Verein R(h)eingeworfen zeigt Funde aus dem Rhein – Müll wird als Archiv präsentiert.
- Dieses Jahr holten die Mülltaucher rund sechs Tonnen Schrott aus dem Fluss.
- Stücke reichen von Brillen, Uhren und Schildern bis zu Anker, Sackkarre und Tramschienen.
- Ziel ist Aufklärung: Fremdstoffe und E-Schrott schaden dem Gewässer und seinen Bewohnern.
- Einige Funde werden konserviert oder zu Kunst, vieles landet nach der Schau in der Mulde.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ist das Kunst, oder darf das weg? Jeroen Dierssen lacht. „Der größte Teil verschwindet nach der Ausstellung in einer Mulde. Es gibt aber auch Stücke, die von historischem Interesse sind.“ Die Rede ist von Gegenständen, die die Mülltaucher dieses Jahr vom Grund des Rheins gesammelt haben. Scherben, Sonnenbrillen, Metallschrott, Diebesgut, Brillen, Uhren, Schmuck, Schilder – auch ein Anker und eine Sackkarre haben die umtriebigen Müllsammler während des extremen Niedrigwassers an Land geholt.
Jetzt präsentierte der Verein im Basler „kHaus“ in der Kaserne am Rheinufer für kurze Zeit ein riesiges Archiv aus dem Fluss. Das Ziel: „Die Ausstellung soll die unsichtbare Verschmutzung des Rheins direkt erlebbar machen. Jeder gefundene Gegenstand erzählt seine eigene, oft kuriose oder nachdenkliche Geschichte und soll zum Umdenken anregen.
‚Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber wir holen den Müll raus und sagen: Schaut euch alles an‘“, so Dierssen. Die Ausstellung komme bestens an. „Wir erfahren Zuspruch, und unser Film, der unsere Arbeit unter Wasser zeigt, sorgt für viel Beifall“, freut er sich.
Der Verein hat dieses Jahr rund sechs Tonnen Schrott aus dem Rhein gefischt – sogar Tramschienen waren dabei. Die Bergung habe viel Kraft und Koordination gefordert. Woher stammt dieser Schrott? Eine mögliche Spur führt ins Jahr 1891. Wie Dierssen erklärt, sei es damals am 14. Juni zu einem schweren Eisenbahnunglück gekommen. Die Eisenbahnbrücke über die Birs beim Bruckgut stürzte während eines Hochwassers ein. Dabei kamen 73 Menschen ums Leben, 171 wurden verletzt. Ob die Schienen tatsächlich mit dem Unglück in Verbindung stehen und möglicherweise vor mehr als 130 Jahren in den Rhein gelangten, lasse sich aber heute nicht mehr eindeutig belegen, so Dierssen im Gespräch mit unserer Zeitung.
Fremdstoffe sind ein großes Problem
Im Zentrum der Ausstellungsfläche steht ein Motorroller – oder besser gesagt, was von dem fahrbaren Untersatz noch übrig ist. „Ganz schön verkrustet und verrostet“, murmelt eine Besucherin, die sich von der Schau begeistert zeigt. Neben Motorrädern schlummern auch viele Roller und Velos auf dem Rheingrund. Die in den empfindlichen Lebensraum eingebrachten Fremdstoffe wie Metall, Kunststoff, Gummi und Elektronik seien ein großes Problem.
Ökologisch sei besonders der E-Schrott problematisch, weil die Akkus für gewöhnlich Lithium-Ionen-Zellen und verschiedene chemische Materialien enthielten, die über die Zeit freigesetzt werden können und dem Gewässer und seinen Bewohnern schadeten, wie auf einer Tafel steht. Mit diesen Erklärungen weisen die Mülltaucher auf die Probleme hin, die durch die illegale Müllentsorgung entstehen. „Die Aufklärung ist uns auch ein Anliegen“, sagt Mitstreiter Sascha Meier. „Unsere Mission ist es, den Rhein und seine Ufer vom Abfall zu befreien. Wir wollen die Menschen sensibilisieren und die verborgene und verschmutzte Welt unter Wasser zeigen.“

Leider kein wertvoller Münzschatz: Diebe haben unwissentlich Spielgeld mitgehen lassen.
Michael WerndorffDie ehrenamtlichen Mülltaucher präsentieren ihre Funde regelmäßig auf ihrem Instagram-Account. Manchmal gelingt es ihnen auch, Besitzer ausfindig zu machen, die sich dann riesig freuen. Am Eröffnungstag habe eine Frau die verlorene Lesebrille ihres Mannes wiedererkannt. „Weil er aber zwischenzeitlich stärkere Gläser bekommen hat, kann er mit seiner alten Brille nichts mehr anfangen“, berichtet Dierssen, der immer wieder Fragen von den Besuchern beantworten muss. „Und das habt ihr aus dem Rhein geholt?“ Mal schmunzelnd, mal staunend reagieren Besucher. „Schau, die Uhr geht noch. Wie lange die wohl unter Wasser lag?“, rätselt eine Seniorin. Apropos Rätsel: So manches Fundstück sorgt für offene Fragen. Eines trägt die Aufschrift „Bürgergemeinde der Stadt Basel. Aufnahmezentrum Asylbewerber.“ Wer etwas über dieses Schild weiß oder eine Idee zu seiner Herkunft hat – der Verein würde sich über einen Hinweis freuen, heißt es auf einer Infotafel.
Viele Fragezeichen
Während die meisten Funde mit einem Fragezeichen versehen bleiben, haben die Mülltaucher das Rätsel um einen großen Münzschatz lösen können. Indes: Bei den Münzen handelt es sich nicht um wertvolle Silberlinge, sondern um Spielgeld aus dem Indoorspieleland Tummelplatz in Zofingen. Diebesgut, wie Meier herausgefunden hat. „Die Räuber waren sicher ziemlich enttäuscht und haben ihre Beute damals im Rhein entsorgt.“
Jedes Stück erzählt eine Geschichte
Jedes Stück habe eine Geschichte, sagt Dierssen und deutet auf eine alte Sackkarre, die aufgrund ihrer langen Liegezeit unter Wasser stark verrostet ist. Geborgen wurde das einstige Transportmittel aus Holz und Metall bei den Schiffsanlegern in St. Johann. Experten der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt zufolge soll die Karre im ehemaligen Schlachthof genutzt worden sein. Für die Forscher ist der Fund von wissenschaftlichem Interesse und soll konserviert werden. Nicht alles wird am Ende der Ausstellung bei der Stadtreinigung landen. Die Mülltaucher finden auch immer wieder spannende Objekte, die zu Kunstwerken verarbeitet werden sollen. „Also, nicht alles kann weg“, schmunzelt Dieressen.
