Kompliziertes System: Warum die Pflegeausbildung im Kreis Lörrach vor neuen Hürden steht

Im Kreis Lörrach hat die generalistische Pflegeausbildung zu leicht steigenden Ausbildungszahlen geführt.
Friso Gentsch/dpa- Generalistische Pflegeausbildung im Kreis Lörrach stabilisiert die Zahlen und lindert den Engpass.
- Pflicht zu Praxiseinsätzen in allen Bereichen erzwingt Kooperation – Koordinierungsstelle hilft.
- 784 Auszubildende seit Start erfasst, 352 sind noch dabei, 227 legten Examen ab.
- Abbrecherquote liegt bei 24 Prozent, bereinigt etwa 20 Prozent; Anmeldungen steigen dieses Jahr.
- Probleme: zu wenig Praxisanleiter, geringe Kooperationsbereitschaft und offene Ausgleichszahlungen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seit 2020 werden die früheren Berufe Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege in einer Ausbildung zusammengefasst. Der Pflegeberuf neuen Zuschnitts soll Durchlässigkeit zwischen den Bereichen fördern und somit den flexiblen Einsatz des knappen Personals erleichtern, außerdem soll der generalistische Ansatz besser auf die Überlagerung von gesundheitlichen und altersbedingten Problemen eingehen können.
Schließlich soll die EU-weite Vereinheitlichung den Einsatz von Pflegekräften im oder aus dem Ausland erleichtern. Kritiker weisen unterdessen auf den Verlust an Spezialwissen hin. Immerhin: Im Kreis Lörrach hat die generalistische Pflegeausbildung zu stabilen oder leicht steigenden Ausbildungszahlen geführt, was den regionalen Pflegenotstand lindert. Dies wurde bei einem Bericht im Sozialausschuss des Kreistags deutlich.
Dass sich das politische Gremium überhaupt mit der Ausbildung in einem bestimmten Berufsfeld befasst, hat mit den besonderen Bestimmungen der neuen Pflegeausbildung zu tun. Gesetzlich vorgeschrieben sind Praxiseinsätze in allen Bereichen der Pflege, was im Kreis Lörrach keine einzelne Einrichtung bieten kann. Deshalb sind Pflegeschulen und ausbildende Betriebe dazu gezwungen, ihre Auszubildenden für die nicht selbst vorgehaltenen Fachgebiete in andere Einrichtungen zu schicken.
Dieses komplizierte System, das neben Qualitätsstandards auch Ausgleichszahlungen für diese Einsätze umfasst, erfordert eine Koordinierungsstelle, die beim Landkreis angesiedelt ist. „Ich wüsste nicht, wie es ohne diese Koordinierungsstelle funktionieren sollte“, sagte Landrätin Marion Dammann bei der Präsentation des Jahresberichts.
Zusätzliche Aufgabe ist unerlässlich
So kritisch neue Stellen zu bewerten seien – diese zusätzliche Aufgabe sei unerlässlich. Im Kreis Lörrach sind an der generalistischen Pflegeausbildung 46 Träger der praktischen Ausbildung sowie 29 weitere Einrichtungen und vier Schulen beteiligt. Die Koordinierungsstelle hat seit dem Start der neuen Ausbildungsstruktur 784 auszubildende erfasst, von denen derzeit noch 352 in der Ausbildung sind und 227 bereits ihr Examen abgelegt haben. 17 Auszubildende sind endgültig bei den Prüfungen durchgefallen. 188 Auszubildende haben die Ausbildung abgebrochen, was einer Quote von 24 Prozent entspricht. Einige nehmen die Ausbildung zum Beispiel nach einer Schwangerschaft später wieder auf, was die bereinigte Abbrecherquote auf etwa 20 Prozent drückt.
Abbrecherquote ist unauffällig
Stephanie Wizent von der Koordinierungsstelle ordnete diese Abbrecherquote auf Nachfragen aus den Reihen der Kreisräte als „unauffällig“ ein. Bei den Anmeldungen (131) ist in diesem Jahr wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Der freikirchlichen Manoah-Schule sind 37 Prozent der Auszubildenden zugeordnet, der kreiseigenen Pflegeschule 36 Prozent und 27 Prozent der Theresia-Scherer-Schule, die zum St. Josefshaus gehört.Hinsichtlich der räumlichen Verteilung gibt es Defizite im Markgräflerland, was aus Landkreis-Sicht vor allem wegen des Personalengpasses beim Pflegeheim in Schliengen Sorgen bereitet.
Für diesen Bereich setzen die Verantwortlichen Hoffnungen in die Ausbildungsbotschafter, die als Projekt der regionalen Pflegekonferenz in die Schulen geschickt werden, um für Pflegeberufe zu werben. Bei der Koordination der Ausbildung gibt es zunehmend Probleme mit der praktischen Anleitung. Diese darf nur von examinierten Pflegekräften mit einer Zusatzausbildung erteilt werden. Gerade in kleinen Einrichtungen gibt es zu wenig Ausbilder.
Zu wenig erfahrene Kräfte wollen die 300-stündige Zusatzausbildung auf sich nehmen. Ein weiteres ernstes Problem sei die mangelnde Kooperationsbereitschaft einzelner Ausbildungsstätten. Es gebe Fälle, in denen fünfstellige Summen an Ausgleichszahlungen nicht geleistet würden, berichtete Stephanie Wizent. Nun werde überlegt, ob in die Kooperationsvereinbarungen nachträglich Kündigungsmöglichkeiten eingefügt werden können, um eine Handhabe gegen säumige Ausbildungsstellen zu haben, hieß es im Ausschuss.