Keine Badeshorts in Lörrach: Neue Regeln im Parkschwimmbad werden konsequent durchgesetzt

Badeshorts sorgen für Diskussionsstoff.
Gabriele HaugerAn dieser Regel scheiden sich indes die Geister. Ein subjektiver Blick ins Bad.
„Ich werd’ verrückt. Das darf doch nicht wahr sein.“ Eine aufgeregte Mutter starrt fassungslos auf das große Schild im Eingangsbereich des Parkschwimmbads. Dieses weist deutlich darauf hin: keine Badeshorts, wie generell keinerlei textile Bekleidung im Beckenbereich. Betreten stehen ihre zwei Söhne daneben. Deren Blick fällt auf die Kreidetafel daneben mit dem Schlechte-Laune-Emoji. „Badehosen ausverkauft“ steht da.
Badehosen ausverkauft
Kein Wunder, haben doch offensichtlich viele Badewillige vom Shortsverbot noch nichts gehört, und so sind die Bestände an diesem Tag leer gekauft. Die Frau tut einem leid, die Kids auch. Denn es ist heiß, das kühle Nass liegt quasi vor der Nase. Aber die neue Regel, die übrigens auch in anderen Bädern wie beispielsweise im Laguna in Weil am Rhein gilt, besagt eindeutig: no Shorts.

Dieser Umstand scheint behoben. Am Kiosk gibt es Badehosen.
Foto: Gabriele HaugerSzene zwei: Ein sommerlicher Samstagvormittag, eine Schweizer Familie packt unterm Baum ihre Handtücher aus. Papa marschiert mit den zwei Söhnen, kleines Paddelboard unterm Arm, zum Becken. Der Schwimmmeister an der Treppe hat die drei im Blick und schüttelt den Kopf. Ein klärendes Gespräch. Der Vater zieht sich um, hat nun enge Badehosen an. Die Kids nicht. Zweiter Versuch. Erneutes Kopfschütteln, eine etwas angespannte Diskussion beginnt. Schließlich packen die Schweizer empört ihre Sachen zusammen und ziehen enttäuscht davon. Auch sie tun einem leid. Der Samstag dürfte gelaufen sein.
Keine Ausnahmen
Ausnahmen könne man keine machen, erklärt einer der Schwimmmeister den Badegästen. Sonst gehe die Diskutiererei los: Der darf, wieso ich nicht? Die Regeländerung habe schließlich ihren Sinn. Zu viele, meist Jugendliche, trugen unter ihren weiten Shorts ihre Unterhosen – ein unappetitlicher Umstand.

Hinweis am Eingang
Foto: Gabriele HaugerDas Kleidungsverbot ist weitreichend: Eine Frau, die in ihrem Sommerkleid die Holzliegen am Becken aufsucht, wird ebenfalls ermahnt. Keine Kleidung im Schwimmerbereich. Irritiert dreht sie um Richtung Umkleide.
Szene drei: Ein etwa Zwölfjähriger, der es ebenfalls unauffällig Richtung Nass versucht, bekommt eine klare Ansage, der Tonfall ist sehr bestimmt: „Andere Badehose anziehen, und ohne Unterhose!“ Denn verdächtig lugt ein Gummiband über seinem Gesäß hervor.
Eine 14-Jährige hat indes, wie sie sagt, keinen Bock mehr aufs Parkschwimmbad. Alle Jungs aus ihrer Klasse seien der coolen Shorts wegen ins Riehener Naturbad ausgewichen. Die meisten Mädels wechseln daher aus Solidarität mit. Und außerdem fänden auch Mädchen sportliche, weite Hosen lässig, sagt die Gymnasiastin.
Der Wahrheit halber: Die Shorts dürfen abseits des Beckens natürlich getragen werden, wie die Regeln besagen. Dennoch sind viele Shorts-Fans sichtlich genervt. Zu den Befürwortern gehört wohl die Mehrzahl aller U50-Badbesucher, wie überall in Bädern und an Seen zu beobachten ist.
Die französischen Nachbarn
Dass die Regeländerung auch dazu dient, den Aufmarsch größerer männlicher Besuchergruppen aus Frankreich, oftmals mit migrantischem Hintergrund, zu verhindern, ist ein offenes Geheimnis. So sind auch Burkinis nur bis Knie und Ellenbogen erlaubt. Ob und wie sich das alles auf die Besucherfrequenz der Nachbarn und die Stimmung im Freibad auswirkt, dürfte sich mit Beginn der französischen Sommerferien zeigen.

Derzeit alles friedlich im Bad
Foto: Gabriele HaugerPrompt trudeln drei junge Männer aus Frankreich zum zweiten Mal beim Becken ein: Sie haben sich offensichtlich mit den geforderten Badehosen am Kiosk eingedeckt, die dieser inzwischen verkauft. Sie haben alle das gleiche Modell gewählt, dazu gleicher Haarschnitt, sie sehen aus wie Drillinge, was Gelächter auslöst, auch beim Schwimmmeister. Der knufft die drei – und ab ins Wasser.
Badehosen allein ändern indes natürlich nichts am Verhalten. Denn gerade das Auftreten großer Männergruppen mit undiszipliniertem Agieren im Becken hatte in den vergangenen Badesaisons für Ärger gesorgt. Doch auch hier wird sichtlich strenger durchgegriffen, kein Laissez-faire mehr.
Kein Querschwimmen
Szene vier: Wer sich austoben will, muss ins Spaßbecken. Ein paar Kids pflügen kreischend quer durchs große Schwimmerbecken. Ein schriller Pfiff und klare Handzeichen: „Nicht querschwimmen!“, so die Ermahnung. Was zwei Damen, die gemächlich nebeneinander ihre Bahnen ziehen, befriedigt zur Kenntnis nehmen. „S’isch viel besser im Bad“, meint die eine, die andere nickt, soweit ihr das Wasser dies ermöglicht.
Diese Meinung dürften zwar nicht alle teilen. Dass die beiden schwarz gekleideten Herren von der Security am Beckenrand den weiteren Sommer über einen ruhigen Job haben, sollten ihnen indes alle Badegäste wünschen.