Kraftwerkpläne in Rheinfelden
: Rheineintiefung ist laut Naturenergie „verträglich“

Der Energieversorger will in nächster Zeit die Baugenehmigung beantragen.
Von
Willi Adam
Rheinfelden
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Die Pläne wurden der Öffentlichkeit vorgestellt.

Willi Adam

Die Naturenergie will die Leistung der Kraftwerke Rheinfelden und Schwörstadt verbessern und dafür an zwei Stellen das Flussbett vertiefen. Die Eingriffe unter Wasser sollen Strom für 6000 Haushalte liefern.

Nach einigen Jahren der Planung und nach Sondierungen direkt im Fluss hat Naturenergie mit dem Projekt „Rheinfelden 20plus“ nun eine wichtige Zwischenstation erreicht. Gutachten bestärken das Unternehmen in der Einschätzung, dass die Eingriffe nicht nur technisch sinnvoll, sondern auch umweltverträglich zu gestalten sind.

In den nächsten Wochen wird Naturenergie bei den zuständigen Behörden in Bern und Freiburg die Baugenehmigung beantragen. Diese wird im günstigsten Fall in einem Jahr vorliegen, die Bauphase könnte sich dann in den Jahren 2027 bis 2030 anschließen. Eine endgültige Entscheidung über die Umsetzung werde gleichwohl erst getroffen, wenn die Genehmigungsverfahren abgeschlossen sind und die Ergebnisse der Ausschreibung für die nicht ganz einfachen Arbeiten unter Wasser vorliegen. Dies sagte Jochen Ulrich, bei Naturenergie gesamtverantwortlich für das Projekt, am Montagabend bei einer Informationsveranstaltung in Rheinfelden/Schweiz.

Projektmanager Manuel Schöb hat dabei vor etwa 50 Teilnehmern aus beiden Ländern „Rheinfelden 20plus“ als ein sinnvolles, geradezu zwingendes Vorhaben dargestellt. Zwar müsse man einen zweistelligen Millionenbetrag aufwenden, doch damit, so Schöb, „hat man bis ans Ende aller Tage auf die Leistung dieses Kraftwerks eingezahlt.“ Die Vorteile ließen sich allein durch zwei Vertiefungen des Flussbetts erreichen. Weitere Maßnahmen am Kraftwerk seien nicht erforderlich. „Wir steigern die Produktion, aber man sieht davon rein gar nichts“, erklärt Schöb.

Die „Rheineintiefung“, wie der Fachbegriff korrekt lautet, soll die Stromproduktion am Kraftwerk Rheinfelden dauerhaft um drei Prozent steigern. Was sich wie eine marginale Größe anhört, ist angesichts der Dimension der vorhandenen Anlage „nicht nichts“, wie Projektmanager Schöb formuliert. Zusammen mit den Verbesserungen am flussaufwärts gelegenen Kraftwerk Rhyburg/Schwörstadt rechnet Naturenergie mit 20 Gigawatt zusätzlichem Ökostrom pro Jahr – oder anders gerechnet, mit Energie für 6000 weitere Haushalte.

In der Schweiz, wo zwei Drittel des Stroms aus Wasserkraft kommen (Deutschland: drei Prozent), sind die Betreiber gehalten, bestehende Anlagen zu optimieren. Im Fall des neuen Kraftwerks Rheinfelden musste nicht lange gesucht werden. Bald nach dessen Inbetriebnahme 2010 hatte sich nämlich gezeigt, dass die prognostizierte Leistung nicht ganz erreicht wird. Dies soll nun die Abtragung von Gestein im Flussbett bewirken.

Jeweils 35 000 Kubikmeter Material möchte der Betreiber dem Rhein direkt unterhalb des Kraftwerks Rhyburg/Schwörstadt sowie in Rheinfelden beim Höllhaken zwischen Kraftwerk und alter Rheinbrücke entnehmen. Dadurch wird das Wasser schneller abfließen und der Pegel um bis zu 20 Zentimeter sinken, was wiederum bei den Turbinen für mehr Fallhöhe und Kraft sorgt. Weil die Felsen im Fluss Rückzugsorte für manche Arten sind, wird Naturenergie an anderer Stelle dauerhaft für Ausgleichsmaßnahmen sorgen. Der Baulärm, von dem bei den Anwohnern an beiden Ufern nicht viel ankommen soll, werde laut Gutachten zwar die Fische temporär aus der direkten Umgebung der Bagger verscheuchen.

Größere Auswirkungen auf den Fischbestand werde das lärmintensive Abtragen des Gesteins kaum haben. Denn der Hochrhein, so bewerten es die Experten, gelte wegen der vielen Turbinen unter Wasser ohnehin als ein lauter Fluss. Und daran haben sich die Fische offenbar sowieso schon längst gewöhnt.