Kandern
: Fällen oder nicht fällen? Rat entscheidet über Bäume

Obwohl es einen Beschluss gibt, keine gesunden Bäume zu fällen, macht das Gremium bei zwei Bergahorn- Bäumen in Wollbach eine Ausnahme.
Von
Nina Lipp
Kandern
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Wegen der anstehenden Bauarbeiten muss die Esskastanie an der Grundschule Tannenkirch gefällt werden.

Stadt Kandern

In der Gemeinderatssitzung diskutierte das Gremium über die Fällung von Bäumen im Stadtgebiet. Prinzipiell gilt, dass das Fällen eines Baumes nur von Oktober bis einschließlich Februar erlaubt ist – in den übrigen Monaten verbietet es das Bundesnaturschutzgesetz. Um zu verhindern, dass kranke oder geschwächte Bäume Schäden verursachen, beauftragt die Gemeinde Kadern ihre Stadtgärtnerei, die Bäume auf der Gemeindegemarkung im Blick zu behalten – um rechtzeitig Alarm zu schlagen, bevor etwa ein Sturm einen kranken Baum zum Umfallen bringt.

Manche Bäume müssen gefällt werden, führte Bürgermeisterin Simone Penner in die Diskussion ein: etwa, wenn sie die Verkehrssicherheit und dadurch den Schutz der Allgemeinheit gefährden. Prinzipiell bemühe sich die Stadt, Bäume zu erhalten. Es gebe Bäume, die laut Bebauungsplanfestsetzung zu erhalten seien und die, sei das nicht möglich, ersetzt würden.

Esskastanie an Grundschule muss weichen

Der städtische Baumkontrolldienst habe bei einigen Bäumen eine erhebliche Beeinträchtigung der Standsicherheit oder eine fortgeschrittene Erkrankung festgestellt. In diese erste Kategorie fallen die Birken auf dem Spielplatz in Kandern, eine Erle und eine Esche im Hebelpark, die Linde am Kirchplatz, eine Kastanie, eine Lärche und ein Ahorn im Freibad, eine Zeder in der Waldeckstraße beim ehemaligen Lidl-Parkplatz sowie eine Birke an der Grundschule in Wollbach. Das Gremium stimmte geschlossen dafür, dass diese Bäume gefällt werden.

Aus dem Gremium gab es Ankündigungen, dass die kranke Birke an der Grundschule in Wollbach und die von einem Pilz befallenen Linde am Kirchplatz ersetzt werden.

Auch die Esskastanie an der Grundschule in Tannenkirch kann dort nicht stehen bleiben: Sie muss gefällt werden, damit die Stadt ihre Bauarbeiten an der Schule aufnehmen kann. Auch dafür gab das Gremium einstimmig grünes Licht.

Gremium lehnt nicht kategorisch ab

Die dritte Kategorie fallen zwei Anträge auf Baumfällungen „aus privatem Interesse“, wie es in der städtischen Vorlage heißt. Hier sei sie auf die Meinung der Räte gespannt, leitete Bürgermeisterin Simone Penner die Diskussion ein. Ihre Stellvertreterin Ulrike Lerner (CDU) erinnerte zunächst daran, dass das Gremium bereits vor Jahren einen Beschluss gefasst habe, keine gesunden Bäume zu fällen, nur weil sich einzelne Privatpersonen daran störten. Entsprechend sieht die städtische Vorlage vor, den Antrag auf ihre Fällung abzulehnen, weil „die vorgebrachten Gründe nicht der Zielsetzungen des städtischen Baumschutzes entsprechen“.

Linden dürfen nicht gefällt werden

Weil es immer wieder Anfragen aus der Bevölkerung gebe, sei es dennoch richtig, die Einzelfälle zu prüfen. Die Kanderner hätten das Recht, diese Anträge zu stellen – allein das Argument, das Laub der Bäume störe sie, reiche aber nicht aus. Entsprechend wurde der private Antrag, zwei der insgesamt 17 Linden in der Karl-Berner-Straße wegen ihres Abwurfes von Laub, Blüten, Knospen, Früchten und Honigtau zu fällen, vom Gremium abgelehnt. Michael Höferlin von der Stadtgärtnerei versprach, die etwa 30 Jahre alten Bäume fachlich im Blick zu behalten, verwies aber auch darauf, dass es sinnlos sei, die Bäume zu kappen, um weniger Laubfall zu bewirken.

Bergahorn kann für Pferde tödlich sein

Ein weiterer Antrag bezieht sich auf die zwei Bergahorn-Bäume am Parkplatz am Jägerhaus Egerten. Wollbachs Ortsvorsteher Werner Brugger wies darauf hin, dass die Bäume unmittelbar an eine Pferdeweide grenzen. Die Antragsteller seien die Pferdebesitzer. Die Keimlinge von Bergahorn-Bäumen enthalten ein hochtoxisches Nervengift, Hypoglycin A. Wenn diese von Pferden gefressen werden und in den Stoffwechsel gelangen, könne das für Pferde tödlich sein. Deshalb wünschten die Pferdebesitzer die Fällungen.

Brugger nannte einen weiteren Grund, auf den er in seiner Funktion als Ortsvorsteher hinwies: In unmittelbarer Nähe der Bäume sei vor zehn Jahren, finanziert durch Privatspenden, eine Sitzgarnitur errichtet worden. Wegen der Bäume sei es dort komplett schattig, die Sitzgarnitur sei verfault und kaputt. Am Samstag werde diese erneuert. Die Bürger, die den Antrag zur Fällung der Bergahorn gestellt haben, hätten angekündigt, dort neue Bäume zu pflanzen.

Die Mehrheit der Gemeinderatsmitglieder überzeugte das: acht Gemeinderäte und Bürgermeisterin Penner stimmten für das Fällen der beiden Bergahorn-Bäume, wenn dort neue Bäume gepflanzt werden, zwei Räte stimmten für das Stehenlassen der Bäume, vier Räte enthielten sich.

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