Konzert im Jazztone: Französisches Quartett lässt klanglich von südfranzösischer Bar träumen

Das Quartett um Schlagzeuger Matthieu Chazarenc begeisterte das Publikum im Jazztone mit südlich geprägtem Jazz.
Veronika ZettlerIm 70. Jahr seines Bestehens beweist der Lörracher Jazzclub weiterhin sein Händchen für herausragende Buchungen. Hatte beim vorletzten Konzert noch Viviane de Farias mit Bossa Nova das Haus erfüllt, ging es diesmal für rund 90 Besucher auf eine spannende Reise von Südfrankreich nach Nordspanien, gewürzt mit Abstechern in die Karibik und nach Südamerika.
Dass die vier Musiker aus Frankreich um den Schlagzeuger und Komponisten Matthieu Chazarenc Lörrach auf ihrer Tour zwischen Hamburg am Donnerstag und Heidelberg am Samstag einbauten, erwies sich für einen der ältesten Jazzclubs Deutschlands als Glücksfall.
Vorrangig präsentierte das Quartett Stücke aus der Album-Trilogie „Canto I“ bis „Canto III“. Dabei glänzte Matthieu Chazarenc nicht nur als brillanter Komponist, der cinematografische Inspirationen mit lateinamerikanischen Elementen und Einflüssen seiner Heimat Gascogne verwebt, sondern auch als unbestrittener Taktgeber. Mit sichtlichem Genuss zog er mit Besen, Stöcken, Schlegeln und bloßen Händen sämtliche klanglichen und rhythmischen Register.
Das Publikum ließ sich bei diesem Fest mannigfaltiger Takte immer wieder zum Mitklatschen animieren. Wie famos das Quartett harmoniert, zeigte sich im feinen Wechselspiel der Individualisten. Laurent Derache entlockte seinem Akkordeon herrlich weiche, melancholische Töne, entführte in die französische Musette oder bei „Rue Marcelle“ in einen beschwingten Walzer.
Wunderbare Duette, besonders zwischen dem Akkordeon und dem sanften Flügelhorn von Sylvain Gontard, prägten den Abend.
Ein Gänsehautmoment: Ein leises, nuanciertes Kontrabass-Solo von Christophe Wallemme, das in den perfekten Einsatz des Flügelhorns mündet, um schließlich im vollendeten Tutti aufzugehen.
Leise Töne zu rasantem Tempo gesteigert
Stücke wie „Cançon“, „Mascagne“ oder das im elsässischen Lockdown geschriebene „Azur“ offenbarten enorme Dynamik – zelebrierte leise Töne steigerten sich unvermittelt zu rasantem Tempo. Blitzte dann noch ein kurzes Tango-Fragment auf, wähnte man sich unversehens in einer Bar am südfranzösischen Strand.
Während am Abend alles perfekt ineinandergriff, gab es am Mittag noch eine Hürde zu nehmen. Weil der hauseigene Kontrabass den Ansprüchen von Christophe Wallemme nicht genügte („Non!“), musste adäquater Ersatz organisiert werden.
Für die nötige Generalüberholung des Jazztone-Basses seien Spenden daher jederzeit willkommen, wie der zweite Vorsitzende Peter Windhausen augenzwinkernd anmerkte. Nach mehreren Zugaben, darunter das viel beklatschte „Sous le ciel de Paris“, entließ die Band ein beschwingtes Publikum in die Nacht.
Club hat noch viel vor im Jubiläumsjahr
Und der Club um den Vorsitzenden Felix Herrmann hat im Jubiläumsjahr noch viel vor, etwa Kooperationen mit der städtischen Musikschule und dem Free Cinema. Als einer der musikalischen Höhepunkte wirft zudem bereits das Jubiläumskonzert mit der Pianistin Olivia Trummer seine Schatten voraus.